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28.04.2008, 17.27 Uhr

Von Kühen und Klamotten

Da es hier ja offenbar darum geht, die Landwirtschaft mit dem "Verbraucher" zusammenzubringen, hab ich mir gedacht, ich schreib hier mal auf, was die Landwirtschaft in meinem Leben für eine Rolle (oder eben keine) gespielt hat.
Sie war für mich lange kein wirkliches Thema. Ich bin zwar auf dem Land aufgewachsen, komme aber aus keiner bäuerlichen Familie. Meinen ersten Kontakt mit der Landwirtschaft hatte ich so mit 8 Jahren. Da zogen wir in ein Haus direkt neben einem Bauernhof. Im Berchtesgadener Land verdiente ein Landwirt sein Geld üblicherweise mit der Milchwirtschaft. Es gab also gleich nebenan Kühe. Was ich davon mitnahm hier in Stichpunkten:
- Die Odeltage:
Ich erinnere mich, dass meine Mutter fest davon überzeugt war, Bauer K. beglücke seine Felder mit dem wohlriechenden Nass ausdrücklich und nur dann, wenn sie sich auf der Terrasse sonnen wollte. Bauer K. bestritt den Vorwurf heftigst.
- Die Stallausmist-Tage:
Im Gegensatz zu mir gab es für meine kleine Schwester nichts Herrlicheres, als im Stall mitzuhelfen. 2 x in der Woche durfte sie das tun. Sie nannte das dann Mistrausradeln, es war ja eine Schubkarre dazu nötig. Meine Mutter und ich rümpften die Nase, wenn sie zurückkam, wir fassten mit spitzen Fingern die Klamotten an, die sie im Stall getragen hatte und warfen sie postwendend in die Waschmaschine. Mein Vater schimpfte, wie verweichlicht wir seien, wenn wir nicht 2 x die Woche guten Stallgeruch aushalten könnten.
- Die Milchtage:
Bäuerin Kathi liebte ihre Kühe über alles. Jede hatte einen eigenen Namen, ich erinnere mich an Enzian, Edelweiß, Marei und Thekla. Sie wurden natürlich in den 60er - 70er-Jahren noch mit der Hand gemolken. Und die Kinder um den Bauernhof herum wurden Punkt 17 Uhr hingeschickt, um "kuhwarme Milli" zu kaufen. Auch das war nicht so richtig mein Ding. Ich sah etwas Undefinierbares in der Milch schwimmen und konnte den Geruch schon nicht ertragen. Damals schüttete Bäuerin Kathi uns ab und an ihr Herz aus, dass sich der Aufwand, den sie mit ihren 7 oder 8 Kühen betrieb, wirklich nicht lohnte, aber ohne Kühe sei das einfach kein Leben. „Ohne Küah – do mag i gor nimma – sagte sie uns immer wieder.
- Die Singtage:
Bäuerin Kathi gründete mit meiner Mutter und einer anderen Frau aus der Nachbarschaft einen Frauen-Dreigesang. Echte – ganz wichtig, keine volkstümliche sondern echte – alpenländische Gsangl. Und so gab es zumindest in der Vorweihnachtszeit mehrmals wöchentliche Singabende, entweder bei uns im Wohnzimmer oder im Bauernhof nebenan.
Später, in den Teenie-Jahren, waren auch die Singabende nicht mehr das Gelbe vom Ei... dafür wurde der Sohn des Hofes interessanter..

Wie es dann weiterging mit meinem Bild von der Landwirtschaft in einem späteren Beitrag.

PS: Barthl - falls du das liest nach gut 35 Jahren und du hier dein Pfingstlerlehen wieder findest - reiss mir bitte nicht den Kopf ab

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Philine

Philine

Alter: 62 Jahre,
aus Schönau
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