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Agrarsanis Landtechnik - Blog

Ständig neue Technik... (71 Einträge)

Fendt Rübenerte John Deere Rübenernte Gilles Sammelbunker
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23.12.2008, 20.34 Uhr

Rüben-Erntetechnik in Belgien: "Zweiphasig" bleibt im Trend

Text: Sascha Jussen

Im Norden und Osten Deutschlands findet man es kaum noch - im äußersten Westen der Republik, in der Jülicher Börde, ist es ebenfalls vom Aussterben bedroht: das so genannte zweiphasige Rübenerntesystem. Was dem einen oder anderen als Relikt aus den 80er Jahren erscheinen mag, ist in unserem kleinen Nachbarland Belgien das Rübenernteverfahren Nummer Eins. Kein Wunder, dass zwei der führenden Hersteller auf diesem Gebiet, DeWulf und Gilles, in Belgien angesiedelt sind. Und sich in dem Land zwischen Ardennen und Nordsee zusammen mit einem Marktanteil von rund 80% in der Rübenerntetechnik standhaft gegen den Einzug der selbstfahrenden Vollernter zu behaupten wissen. Mit einigen guten Argumenten, wie ich beim Vorführtag der Firma Gilles am 19. Dezember erfahren konnte:

Gegen Ende der belgischen Zuckerrübenkampagne, die traditionell von Ende September bis Anfang Januar stattfindet, stellte das Unternehmen einige Flagschiffe aus seinem aktuellen Produktangebot im Einsatz vor. Auf einem vom Regen der letzten Wochen ziemlich aufgeweichten Acker rund 10 Kilometer westlich vom Charleroi, im Herzen des Königreichs, waren drei "Chantiers", also Traktoren mit frontmontierten Entbätterern und heckmontierten sechsreihigen Rodeaggregaten in Aktion zu erleben. Die beiden Roder vom Typ AD49 waren mit Rodescheiben ausgestatten; der Roder AS49 mit angetriebenen Rodescharen für besonders schwere Böden. Da die Traktoren (hier ein John Deere 7530, ein Fendt 820 Vario und ein Deutz bei diesem Ernteverfahren nach dem Köpfen vorne und vor dem eigentlichen Roden der Rüben am Heck zwischen den Reihen fahren, kommt schmalere Pflegebereifung zum Einsatz, die zur Verminderung des Bodendrucks vorne und hinten zwillingsweise angebracht wird.

Zur Aufnahme der von den Rodern im Schwad abgelegten Zuckerrüben wurden zwei selbstfahrende dreiachsige Ladebunker vom Typ RB410 (Baujahr 2006 und 2007) gezeigt. Diese 428 PS starken und 21 Tonnen schweren Giganten fahren mit knapp 20 Stundenkilometern über das Feld und nehmen das kostbare Erntegut entweder über ein Siebband oder über zwei Siebsterne auf. Obwohl diese Landebunker bis zu 34 Kubikmeter Zuckerrüben laden können, gingen die Maschinen während der Vorführung nicht an ihre Kapazitätsgrenzen, da der durchweichte lehmige Lößboden des Feldes stark anfällig für Bodenverdichtung war. Der Entladevorgang erfolgte in nur 15 Sekunden über einen Kratzboden und eine rückwärtig öffnende Heckklappe. In diesem Fall wurde eine Lagermiete am Feldrand angelegt; der Bunker des RB410 "Automat" kann aber auch bis auf rund 3 Meter Höhe anhoben werden und so auch direkt auf Anhänger oder LKW überladen.

Auf einem weiteren Beet des rund 12 Hektar großen Vorführfeldes kam statt der selbstfahrenden Sammelbunker ein fabrikneuer gezogener Überlader vom Typ R136T zum Einsatz. Diese Neuheit des Jahres 2008 wird (zusammen mit dem neuen selbstfahrenden Ladebunker RB410TS und dem achtreihigen Köpfer/Roder TR80/AD80) auf der französischen Landwirtschaftsmesse SIMA 2009 erstmals der breiten Öffentlichkeit vorgestellt, wie mir Claas Dams, Marketingleiter von Gilles erklärte. Eine besonders groß dimensionierte Reinigungsturbine mit 1,90 Meter Durchmesser soll eine verbesserte Reinigungsleistung des Überladers erzielen, während das verlängerte Überladeband das sichere Beladen von Anhängern bis 3,90 Meter Ladekante ermöglicht.

Die rund 200 Landwirte und Lohnunternehmer aus Belgien, Frankreich und auch Deutschland, die während der knapp dreistündigen Vorführung des Feld besuchten, zeigten sich sehr beeindruckt von der guten Ernteleistung der Gilles Maschinen selbst bei schwerem, nassen Boden. Bernard Clavier, Landwirt aus Crisnée (Nähe Lüttich) schwört auf die zweiphasige Erntetechnik und hat eine interessante Erklärung: "Im französich-wallonischen Kulturkreis haben die Landwirte meist sehr große Familien mit sehr gutem Zusammenhalt. Es ist da gar kein Problem, den für dieses Erntesystem nötigen zweiten oder dritten Fahrer quasi kostenlos in der Familie zu finden. Mit dem Zweiphasen-System können sich sogar mittelgroße Familienbetriebe ein modernes sechsreihiges Erntesystem leisten." Zu den genauen Kosten des selbstfahrenden Ladbunkers wollte sich keiner meiner Ansprechpartner äußern, sie sollen aber bei rund der Hälfte eines selbstfahrenden sechsreihigen Vollernters liegen. "Den selbstfahrenden Ladebunker können Sie zudem mit vielen anderen Aufbauten ausstatten und so zum Beispiel als selbstfahrenden Düngerstreuer oder Kipper einsetzen", so Claas Dams.

Vielen Dank an Bernard Clavier und Claas Dams!

Text: Sascha Jussen (neues Mitglied auf landlive: [www.landlive.de] ) in Zusammenarbeit mit Jörn Gläser

Bilder: Sascha Jussen

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Agrarsani

Agrarsani

Alter: 31 Jahre,
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