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Agrarsanis Landtechnik - Blog

Ständig neue Technik... (71 Einträge)

Großhacker Terex Großhacker Terex Großhacker Terex - Uwe Schulze bei der Arbeit
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21.01.2009, 17.22 Uhr

Großhacker Terex – Eine Maschine für viele Schnitzel

In der Nähe eines kleinen Örtchens mitten im verschneiten Naturpark Hann. Münden, hab ich mich mit den Maschinenführern Uwe Schulze und Torsten Kohrs verabredet. Beide sind Mitarbeiter des Lohnunternehmens Hüttmann und Fahrer zweier Forstmaschinen: dem selbstfahrenden 670 PS Großhacker Terex 804 CT und dem Bagger Atlas 1805. Die zugewachsene Landstraße 560 führt direkt durch ein Mischwaldgebiet und ist für zwei Wochen ihre Arbeitsstätte.

Eine enorme Lautstärke erwartete mich, als ich an der Baustelle im Forst aus dem Auto stieg. Verantwortlich dafür ist der Großhacker Terex. Die Maschine läuft auf Volllast und verarbeitet binnen Sekunden Eichenstämme zu Holzhackschnitzel. Derweil greift der Atlas1805 mit seinem PowerCut Fällgreifer in ca. 8 Metern Höhe in die Krone einer Jahrzehnte alten Buche und enthauptet diese, bevor er am Fuße des Baumes erneut ansetzt. Schulz und Kohrs sind mit ihren Maschinen ein eingespieltes Team und planen in der kurzen Mittagspause gemeinsam ihr weiteres Vorgehen.

Die Firma Hüttmann besteht seit über 45 Jahren. Vor etwa 10 Jahren wurde mit der Entwicklung des Großhackers Terex begonnen. Fast 3 Jahre sollte die Entwicklung dauern und mehrere Hunderttausend Euro kosten bis die Maschine ihren ersten Einsatz im Forst hatte. Maschinenführer Schulz erläutert mir den Aufbau der Maschine:

Das Fahrgestell wurde etwas in der Länge geändert und stammt genauso wie das Getriebe und die Achsen von einem gebrauchten Dumper der Firma O&K. Der 6-Zylinder-Motor C-16 der Firma CAT mit 16 Litern Hubraum verleiht der Maschine eine Leistung von 670 PS und befindet sich im Bereich zwischen Kabine und dem aufgesattelten Wechselcontainer. Der entsprechende Kraftstofftank mit 1000 Liter Fassungsvermögen befindet sich im Heck der Maschine. Vor der Maschine befindet sich der leistungsstarke Bruks-Hacker 804 CT. Dieser ist auf einem Drehkranz gelagert und somit um 45 Grad schwenkbar. Durch Einlenkung des Knickgelenkes lässt sich der Schwenkbereich des Hackers bis auf ca. 90 Grad erweitern. Die Trommel des Hackers ist mit zwei gegenüberliegend und versetzt montierten Klingen bestückt, die bei 1000 Umdrehungen pro Minute Stämme von bis zu 65 cm Durchmesser zerkleinern. Je nach Beanspruchung müssen die Messer alle 400 bis 800 m³ Holz gewechselt werden. Bei den aktuellen Bedingungen mit gefrorenen Harthölzern wie Eichen- und Buchenstämmen wird der Verschleiß überdurchschnittlich hoch sein, so Schulz. Bei einer optimalen Auslastung der Maschine nannte mir Schulz einen Wert von 80 bis 100 m³ Holzhackschnitzel pro Stunde als durchaus realistisch.

Mit dem Greifarm, einer skandinavischen Firma, der zwischen Kabine und Auswurfbeschleuniger angebracht ist, erreicht Schulze Stämme und Geäst in fast 10 Metern Entfernung. Über den variablen und kraftvollen Auswurf der Firma Mengele besteht zum einen die Möglichkeit, die Hackschnitzel in den rückwärtigen Wechselcontainer zu blasen, aber auch nach vorne oder zur Seite direkt in einen LKW. Somit ist ein Hacken auch auf schmalen langen Waldwegen ohne Wendemöglichkeit durchführbar. Auf der aktuellen Baustelle pendelt ein MAN Lkw mit Hakenlifter zwischen dem Terex und einem ca. ein Kilometer entfernten Umschlagplatz und versorgt den Großhacker kontinuierlich mit leeren Containern. Vom Umschlagplatz aus fährt ein Fremdspediteur die Hackschnitzel mit drei LKWs wahlweise zu einem Lagerplatz oder direkt zu einem Heizkraftwerk.
Die Konstruktion der Fahrerkabine lässt erkennen, dass die Funktionalität im Vordergrund stand. Bei Rückwärtsfahren und beim „Aufziehen“ der Wechselcontainer ist Schulze auf die gut positionierte Kamera im Heck der 14 Meter langen Maschine angewiesen. Gleiches gilt für das Befüllen der Container. Auch dort verlässt sich Schulze voll und ganz auf die Kamera am Auswurfkrümmer. Die Fahrerkanzel ist direkt zwischen Hacker und Motor positioniert und bereits beim Zuschauen ließ sich der Lärmpegel in der Kabine erahnen. Ein Gehörschutz bei der Arbeit mit der Maschine ist das „A und O“. Das habe auch ich beim Fotografieren der Maschine festgestellt. Steuern lässt sich die Maschine über die übliche Bedienung mittels zweier Joysticks. Bei der Konstruktion der Maschine wurde auch für nächtliches Arbeiten vorgesorgt. So sorgen fast 20 Scheinwerfer dafür, dass die Nacht zum Tag wird.

Die Maschine läuft nun seit gut 7 Jahren im Betrieb Hüttmann nahezu tadellos. Bis auf diesen einen Tag im Dezember 2004, an dem die Maschine plötzlich und aus ungeklärter Ursache im Motorbereich Feuer fing. „Ich hab nur meine Tasche gepackt und bin raus“, schildert Schulze. Auch Versuche, den Brand mit dem Feuerlöscher zu löschen blieben erfolglos. Die Maschine wurde stark beschädigt, aber trotz alledem wieder hergerichtet und läuft seitdem ohne nennenswerte Probleme.

Torsten Kohrs fährt den Atlas 1805. Dieser Großbagger ist mit einem verlängertem Arm sowie dem selbst entwickelten PowerCut-Spezial-Fällgreifer ausgestattet. Kohrs hat die Aufgabe sämtliche Bäume, die der Landstraße zu nahe stehen, zu fällen, teilweise nach Sorten vorzusortieren und für den Terex auf Haufen zusammenzulegen. Dank des eingebauten Sägeblattes kann er in Höhen bis zu 8 Metern zunächst Baumkronen abnehmen und ablegen bevor er den Stamm eines Baumes fällt. Für den nötigen festen Stand, um die tonnenschweren Bäume am „langen Arm“ zu fällen und zu halten, sorgen ein Eigengewicht von etwa 35 Tonnen und ein solider Kettenantrieb.

Schulze und Kohrs sind mit ihren Maschinen nicht immer im Team im Einsatz. Oftmals sind sie auch allein irgendwo im Forst zwischen Hannoversch Münden und Helmstedt unterwegs, wobei Straßenfahrten mit dem Terex kein Problem darstellen. Mit einer Sondergenehmigung auf Grund einer Überbreite von 3,20 Metern und einer Höchstgeschwindigkeit von 40 km/h benötigt Schulze – im Gegensatz zu Kohrs – keinen Tieflader.

Gegen 15 Uhr kam bereits die Kehrmaschine, ein Fendt 515C mit Anbaukehrmaschine, denn um 16 Uhr sollte die Straße für den Verkehr wieder freigegeben werden. Ich verließ die Baustelle und fuhr weiter durch die weiße Winterlandschaft des Naturparks Hann. Münden.

Vielen Dank an Uwe Schulze und Torsten Kohrs für das Interview.

Ein weiterer interessanter Blog zum Thema Forsttechnik:
[agrarheute.landlive.de]


Text: Jörn Gläser
Bilder: Jörn Gläser


Weitere Bilder findet ihr unter [www.landtechnikvideos.de]

Nähere Informationen zum Lohnunternehmen Hüttmann.
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Agrarsani

Agrarsani

Alter: 32 Jahre,
aus Wedemark
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