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Agrarsanis Landtechnik - Blog

Ständig neue Technik... (71 Einträge)

Der Ausbringer Fendt Vario 920 Beim Abrollen des insgesamt 1,5 km langen Schlauches Die Pumpstation Fendt 924
4022 mal angesehen
24.02.2009, 10.47 Uhr

Gülleverschlauchen – „Wenn’s gut läuft, bringen wir 120 m³ in der Stunde aus!“

Das norddeutsche Lohnunternehmen Wolken aus Wittmund setzt seit etwa 7 Jahren die Methode des Verschlauchens für die Gülleausbringung ein. Zahlreiche Landwirte in der Region gehören zum Kundenstamm des Unternehmens und haben sich in den letzten Jahren von dem Verfahren überzeugen lassen.

8:00 Uhr Morgens – Hans-Jürgen Woge, landwirtschaftlicher Betriebsleiter eines 90 Kuh-Milchviehbetriebs im Landkreis Friesland, ist noch am Melken, als die Fahrzeuge der Firma Wolken bei ihm eintreffen. Nach einer kurzen Besprechung sind die Fahrer über die Ländereien und Wege in Betriebsnähe eingewiesen und es kann losgehen.

Über 800 m³ Biogülle sollen heute auf 4 Flächen mit insgesamt 30 ha Grünland verschlaucht werden. Der Fahrer der Pumpstation, einem Fendt Vario 924 mit 6 m³ Güllefass und Hochleistungskreiselpumpe, fährt zum Großbetrieb des Nachbarn, dessen Gülle ausgebracht wird und koppelt sein Gespann mit dem Fermenter der Biogasanlage. Das Ausbringfahrzeug, ein Fendt Vario 920, beginnt von dort aus mit dem Abrollen des 1000 m langen Transportschlauches mit 125 mm Durchmesser in Richtung der zu bearbeitenden Flächen. Ca. 3 Tonnen wiegt der Schlauch auf der Haspel in der Fronthydraulik des Schleppers. In Rückwärtsfahrt und Leerlauf der Trommel wird abgerollt, soweit der Schlauch zu den entferntesten Flächen reicht. Dort kuppelt der Fahrer weitere 200 m Transportschlauch an und rollt diesen bis zur äußersten Ecke des Feldes aus. An dieser Stelle verbindet der Fahrer über ein Zwischenstück den dicken Transportschlauch mit einem 100er Arbeitschlauch, den er in der Heckhydraulik über dem Verteiler auf einer weiteren Haspel dabei hat. Nach weiteren 300 m Schlauch befindet er sich auf der entferntesten Stelle vom Hof des heutigen Tages und der Schlauch liegt nahezu auf direktem Wege vom Hof zum Feld. Über Funk gibt der Fahrer seine Bereitschaft an den Fahrer der Pumpstation weiter. Die Pumpe gibt Vollgas, der 1,5 km lange Schlauch füllt sich und der Fahrer beginnt mit der Ausbringung. Auf einer Arbeitsbreite von 12 m wird die Gülle über einen Prallteller verteilt.

„Wenn die Biogülle wie heute schön dünn ist, bringen wir gut 120 m³ in der Stunde aus“, erklärt der Fahrer bei meiner Mitfahrt auf dem Fendt. „Wichtig für uns ist, dass die Rahmenbedingungen gegeben sind, also Mindestfläche sowie Mindestgüllemenge und Entfernungen, die wir bewältigen können“, merkt der Fahrer an. „Wenn das passt, können wir äußerst effektiv und vor allem bodenschonend arbeiten.“

Auch wenn die Gülle einmal nicht die optimale Konsistenz hat und weitere Strecken bewältigt werden müssen, kann das Lohnunternehmen durch die passende Wasserzumischung und eine vom Ausbringer über Funk ferngesteuerte Zusatzpumpstation für die bestmögliche Ausbringung sorgen.

Am Vormittag treffe ich Betriebsleiter Woge am Feldrand und spreche mit ihm über das Verfahren. „Wir haben hier sehr schwierige Moor-Marschböden, die durch Schnee und Regen sehr aufgeweicht sind. Wenn ich die Gülle mit meinem eigenen 7 m³ Fass ausbringen würde, bräuchte ich mehrere Tage, denn mehr als 2 Fässer in der Stunde sind auf dieser Entfernung nicht drin. Wie mein Feld bei diesen Bedingungen nach dem Güllefahren aussehen würde, mag ich mir gar nicht ausmalen“, sagt Woge mit Blick auf die bereits gedüngte Fläche. „Der Lohnunternehmer fährt nur zweimal durch die Dammstelle und zieht auf dem Feld kein tonnenschweres Fass hinter sich her, sondern ist lediglich mit dem gut bereiften Schlepper unterwegs“, erläutert der 48-jährige.

Bei jeder Spur fährt der Fahrer über den Arbeitsschlauch, dessen Druck am Verteiler mit etwa 1 bar gemessen wird und auch bei dem 9 Tonnen schweren Schlepper gibt der Schlauch kaum merklich nach. „Die Arbeitsschläuche machen das gut mit und halten etwa 4 Jahre. Dann sind sie durch die „Zieherei“ über den Untergrund verschlissen. Die Abnutzung bei dem Transportschlauch ist sehr viel geringer, da dieser nicht „gezogen“ und in der Regel auch nicht überfahren wird. Er hat nach ungefähr 10 Jahren seinen Dienst getan“, erläutert mir der Fahrer, als er mir Verschleißspuren u.a. durch Steine an den Schläuchen zeigt. Beim Wendevorgang zeigte sich das Gewicht des gefüllten Schlauches, denn sehr viel Rangieren ist mit diesem Anhang nicht möglich – ist jedoch bei dem kleinen Wendekreis auch nicht nötig.

In der gesamten Schlauchstrecke befinden sich ungefähr 14 m³ Gülle. Um die Schläuche nach dem Verschlauchen wieder aufrollen zu können, wird mit ungefähr 8 m³ Wasser und Luft „nachgespült“.

Natürlich ließe sich auch dieses Verfahren noch optimieren, wie es z.B. in den Niederlanden praktiziert wird. Dort werden u.a. verschiedene Systeme eingesetzt, bei denen z.B. der Schlauch nicht über den Acker gezogen, sondern während des Verschlauchens auf- und wieder abgerollt wird. Damit ist eine Ausbringung auch in stehende Getreidebestände möglich.

Gerade für Biogasanlagen müsste das Gülleverschlauchen ein interessantes Verfahren sein, denke ich mir. Im Moment sind etwa 30% der Kunden Biogasanlagenbetreiber. „Die notwendigen Flächen und Güllemengen sind zwar da, aber die Länderein, die zu den einzelnen Biogasanlagen gehören, sind hier im Norden meistens einfach zu weit entfernt und zerstreut“, erläutert der Fahrer.

Es ist 18:00 Uhr und es dämmert bereits – Landwirt Woge steht erneut im Melkstand und schließt den letzten Durchgang Kühe an. Die Maschinen des Lohnunternehmens sind nach getaner Arbeit auf der Heimfahrt zum Betrieb nach Wittmund.

Vielen Dank an das Lohnunternehmen Wolken!

Text: Jörn Gläser
Fotos: Jörn Gläser

Weitere Informationen zum Gülleverschlauchen: [www.wolken-wittmund.de]

Mehr Bilder unter [www.landtechnikvideos.de]
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Agrarsani

Agrarsani

Alter: 32 Jahre,
aus Wedemark
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Kommentare

24.02.2009 18:19 ackerboy
Toller Blog...!!!


ackerboy
25.02.2009 10:41 mark721
Nicht schlecht alle Achtung
25.02.2009 21:00 Foerdi
Ja, sehr schön

Ich habe da allerdings einige Fragen:
Wieso bringen die die Gülle noch mit Prallteller und nicht mit Schleppschläuchen aus?
Warum nur 12m?
Warum so ein schwerer Schlepper?
Wieso keine richtig breiten reifen?
Wieso schafft der Landwirt bei 1,5km Hof-/ Feldentfernung nur 2 Fuder die Stunde?


25.02.2009 21:29 Agrarsani
Antwort zu Foerdi's Fragen:

Wieso bringen die die Gülle noch mit Prallteller und nicht mit Schleppschläuchen aus?

Der LU bietet verschiedene Verfahren an. Sowohl Prallteller als auch Schleppschlauch. Alles eine Preisfrage. Weitere Infos dazu auf der Seite des LU.

Warum nur 12m?
Sind mit einem Prallteller wesentlich mehr möglich?

Warum so ein schwerer Schlepper?
Es ist ein Schlepper, der im Betrieb vorhanden ist und der die notwendige Fronthydraulik besitzt. Der Leistungsbedarf um die Schläuche zu ziehen ist nicht zu unterschätzen. Ein 800er hätte es aber sicherlich auch getan.

Wieso keine richtig breiten Reifen?
Alles eine Frage des Preises. Insgesamt setzt er 3 Kolonnen ein. Eine setzt ein selbstgebautes Trägerfahrzeug ein, das mit Breitreifen ausgestattet ist. (dazu vielleicht an anderer Stelle mehr...)

Wieso schafft der Landwirt bei 1,5km Hof-/ Feldentfernung nur 2 Fuder die Stunde?
Die Wegverhältnisse zur Fläche sind als sehr schlecht zu beurteilen. Nicht einmal die "nur" 40 km/h des 309er Hofschleppers kommen da wesentlich zum tragen.

Ich hoffe alle Fragen sind damit beantwortet. Sonst her mit weiteren...

Gruß





26.02.2009 19:33 Foerdi
Ja, sehr gut. Noch ein paar Anmerkungen:

- Ich kenne Prallteller bis 18m. Alles eine Frage des Druckes.

- Ich kenne einen der zieht die Schläuche mit einem 515.

- Ich wunderte mich nur weil es heißt, dass die Fläche ja so schwerig sind und dann fährt der fast mit Serienbereifung.

- Denn muss der Landwirt aber am Ende der Welt wohnen. Wenn er auf den Flächen ernten will ist das ja auch sehr ärgerlich und teuer.
27.02.2009 09:08 Agrarsani
Foerdi schrieb:

Ja, sehr gut. Noch ein paar Anmerkungen:

- Ich kenne Prallteller bis 18m. Alles eine Frage des Druckes.

- Ich kenne einen der zieht die Schläuche mit einem 515.

- Ich wunderte mich nur weil es heißt, dass die Fläche ja so schwerig sind und dann fährt der fast mit Serienbereifung.

- Denn muss der Landwirt aber am Ende der Welt wohnen. Wenn er auf den Flächen ernten will ist das ja auch sehr ärgerlich und teuer.



Also der Schlag ist ungefähr 11 Hektar groß. Mit dem Fass des Betriebs (ca. 7m³) benötigt der Betriebsleiter mindestens 40 Touren um ca. 30m³ Gülle auf den Hektar auszubringen. Die Zufahrten wären danach nicht mehr zu gebrauchen. Außerdem müsste er auch oft mit dem vollen, schweren Fass quer über die Flächen fahren um dort neu anzusetzen. Die Belastungen wären da schon um einiges höher.
03.03.2009 15:12 grasbauer
Agrarsani schrieb:

Antwort zu Foerdi's Fragen:

Warum so ein schwerer Schlepper?
Es ist ein Schlepper, der im Betrieb vorhanden ist und der die notwendige Fronthydraulik besitzt. Der Leistungsbedarf um die Schläuche zu ziehen ist nicht zu unterschätzen. Ein 800er hätte es aber sicherlich auch getan.




also wir hatten in meinen schulzeiten bei einem bergbauern eine vorführung der gülleverschlauchung. der hatte 2km schlauch angehängt, an der pumpe hing ein etwa 120PS case, und mit dem verteilier fuhr ein 50PS lindner geotrak mit zwillingsrädern. der hatte aber überhaupt keine probleme den schlauch zu ziehen und das im berggebiet, also das der schlepper nicht überdimensioniert ist (der hat ja mind 150PS zu viel) kannst wen andern (dummen) erzählen, vl. glaubt dirs ja wer anderer.
gruß

03.03.2009 20:25 Agrarsani
grasbauer schrieb:

also wir hatten in meinen schulzeiten bei einem bergbauern eine vorführung der gülleverschlauchung. der hatte 2km schlauch angehängt, an der pumpe hing ein etwa 120PS case, und mit dem verteilier fuhr ein 50PS lindner geotrak mit zwillingsrädern. der hatte aber überhaupt keine probleme den schlauch zu ziehen und das im berggebiet, also das der schlepper nicht überdimensioniert ist (der hat ja mind 150PS zu viel) kannst wen andern (dummen) erzählen, vl. glaubt dirs ja wer anderer.
gruß


Hallo
Zunächst einmal - verfasse beim nächsten Mal deinen Beitrag doch bitte ohne Worte wie "dumm". Geht auch ohne glaube mir.

Zu deinem Kommentar. Sicherlich kann der Schlauch auch mit einem "kleineren" Schlepper gezogen werden. Gerne erkundige ich mich deshalb noch einmal beim LU. Vielleicht hat er ja schlechte Erfahrungen damit gemacht. Außerdem hatte ich ja auch noch geschrieben, dass solch PS starke Schlepper in einem Lohnunternehmen nicht immer mit leistungsgerechten Arbeiten ausgelastete werden können. Wenn die Maschine im Betrieb vorhanden ist, dann wird sie eben auch eingesetzt.

Gruß
04.03.2009 07:20 Forddriver
Also ich finde die Verschlauchung von Gülle sehr sinnvoll. Weniger Bodendruck und wenn die Felder nicht zu weit vom Güllebehälter entfernt liegen, kann wie hier der Schlauch direkt ab Behälter gezogen werden. Dazu kommt die Zeitersparnis.
Bei uns in der Schweiz wird ja schon lange vielerorts verschlaucht.
08.03.2009 23:15 erik
hallo,
also zu den ps. wenn ein 920 zu verfügung steh warum soll man einen kleineren schlepper kaufen den man vielleicht nur beim verschlauchen einsetzen kann wo der 920 ja auch noch in der ecke steht.

von der bodenschonung ist das eine feine sache, aber die bga bei uns hat die bga feldentfernung von 3km - 10km. da kann man keine schläche packen und wenn doch wie viel pumpen sollen dazwischen? bei schlägen mit bis zu 70 ha ist das auch unrealistisch.
sehe das verschlauchen nur für klein struckturierte regionen.
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