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Agrarsanis Landwirtschafts-Blo...

Spannende Themen aus der Landwirtschaft (88 Einträge)

Grafik Liegeboxen 1 6
961 mal angesehen
08.04.2009, 23.16 Uhr

Wer früh übt, liegt länger bequem!

Viele Milchviehhalter werden das Problem mit „spaltenliegenden“ Kühen kennen und sich bei den Melkvorgängen täglich auf’s Neue über die ein oder andere verdreckte Kuh ärgern. Viele Tiere haben das Liegen in Boxen entweder nie gelernt oder nie wirklich zu schätzen verstanden. Um Rinder frühzeitig von dem Angebot der Liegboxen zu überzeugen, gilt es, sie schon im jungen Alter mit den Liegeboxen vertraut zu machen.

Hans-Jürgen Woge ist in zweiter Generation Betriebsleiter eines Milchviehbetriebs mit 90 Kühen und eigener Nachzucht. Vor knapp 12 Jahren hat er seinen Betrieb durch einen Laufstall mit 50 Liegeflächen ergänzt. Zusammen mit dem alten Stallgebäude, das er zur gleichen Zeit vom Anbinde-Stall auf Liegeflächen umgestellt hat, ist eine freie Liegeflächenwahl für jedes Tier gegeben. „Momentan nutzen von meiner Herde nahezu 100 Prozent der Tiere die Liegeflächen“, merkt Woge an. Das war jedoch nicht immer so. Lange Jahre war die Nutzung der Liegeflächen sehr viel geringer. Um mehr Tiere von den Liegflächen zu überzeugen, entschied sich Woge im Sommer 2005 dazu, in seinem Jungviehstall Liegeflächen für Kälber der Nachzucht einzurichten (siehe Fotoalbum). Im Jungviehstall sind neben den Kälbern auch noch ein paar Bullen zur Mast eingestallt. Die 3 Meter breite Spaltenfläche ist durch Gatter in insgesamt 8 einzelne Areale aufgeteilt. Hinter dem Spaltenboden verläuft ein 70 Zentimeter breiter Treibgang, über den die Tiere zwischen den einzelnen Kleingruppenaufteilungen bewegt werden können. Auf der gegenüberliegenden Seite des Treibgangs befindet sich der Futtergang. Woge entschied sich dazu, die letzten drei Kleingruppenaufteilungen zu einem großen Areal zusammenzufassen. Hierzu baute er die Gatter ab und auch die Betonfeiler, an denen diese aufgehängt waren, mussten verschwinden. Ebenso mussten die Tränkebecken, die an den Betonpfeilern angebracht waren, ummontiert werden. Die Wasserleitungen ließ Woge von der Treibgangseite unterhalb der Spalten auf die Seite des Futtergangs verlegen und brachte dort die neuen Tränkebecken an.

Betriebsleiter Woge hatte Bedenken, ob sich die Investitionen lohnen würden. Vor allem zweifelte er zunächst den Lerneffekt für die Tiere an. Die neuen Liegeflächen wurden so geplant, dass sie 70 Zentimeter auf dem ehemaligen Treibgang hinter der Box und mit 1,10 Metern auf den Spaltenboden liegen. Bei der Belastung des Spaltenbodens sah sich Woge jedoch auf der sicheren Seite. Insgesamt sollten 19 Liegeflächen für die Kälber entstehen: 14 auf der Treibgangseite sowie 5 auf dem Futtergang in Höhe der letzten Einzelgruppenaufteilung (siehe Fotoalbum).

Insgesamt dauerte der Umbau 4 Tage. Nachdem die Flächen, auf denen der Beton gegossen werden sollte, mit Folie ausgelegt und fertig verschalt waren, kam der Betonmischer frühmorgens auf den Hof. Er hätte rückwärts im Stall bis zur Kleinbaustelle fahren und seine Betonrutschen in die Verschalungen richten sollen. Dass der Betonmischer zu hoch sein und nicht in die Stallung passen könnte, hat Woge schon frühzeitig bezweifelt und somit Vorkehrungen getroffen: Holzplanken bildeten für Schubkarren kleine Brücken über die Spalten zu den Verschalungen (siehe Fotoalbum). Nach der Aushärtezeit des Betons konnten die Rohre und Bügel angebracht und die Matten verlegt werden – auch das lief problemlos (siehe Fotoalbum).

Einige Wochen nach der Fertigstellung kamen die ersten Kälber in das Liegeflächenareal. Woge zieht nach fast 4 Jahren ein Resümee: „Die Kälber haben ein Alter von etwa einem viertel bis halben Jahr und bleiben von Herbst bis zum Frühjahr dort. Über die Hälfte der Kälber nutzen die Liegeflächen sofort. Viele lernen es nur vom Zuschauen. Bei einigen muss man ein wenig Überzeugungsarbeit leisten. Ich verteile dafür das Kraftfutter nicht wie gewöhnlich im Futtertrog, sondern am Kopf der Liegeboxen. Ich zwinge die Tiere so, die kleine Stufe auf die bequeme Matratze zu überwinden.

Vielen Dank an Hans-Jürgen Woge für das Interview und die nette Zusammenarbeit!

Das Fotoalbum zum Beitrag.

Foto/Grafik: Jörn Gläser
Text: Jörn Gläser
offline

Geschrieben von

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Agrarsani

Agrarsani

Alter: 32 Jahre,
aus Wedemark

Schlagwörter

jörn gläser, kälber, liegeboxen, liegeflächen, liegen, milchvieh, stall, umbau, woge

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Kommentare

09.04.2009 09:33 timo7
Klasse Blog! Endlich mal etwas über Stallbau/Umbau, nicht immer nur Traktoren!
09.04.2009 23:53 Agrarsani
timo7 schrieb:
Klasse Blog! Endlich mal etwas über Stallbau/Umbau, nicht immer nur Traktoren!



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