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Redaktioneller Blog

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14.05.2009, 16.41 Uhr

Hofaufgabe - Wenn Landwirte aufgeben

Jedes Jahr geben in Niedersachsen 1.900 Betriebsleiterfamilien ihre Höfe auf. Dahinter steckt jedes Mal eine schwere Entscheidung für die ganze Familie. Aufgeben – weitermachen, oft zieht es sich über Jahre hin, bis der richtige Weg gefunden wird.

Die Entscheidung war nicht einfach. Sie kostete Gerda und Hermann Schmidt (Name von der Redaktion geändert) schlaflose Nächte und Tränen, bis vor einem Jahr endgültig feststand: Wir geben den Milchviehbetrieb auf.

Die wirtschaftliche Situation zu überblicken, war noch relativ einfach, doch die Gefühle ließen sich mit der rationalen Entscheidung nicht in Einklang bringen. Hermann Schmidt: „Über Generationen wurde der Hof bewirtschaftet – und ich bin derjenige, der den Schlussstrich zieht, dieser Gedanke ging mir nicht aus dem Kopf."


Den Rückzug planen

So wie dem Ehepaar Schmidt geht es leider vielen Landwirten: Ein Drittel der Höfe steht gut da, bei einem Drittel läuft es wirtschaftlich normal und bei einem Drittel ist es fraglich, ob und wie lange sie weiterwirtschaften können. Auf manchen Betrieben weiß der Vater bereits, dass der Hof nicht überlebensfähig ist, aber er gibt ihn noch an seinen Sohn weiter, denn keiner will den „Schwarzen Peter" haben und den Schlussstrich ziehen.

Anne Dirksen, Sozioökonomische Beratung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, und Hennig Hölscher, ebenfalls von der Landwirtschaftskammer und Mitarbeiter beim Sorgentelefon, haben schon viele Gespräche mit Landwirten geführt, die vor der Entscheidung „Weitermachen oder aufgeben" standen. „Die Zahl der Insolvenzen steigt, die Situation für Milchbauern ist zum Teil dramatisch, die Banken drehen den Hahn zu", so die nüchterne Bilanz der beiden.

Aber es gibt auch die Fälle, wo der Hof zwar wirtschaftlich gut dasteht, aber der Nachfolger fehlt oder den Hof nicht übernehmen möchte. Hölscher: „Es ist eine sehr mutige Entscheidung, die allen Respekt verdient, wenn man seine Kinder nicht unter Druck setzt, den Hof weiter zu bewirtschaften, wenn sie andere Lebens- und Berufsziele haben."

Für Anne Dirksen ist es wichtig, den Ausstieg als unternehmerische Entscheidung zu sehen und dementsprechend einen verantwortungsvollen Rückzug zu planen. „Manchmal wird der Ausstieg so lange herausgezögert, bis die Bank die Entscheidung trifft. Und durch die schon lange bestehenden finanziellen Probleme ist auch die familiäre Situation mehr als angespannt. Es ist einfach zum Verzweifeln, wenn man von morgens bis abends arbeitet und unterm Strich bleibt nichts übrig zum Leben."

Am Anfang der Hofaufgabe – egal aus welchen Gründen – stehen Beratungsgespräche mit Banken, Versicherungen, Landwirtschaftskammer oder Landvolk. Dieser Teil wird von den meisten noch relativ gut bewältigt, denn es geht um Zahlen und Fakten. Problematisch wird es, wenn es die Gefühle betrifft. Hermann Schmidt: „Wenn ich aufhöre, bin ich kein Bauer mehr. So habe ich es empfunden und fühlte mich auch in der Dorfgemeinschaft orientierungslos. Ich gehörte nicht mehr zu den aktiven Bauern – und bekam das von einigen auch zu spüren –, ebenso wenig fühlte ich mich zu der Gruppe der Nicht-Landwirte im Dorf zugehörig.

Wahrscheinlich war es meine innere Zerrissenheit, die mich im Alltag so verunsicherte. Ich wusste zwar, dass wir unseren Milchviehbetrieb so nicht weiterführen konnten, aber ich stand gefühlsmäßig einfach noch nicht so hinter der Entscheidung, dass ich selbstbewusst damit umgehen konnte. Das kam erst später."


Trost in der Krise

Die Betroffenen müssen nicht nur die wirtschaftlichen Dinge regeln, sondern ihre Entscheidung vor Geschwistern, Eltern, Freunden und Bekannten erklären und manches Mal auch rechtfertigen. Gerda Schmidt: „Das macht dünnhäutig, und manchmal habe ich bestimmt auch übersensibel reagiert. Ich brauchte Trost und die Bestätigung, dass unsere Entscheidung richtig war und wollte nicht noch mehr Schuldgefühle aufgeladen bekommen. Die hatte ich sowieso schon!"


Den kompletten Beitrag könnt ihr auf der Onlineseite der LAND & FORST nachlesen:

[www.landundforst.de]

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