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Agrarsanis Landtechnik - Blog

Ständig neue Technik... (71 Einträge)

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14.05.2009, 19.37 Uhr

Deutz Agrotron M 620 - Einer, der hält, was er verspricht?!

Die Maisland-Bestellung ist in weiten Teilen Norddeutschlands bereits abgeschlossen und viele Landwirte können sich nun beispielsweise um die Grünlandbearbeitung kümmern. Auch mein Onkel Hans-Jürgen Woge kann nun gespannt auf die ersten auflaufenden Maispflanzen hoffen. Bis die Saat auch dieses Jahr wieder in den Boden gebracht werden konnte, war eine Menge Arbeit zu leisten. Zur Verstärkung bei der diesjährigen Frühjahrsbestellung der gut 15 Hektar Ackerland lieh sich Hans-Jürgen Woge zusätzlich zum hofeigenen Fendt 309 C einen Deutz Agrotron M 620 für die Gülleausbringung und zum Pflügen. Ich unterstützte meinen Onkel bei seiner Arbeit und konnte so eine Woche lang Erfahrungen mit dem fast fabrikneuen Deutz sammeln.

1. Tag: Nachdem der Schlepper nachmittags bei schönstem Wetter von der Raiffeisen-Technik Nord-West in Jever abgeholt wurde, machte uns das Wetter mit einigen Regenschauern am späten Nachmittag einen Strich durch die Rechnung. Neben dem Ankuppeln der Arbeitsgeräte an den Leihschlepper und den hofeigenen Fendt war nicht mehr viel möglich. Doch erste Eindrücke ließen sich am ersten Abend bereits festhalten: Die Übersicht aus dem Schlepper ist sehr gut. Dies machte sich gerade beim Ankuppeln und Rangieren am Anbaugerät bemerkbar. Klare Benennungen an Steuergeräten und Ventilen machte das Ankuppeln sehr leicht. Lediglich das Zugmaul mit „Fernsteuerung“ machte uns zunächst Probleme. Als kleines Detail fiel uns bereits am Nachmittag die Positionierung des Zündschlosses auf. Kurzes Suchen war notwendig, um den Schlüssel am Rahmen der B-Säule zu finden.

2. Tag: Nach dem morgendlichen Melken bekamen wir noch eine kurze Einweisung vom ortsansässigen Deutz-Vertreter. Dann konnte es losgehen und die ersten Fässer Gülle konnten rollen. Von "Auslastung" des 150 PS starken Deutz möchte ich mit dem angebauten 7 m³ Garant Fass nicht sprechen – es hätten noch einige Kubikmeter mehr bewegt werden können.

Beim „Vollsaugen“ des Vakuumfasses wird lediglich die „Memory-Taste“ für die vorgespeicherte Drehzahl betätigt. Nach dem Ankuppeln des Saugschlauchs ist es dann möglich, die Zapfwelle über die externe Bedienung am Kotflügel bequem zu steuern. Dies ist sicherlich Standard heutzutage, aber bei der Anschaffung des Fendt hat mein Onkel damals auf diese Ausstattung verzichtet. Somit fiel dies sehr positiv auf.

Die ersten Fässer fuhr ich zu einem 4 ha Schlag in knapp 2 km Entfernung. Bei einer kurzen Strecke auf einer Bundesstraße ließen sich die 50 km/h Höchstgeschwindigkeit schnell erreichen. Nach Einkuppeln des 6. Gangs per Zeigefinger am Gangschalthebel lassen sich die Lastschaltstufen bis „S“ komfortabel per Daumendruck hochschalten. Das Fahrverhalten bei dieser Geschwindigkeit war sehr ruhig. Auf dem Schlag angekommen, waren per Knopfdruck Zapfwelle und Schieber am Güllewagen schnell und einfach betätigt. Bei schnelleren Fahrten auf dem Stoppelacker leistet die Vorderachsfederung exzellente Arbeit und sorgt für guten Fahrkomfort. Ein Fass nach dem anderen brachte ich aus und ich freundete mich immer mehr mit dem Schlepper an. Kurz bevor ich auf dem Acker fertig war, hatte mein Onkel mich mit seinem Fendt und Grubber eingeholt. So hatten die anliegenden Anwohner keinen Grund, sich über die "Geruchsbelästigung" zu beklagen. Es war mittlerweile Nachmittag und ich begann sofort auf dem zweiten Schlag mit 11 Hektar Fläche. Für meinen Onkel stand die abendliche Melkarbeit auf dem Programm.

Die Tour zum zweiten Schlag hatte eine ähnliche Entfernung, führte jedoch über eine Brücke. Die Brücke führt über die mehrspurige Bundestrasse 210 und ist die einzige Zufahrt zu weiteren Flächen meines Onkels. Diese Brücke sollte noch eine „tragische“ Rolle an diesem Tag spielen. Nach dem Melken ackerte mein Onkel weiter und weil alles super lief, wollten wir bis ca. 22 Uhr den Feierabend herauszögern. Mit dem letzten vollen Wagen für diesen Tag fuhr ich in der Dunkelheit um 21.30 Uhr die Brücke hoch, als ich plötzlich durch ein lautes Knallen zusammenzuckte. Sofort trat ich auf die Bremse und kam nach einigen Metern zum Stehen. Mich traf der Schlag, als ich mich umdrehte und im Scheinwerferlicht den Güllewagen sah. Der rechte Reifen am Einachsfass war geplatzt und das Fass stand schief hinter dem Trecker. Ich stieg ab und auch mein Onkel, für den ich bereits in Sichtweite war, merkte, dass etwas nicht in Ordnung war. Auch er machte sich auf den Weg zur Unfallstelle. Ratlos standen wir vor dem Plattfuß und überlegten auf der einspurigen Brücke, was nun zu tun war. Da um diese Uhrzeit kein anderer etwas auf der Brücke zu tun hatte, beschlossen wir die Bergung auf den nächsten Morgen zu verschieben. Wir stellten zur Sicherheit noch ein Warndreieck auf und fuhren mit dem Fendt mehrere Kilometer Umweg über Grün- und Brachflächen schließlich zum Hof zurück. Bei einem Jever Pils kamen wir zur Ruhe und nahmen das nächtliche Malheur so langsam mit Humor. Schließlich hätte alles gerade am höchsten Punkt der Brücke auch anders enden können.

3. Tag: Um 6.30 Uhr begannen wir die Bergung des Fasses zu organisieren. Der Nachbar-Landwirt kam mit seinem Valtra und angebautem 18 m³ Fass zum Abpumpen. Er schob sein Gespann langsam rückwärts die 200 Meter zur Unfallstelle hinauf auf die Brücke. Bereits um 7.00 Uhr war das Fass abgepumpt, blockierte jedoch immer noch die Brücke. Damit die Gülleausbringung weitergehen konnte, mussten wir wohl oder übel ab Mittag einen Lohnunternehmer für’s Güllefahren beauftragen, denn an eine zeitnahe Reparatur des Rades war nicht zu denken. Nach dem Melken schauten wir uns die Unfallstelle noch einmal genau an. Der Schlauch muss am höchsten Punkt bei der Schwelle des Brückenteils zur Brückenabfahrt geplatzt sein, denn genau dort beginnt die Schleifspur des Reifens. Mit dem Fendt und Frontlader hoben wir das Fass mit einiger Mühe an und zogen es langsam in eine Ausweichbucht am Fuß der Brücke, bockten es dort auf und hakten den Deutz ab. Nun konnte ich dem Lohner frustriert beim Güllefahren mit seinem 25 m³ Fass zuschauen und parallel mit dem Fendt eingrubbern. Gerne hätte ich noch ein paar Fässer gefahren (siehe Fotoalbum).

Am Nachmittag begann ich den gegrubberten 4 ha Schlag vom Vortag zu pflügen. Hierbei brachte auch der 3-Schar Pflug meines Onkels den Deutz nicht wirklich an seine Grenzen. Nach kurzen Pflug- und Schleppereinstellungen konnten wir beginnen. Hierbei bekam auch die Nützlichkeit des Multifunktionsgriffs (PowerComS-Bedienhebel mit Comfortip) auf der Armlehne für uns eine Bedeutung, denn an den Tagen zuvor war dieser für uns oft leider eher im Wege, als dass er uns genutzt hatte. Sowohl das Einsetzen als auch das Drehen des Pfluges hatte man so durch zwei Knopfdrücke unter Kontrolle. Ebenso ist es möglich, die Lastschaltstufen durch Kippen des Joysticks nach vorne und nach hinten zu steuern. Somit bekam für uns die Gangschaltung, nachdem man auf dem Acker war und den zweiten Gang eingelegt hatte, eine sekundäre Bedeutung. Die Fahrtrichtungswechsel lassen sich zwar auch über den Multifunktionsgriff steuern, jedoch wählte ich hierfür den Wahlhebel am Lenkrad als bessere Alternative. Wem das Pflügen – wie mir – generell Spaß macht, dem wird es mit dem Deutz noch viel besser gefallen. Lediglich das Kippen des Bedienhebels nach rechts hat keine Funktion. Hier wäre beispielsweise die Drehzahlspeicherung günstig gewesen, denn dafür musste man vom Bedienhebel auf die Armlehne umgreifen. Mir gefiel das Pflügen jedoch so gut, dass ich komplett vergaß das AMS (Antriebs-Steuerungs-Management) ausprobieren. Hierdurch hätte ich die wenigen Handgriffe noch einmal minimieren können. Ich pflügte an diesem Tag bis spät in die Nacht und konnte so manchen nächtlichen Besucher im Scheinwerferlicht erspähen: Rehböcke, ein Dutzend Hasen und Fasane sowie eine Horde kleiner Füchse, die ihren Bau im Erdwall der Brückenabfahrt hatten, ließen sich blicken.

4. Tag: Am nächsten Morgen begann ich erneut früh mit dem Pflügen, musste jedoch einsehen, dass nach der letzten Nacht trotz aller Mühe keine gerade Furche zurückgeblieben war. Dieser Tag verlief ohne weitere Vorkommnisse, sodass mein Onkel bereits mit dem Fendt und der 3 m Kreiselegge loslegen konnte. Bis um 22.00 Uhr war bis auf das Vorgewende alles gepflügt und um 1.30 Uhr war der 11 ha Schlag bereits zur Hälfte gekreiselt.

5. Tag: Bei strahlendem Sonnenschein konnte ich das Vorgewende pflügen. Bei der äußersten Pflugspur übersah ich einen hervorstehenden Ast einer Eiche, der den linken Spiegel bis an die linke Scheibe der Tür umklappen ließ. Ärgerlich, denn so war die Tür der eigentlichen Ausstiegsseite versperrt. Mir blieb also nichts anderes übrig, als mich zwischen Joystick und Lenkrad durch die rechte Tür nach draußen zu zwängen. Um einer Beschädigung beim Weiterpflügen vorzubeugen, wollte ich den Spiegel – wie vom Fendt gewohnt – nach vorne umklappen. Aufgrund des Auspuffs und des Lufteinzugs war dies aber nicht möglich. Schade.

Was fiel uns am Schlepper noch auf? Sehr gut gelöst sind die „Türklinken“, die sich durch eine kurze Drehbewegung einfach betätigen lassen. Imponiert hat uns das Dachfenster mit passendem Rollo, welches vor ungünstiger Sonneneinstrahlung schützt. Weniger gut gefallen hat uns jedoch, dass der Schalthebel beim eingelegten zweiten Gang nur etwa einen Daumen breit Abstand vom Kreuzschalthebel auf der Armlehne hatte. Oft traf man beim Schalten so den kleinen Joystick. Beim Aussteigen aus der rechten Tür war in unserem Fall die Halterung für Anbaugeräte im Wege, aber dieses Problem ließe sich mit ein paar Handgriffen beseitigen. Auch die Bedienung des Blinkerrückstellers war für uns erst etwas schwierig und aus ungeklärten Umständen war das Radio im Schlepper verkehrt herum eingebaut.

Für meinen Onkel und mich waren die fünf Tage mal wieder sehr spannend und aufregend gewesen. Der Deutz M 620 hat bei uns dank seiner Leistungen in diesen Tagen einen bleibenden guten Eindruck hinterlassen und wesentlich zur Bewältigung der Arbeitsspitze beigetragen.

Zu diesem Beitrag habe ich ein Fotoalbum mit vielen Impressionen aus diesen Tagen hochgeladen.

Vielen Dank an die Raiffeisen-Technik Nord-West in Jever für die nette Zusammenarbeit.

Foto: Jörn Gläser
Text: Jörn Gläser
offline

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Agrarsani

Agrarsani

Alter: 32 Jahre,
aus Wedemark
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Schlagwörter

309, ackern, boden, deutz, fendt, jever, landtechnik, m 260, tammo, traktor, unfall

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