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Agrarsanis Landwirtschafts-Blo...

Spannende Themen aus der Landwirtschaft (88 Einträge)

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08.06.2009, 13.48 Uhr

Der Weg zum Melkroboter – Lely Astronaut A3

Im kleinen Örtchen Thönse, nahe Burgdorf in der Region Hannover bewirtschaftet Christian Büchtmann einen 130 Kuh Milchviehbetrieb mit eigener Nachzucht. Insgesamt bewirtschaftet er 350 ha Nutzfläche aufgeteilt in 120 ha Grünland und 230 ha Ackerland. Auf der Ackerfläche baut er sowohl Speisekartoffeln, Zuckerrüben als auch Mais und Getreide an. Zusätzlich zur Landwirtschaft ist Büchtmann mit Pressen und Silowagen im Lohn tätig.

Im letzten Jahr stand auf dem Hofe Büchtmann die Entscheidung für eine nachhaltige Lösung im Melkbetrieb an. Im Gespräch mit Christian Büchtmann habe ich Einblicke in die Planungen, Überlegungen und Beweggründe erhalten, die letztendlich zur Anschaffung eines Melkroboters geführt haben.

Was war vor dem Melkroboter?
Bevor der Melkroboter auf dem Hofe Büchtmann in Betrieb genommen wurde, waren der Senior-Chef und ein Melker aus einem Nachbarort für das zweimalige Melken täglich zuständig. Die Melkgänge im Doppel-6er Melkstand nahmen insgesamt 5-6 Stunden am Tag in Anspruch. Büchtmann kalkulierte für diese Zeit, in der auch Boxenreinigungen und Kälbertränkungen erledigt werden, täglich 8-10 AKHs (Arbeitskraftstunden). Auch um die Einstellung eines neuen Melkers zur Entlastung seines Vaters wäre man auf kurz oder lang nicht herumkommen, erklärt mir Büchtmann. In der Vergangenheit hatte er bereits Probleme einen Melker zu finden, der die Arbeit vernünftig und zu für ihn wirtschaftlichen Konditionen verrichtet. Eine Erweiterung des bestehenden Melkstandes war auf Grund der baulichen Gegebenheiten nicht ohne weiteres möglich und somit würde ein Umbau des Melkstandes mit ca. 100.000 € zu Buche schlagen. Eine unbefriedigende Lösung für Christian Büchtmann und seinen Vater, denn auch im Hinblick auf eine mögliche Vergrößerung der Herde auf über 200 Kühe wäre durch einen Umbau keine vernünftige Basis geschaffen, erläutert mir Büchtmann. Die Kosten für ein komplett neues Melkhaus mit einem erweiterbaren Melkstand, wodurch der Weg zur Herdenaufstockung frei wäre, wurde mit Kosten von 200.000 bis 300.000 € beziffert, jedoch wäre das Arbeitskräfteproblem nicht gelöst.

Wie kam man zur Melkroboter-Lösung?
Auf Grund schlechter Erfahrungen eines Nachbarbetriebes mit der Installation mehrerer Melkroboter wurde lange Zeit nicht an eine Roboter-Lösung gedacht. Der Besuch eines Betriebes mit Lely Roboter-Technik im Kreis Celle überzeugte Christian Büchtmann und seinen Vater jedoch schnell und die Planungen für einen Melkroboter wurden zügig vorangetrieben. Auch hier auf landlive fand Büchtmann in der Planungsphase viele Informationen zum Melkroboterbetrieb. Überzeugen konnte die Robotertechnik dadurch, dass das Arbeitskräfteproblem gelöst wäre und einer zukünftigen Erweiterung durch weitere Roboter nichts im Wege stehen würde. Roboter anderer Hersteller kamen für Christian Büchtmann auch nach der Besichtigung anderer Roboterbetriebe nicht in Frage. Lely überzeugte hier durch die jahrelange Erfahrung im Bereich Melkrobotertechnik sowie den freien Kuhverkehr, durch den die Kühe völlig frei entscheiden können, wann sie gemolken werden. Die gesamte Installation des Melkroboters sollte 250.000 € kosten und von der Firma Urban durchgeführt werden.

Installation und Inbetriebnahme des Melkroboters auf dem Betrieb
Der Laufstall des Betriebes Büchtmann wurde im Jahr 1993 gebaut und war damals für 80 Kühe ausgelegt. In den Jahren 1999 und 2001 wurde der Stall zu beiden Seiten erweitert und bietet seit dem Platz für zwei Gruppen mit je 60-65 Tieren. Der Melkroboter wurde am 10. Februar dieses Jahres in Betrieb genommen und nicht wie üblich in den Bereich des ehemaligen Melkstandes installiert, sondern in einem kleinen Anbau an der „Kopfseite“ des Stallgebäudes. Somit wird eine Kuh-Gruppe im freien Kuhverkehr komplett vom Roboter gemolken, während die andere weiterhin im Melkstand gemolken werden muss. „Wir hatten uns auf schwierige erste Tage mit dem Roboter eingestellt und waren sehr erfreut, dass alles dann so reibungslos ablief“, berichtet mir Büchtmann. Zunächst wurde eine Gruppe mit 30 Tieren am Roboter gemolken. „Die ersten Tiere gingen bereits nach 2 Tagen selbstständig in den Roboter“, so Büchtmann. Nach 14 Tagen kamen weitere Tiere zu dieser Gruppe hinzu. Nach und nach wurde im 14-Tage-Rhythmus die Gruppe weiter aufgestockt. Durch diese Aufstockung konnten die Tiere langsam an den Roboter gewöhnt werden. Seit nun mehr 3 Wochen wird die gesamte Gruppe mit momentan 62 Tieren am Astronaut A3 gemolken. „Die Färsen lernen es am schnellsten und gehen meist bereits nach einer Woche selbständig in den Melkroboter. Ältere Tiere brauchen hingegen 10-14 Tage“, erklärt mir Büchtmann.

Der tägliche Betrieb mit dem Roboter„Von 62 Kühen müssen momentan 6 Kühe zum Astronaut A3 getrieben werden“, so Büchtmann. „Mein Vater oder ich schauen im Computer nach, welche Tiere noch nicht gemolken wurden und treiben sie zum Melkroboter – oft sind es die gleichen Tiere und sie wissen bereits, wenn man den Spaltenboden betritt, was man von ihnen möchte und trotten zum Roboter“, scherzt Büchtmann. „Gerade für meinen Vater ist die Tätigkeit durch den Roboter entspannter und die Arbeitszeiten sind geringer und flexibler geworden“, erläutert Büchtmann. „Des Weiteren haben wir einen „Arbeiter“ auf dem Hof, der 24 Stunden am Tag seine Arbeit bisher gut erledigt und keine Wochenenden oder Feiertage kennt.“ Sicherlich gibt es auch mal Probleme mit dem Roboter. So hat ihn der Roboter morgens um 4 Uhr wegen einer Störung aus dem Bett geklingelt, aber zusammen mit dem Service der Firma Urban lies sich bisher alles schnell und einfach lösen, fügt Büchtmann hinzu.

Fazit nach 3 Monaten, sowie Zukunftsplanungen
Große Veränderungen und Entwicklungen lassen sich nach 3 Monaten mit dem Roboter auf dem Betrieb sicherlich noch nicht erkennen, aber etwas lässt sich doch schon feststellen. Die Zellzahlen sind von 200.000 – 220.000 auf 150.000 zurückgegangen. Jedoch wird auch die Milchleistung von durchschnittlich 10.500 Litern pro Kuh im letzten Jahr durch das Viehtreiben und die Systemumstellung während der Inbetriebnahme etwas zurückgehen, schätzt Büchtmann. Ein Anstieg der Milchleistung im darauf folgenden Jahr ist jedoch durch häufigeres und entspannteres Melken absehbar. Aufgefallen ist ihm in den ersten Wochen auch, dass die hohe Geräuschentwicklung bei der Bewegung des Roboterarms teilweise die Jungtiere, welche die ersten Male im Roboter stehen, irritiert. Anfängliche Softwareprobleme im Bereich des Datenabgleichs und ein Defekt der Waage, über die das Euter lokalisiert wird, wurden schnell behoben und es stimmt ihn zufrieden, dass bereits viele Wochen vergangen sind, in denen kein Servicemitarbeiter bemüht werden musste. Ende des Jahres wird der zweite Melkroboter auf dem Hof installiert, wodurch dann auch die zweite 60-Kuh-Gruppe über einen Roboter gemolken werden kann. Ferner kann sich Büchtmann auch vorstellen, den gesamten Stall samt Robotern noch einmal auf die freie Fläche hinter dem Stall zu „spiegeln“, um dann bis zu 250 Kühe über 4 Roboter melken zu können. Aber wann dieses Vorhaben umgesetzt wird, hängt davon ab, wie sich die Bedingungen in der Landwirtschaft in den nächsten Jahren entwickeln.

Vielen Dank an Christian Büchtmann für das Interview!

Zum Blog habe ich ein Fotoalbum mit weiteren Bildern hochgeladen.

Auf landlive diskutieren:
[www.landlive.de]

Text: Jörn Gläser
Foto: Jörn Gläser
offline

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Agrarsani

Agrarsani

Alter: 32 Jahre,
aus Wedemark
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Schlagwörter

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