Zur mobilen Version wechseln »
NachrichtenThemenMediathekCommunityWetterMärkte & PreiseShopBranchenbuchagrarheute.comlandlive.de
Erweiterte Suche »
UploadChatForenFotosFotoalbenVideosBlogsTermineMitgliederGruppenPartnersuche
zurück zu Landwirtschaft »

Gruppe 60 Jahre dlz

Besitzer: nagus
offene Gruppe, 286 Mitglieder

UploadForenFotosFotoalbenVideosBlogsTermineMitglieder

live aus der dlz - der Redakti...

Was passiert so alles im Jubiläumsjahr? (4 Einträge)

148 mal angesehen
09.06.2009, 17.48 Uhr

dlz 1978: Alt und Jung unter einem Dach?

Ich habe mich mal weiter durchs Archiv gewühlt und springe seit dem letzten Eintrag fast 30 Jahre vorwärts. Hier also ein Thema aus dem Jahr 1978.


Alt und jung unter einem Dach

Irgendwann muss jeder einmal dieses Problem lösen, z. B., wenn man eine neue Familie gründen will. Soll man mit den Eltern einen getrennten Haushalt führen oder weiter in der Großfamilie leben, wie es früher üblich war? Werden sich die Eltern überhaupt mit dem Ehepartner vertragen? Was ist besser für die Kinder, wenn welche kommen? Unsere Autorin hat sich zu diesem Thema einige Gedanken gemacht.

Etwa 80 Prozent aller Menschen über 65 in der Bundesrepublik Deutschland wohnen weniger als eine Stunde von ihren Kindern und Enkelkindern entfernt. Auf dem Land leben nicht selten vier Generationen zusammen. Genug Gelegenheiten zu wichtigen und intensiven Kontakten zwischen den Generationen, Anlass aber auch zu Reibereien, Konflikten und Schwierigkeiten.

In Amerika, so bereichtet die Frauenzeitschrift „McCall’s“, hat man das Zusammenleben unter einem Dach wieder entdeckt. Man schätzt die „erste Generation“ als Mit-Erzieher für die Kinder, als Berater, als Hausgenosse.

Bei uns ist das Zusammenleben und Zusammenarbeiten mehrerer Generationen gelegentlich noch sehr gefürchtet. Und so manche Heirat ist nicht zustande gekommen, weil Braut oder Bräutigam ganz einfach nicht die dominante Mutter oder den herrschsüchtigen Vater des Partners in unmittelbarer Nähe akzeptieren wollte. Grundsätzlich, meinen erfahrene Eheberater, können alle in einer Familie von einem Zusammenleben der Generationen nur profitieren („ehezerstörerisch“ seien heute ganz andere Dinge):

• Die Kinder, weil sie den unschätzbaren Vorteil genießen, in einer Großfamilie mit wechselnden Bezugspersonen, die sich ihnen liebevoll und fürsorglich zuwenden, aufgezogen werden
• Die Eltern, weil sie bei der Arbeit, den Problemen in Alltag und Beruf, auf die Mithilfe und die Lebenserfahrung der Generationen vor ihr zurückgreifen können.
• Die Großeltern, weil ihnen der Familienverband das Gefühl geben kann, gebraucht zu werden, und sie sich aktiv mit den Meinungen und Problemen der Jüngeren auseinandersetzen müssen.

Vorraussetzung aber für ein reibungsloses Miteinanderleber und Miteinanderarbeiten ist, dass Sachliches geklärt ist und Menschliches bereinigt wird.

Das wichtigste Rezept heißt wohl Distanz. Ständige Nähe schafft Aggressionen. Jede Partei muss die Tür hinter sich zumachen können, was entsprechende räumliche Gegebenheiten notwendig macht (getrennte Wohnzimmer, Kochmöglichkeiten ect.)

Arbeitsgebiete und Kompetenzen müssen übereinstimmend verteilt sein. Ältere Menschen häufig nur noch Hilfsdienste zu überlassen, ist u. U. demütigend.

Leben jung und alt von einem Betrieb, helfen klare Verträge Ärger in Geldsachen vorzubeugen. Allgemein gültige Regeln kann man dazu nicht aufstellen. Ein guter Berater wird sagen können, ob ein Arbeitsvertrag mit der Auszahlung eines Lohnes oder Gehalters oder ein Gesellschaftsvertrag mit Gewinnbeteiligung besser ist.

Menschliche Probleme könnte man beizeiten bereinigen, würde man in Rühe darüber sprechen. Häufigster Zankapfel ist die Erziehung der Kinder. Ich meine: Wichtige Fragen der Erziehung entscheiden eindeutig die Eltern der Kinder. Erziehung durch Eltern und Großeltern kann nur dann ohne Schwierigkeiten erfolgen, wenn Eltern und Großeltern nicht miteinander konkurrieren, sondern sich ergänzen. (Ich brauche wohl kaum zu erwähnen, dass es vollkommen unmöglich wäre, wenn Eltern über die Großeltern oder Großeltern über Eltern bei den Kindern schimpfen).

In Erziehungsfragen gibt es speziell zwischen Schwiegermutter und Schwiegertochter häufig Streit. Veranlasst oft durch Winzigkeiten. Die eigentliche Ursachen sind ganz andere. Fast in jeder zweiten Beziehung Schwiegermutter – Schwiegertochter stimmt nämlich etwas nicht. Bei einer Befragung gaben 53 Prozent der Schwiegermütter ein gestörtes Verhältnis zur Schwiegertochter an. Und von den Schwiegertöchtern nannten 48 Prozent ihr Verhältnis zu Schwiegermutter gestört.

Objektive Beobachter haben bei dieser Befragung festgestellt, dass in 71 Prozent dieser Fälle die Schwiegermutter am gestörten Verhältnis schuld war. Und zwar deshalb, weil sie es nicht fertig brachte, sich von ihrem Sohn zu lösen. War die Schwiegertochter schuld, so deshalb, weil sie die Mutter ihres Mannes immer noch als Konkurrentin betrachtete.

Der Rat fürs Leben sieht hier so aus: Reden miteinander, und zwar zusammen mit dem Sohn bzw. Ehremann. Gemeinsam die Probleme erkennen und versuchen, einen gemeinsamen Weg zu finden. Ganz wichtig: Das Ehepaar muss unbeeinflusst seinen eigenen Partnerschaftsstil entwickeln.

Für eine geordnete Lebensgemeinschaft ist auch wichtig, den Nächsten anzunehmen, so wie er ist. Wir können erwachsene Menschen nicht mehr „umerziehen“. Und: der andere hätte uns vielleicht auch liebe ganz anderes. Also, ein bisschen mehr Verständnis füreinander! Und ab und zu eine Gedanken an unser eigenes Älterwerden. Das lässt Kinder-/Eltern-/Großeltern-Probleme gleich ganz anders aussehen. Was ist mit uns in zwanzig, dreißig Jahren? Ob wir dann auch noch jeden Ratschlaf unbedacht weitergeben? Ob wir dann auch jeder Kritik von seiten der Jungen ohne Gegenrede annehmen?

Bedenken Sie auch, dass man nicht jedem Menschen gleich entgegenkommt. Der eine „liegt“ einem mehr als der andere. Man hat zu diesem einen „bessere Draht“ als zu jenem, man befindet sich auf der gleichen „Wellenlänge“. Man kann sich leichter miteinander verständigen, kann gegensätzliche Meinungen viel leichter überbrücken. Ohne es zu wollen, verhält man sich diesen Menschen gegenüber anders. Man kritisiert weniger, hört ihm intensiver und interessierter zu, ist ihm gegenüber geduldiger und nicht so schnell nervös.

Vielleicht hilft diese Erkenntnis, dass man selbst nicht alle Menschen gleich behandelt, denen Verständnis und Geduld entgegenzubringen, mit denen wir auf engstem Raum zusammenleben und denen wir vielleicht nicht „so gut liegen“.


Wie denkt Ihr darüber? Genügen Stoff für Zoff gibts noch immer, meine ich. Deshalb haben wir in unserer Jubiläumsausgabe beim Thema Hofübergabe auch über dieses Problem berichtet. Matthias aus unserem Beitrag: "Wir warten, bis die Großeltern sterben." Krass, aber die einzige Lösung für deren Konflikt.

Viele Grüße aus der dlz-Redaktion,
Klaus Strotmann


offline

Geschrieben von

Anzeige

Schlagwörter

Bitte gib die Schlagwörter mit Komma getrennt ein.

Kommentare

Anzeige
Zum Seitenanfang