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Agrarsanis Landwirtschafts-Blo...

Spannende Themen aus der Landwirtschaft (88 Einträge)

Die Crew der Custom Cutter Truck volle beladen mit Getreide John Deere Mähdrescher der Custom Cutter
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26.08.2009, 17.40 Uhr

Kanada/USA Tag 6 – Wheaties aus Nebraska

Ausgangspunkt des heutigen Tages ist die Stadt Great Falls in Montana/USA. Bereits gestern hatte uns Gary Baltrusch von sogenannten Custom Cutters erzählt, die mit ihren Mähdreschern durch das Land touren und die Drescharbeit auf Farmen unterstützen oder komplett erledigen. Für uns ein Grund einmal genauer zu recherchieren.

Bereits wenige Kilometer hinter der Stadt war ein Farmer dabei Rundballen zu pressen. Wir erkundigten uns, ob er vielleicht wüsste, wo wir so ein Dreschkommando finden könnten. Er konnte uns prompt eine Farm nennen, schloss jedoch aus, dass die Mähdrescher dort noch im Einsatz seien. Wir machten uns trotzdem auf den Weg zum etwa 20 Meilen entfernten Betrieb und sahen auf dem Hof zwei John Deere Drescher 9770 STS mit gehissten US-Flaggen parken. Die geöffneten Abdeckungen und Männer mit Schraubschlüsseln deuteten an diesem sonnigen Vormittag auf nicht mehr viel Arbeit hin. Wir wollten es aber genauer wissen.

Bei den Mähdreschern trafen wir zunächst Roger Sis. Er berichtete uns, dass er Vorarbeiter einer Custom Cutter Crew aus Nebraska sei. Seine Firma, die S & L Farms Inc., ist seit über 30 Jahren im Geschäft. Auf der eigenen Farm hat der Betrieb nur wenig zu dreschen. Das eigentliche Geschäft beginnt im Mai bei den ersten Kunden in den US-Bundesstaaten Oklahoma und Kansas. Die Flotte besteht aus drei neuen John Deere Dreschern, einem John Deere Schlepper mit Überladewagen, drei Trucks sowie einem Servicefahrzeug. Die Mähdrescher werden meistens auf Trucks von Einsatzort zu Einsatzort bewegt.

Gary stellte uns dann einige Mitglieder seiner Crew persönlich vor. Wir treffen Trevor Wright aus Michigan, Kyle Briggs aus dem Bundesstaat New York sowie Michael Nelson aus South Dakota. Durch Roger erfahren wir einiges zur Arbeitsaufteilung. Drei Männer sind für die Bewegung der Mähdrescher zuständig, drei andere für die Trucks und einer für das Grain Cart (Überladewagen). Die Maschinen sind zu jeder Saison neu. Zuverlässigkeit habe bei dem engen Zeitplan höchste Priorität, erzählt Roger weiter.

Wir wollen von Kyle wissen, wie die Arbeitszeiten und Unterbringung geregelt seien. Er beginnt zunächst zu lachen. Die Arbeitszeiten regeln sich grundsätzlich nach dem Arbeitsaufkommen. In der Regel wird von morgens um 8 Uhr bis nachts um 1 Uhr gedroschen. Vor kurzem gab es allerdings – nach 15 Tagen Arbeit am Stück – eine Woche Regenpause. Die Unterbringung sei recht spartanisch, berichtet er weiter. Die Fahrer sind in Wohnmobilen untergebracht, werden aber von der Firma mit Essen versorgt. Der Jüngste im Bunde ist Michael. Er ist 19 Jahre und hat gerade die Highschool abgeschlossen. Er erzählt uns, dass seine Eltern zuhause in South Dakota eine kleine Getreidefarm haben, er aber später aufs College gehen möchte. Wir fragen ihn, worin für ihn der Reiz liege von Mai bis Ende Oktober von seiner Familie und Heimat getrennt zu sein und mit den Custom Cutters auf Tour zu gehen. Er erzählt mit glänzenden Augen, dass es für ihn eine riesige Erfahrung sei und er im Land viel herum käme. Wegen der Bezahlung brauche man diesen Job in erster Linie nicht machen, da gäbe es Bessere, lächelt er. Nach diesem Jahr will er ein Studium in der Automobilbranche beginnen. Michael ist in der Truppe für die Bewegung des Überladegespanns, gezogen von einem John Deere 8430, zuständig. Wir fragen ihn, was er in den letzten Monaten schon so alles erlebt habe. Er erzählt, dass gerade in den Abendstunden bei aufkommender Müdigkeit viel passiere. Als besonderes Highlight wird ihm allerdings der Verlust eines Rades seines voll beladenen Überladewagens während der Fahrt auf dem Feld in Erinnerung bleiben. Passiert ist aufgrund der Doppelbereifung des Grain Carts jedoch nichts. Der Hersteller gab Materialermüdung als Ursache an und stellte einen neuen Überladewagen zu Verfügung. Wir möchten nun etwas über die gesamte Druschleistung der Crew in diesem Jahr wissen. Insgesamt schätzt er die bisherige Dreschleistung auf 16.000 Acres, welches in etwa 7.000 Hektar entspricht. Mindestens genauso beeindruckend ist allerdings die Fahrstrecke quer durch die USA und ab nächster Woche auch Kanada. Insgesamt werden auf der gesamten Tour bis zurück nach Nebraska mehr als 6.000 Meilen zurückgelegt. „Da sind wir aber nicht die Einzigen, die soweit fahren“, ergänzt Michael. Er schätzt, dass etwa 150 Unternehmen Mähdrescher auf die Reise durchs Land schicken. Aufgrund des hohen Konkurrenzdrucks sinken die Preise und die Custom-Cut-Dienstleistung wird immer attraktiver. Der Bedarf ist teilweise sogar so groß, dass verschiedene Crews auf einer Farm und sogar auf einem Feld zusammenarbeiten. Die Berechnung erfolgt dabei lediglich nach geernteter Fläche. Die Anfahrtskosten der Fahrzeuge finden keine Berücksichtigung.

Während unseres Gesprächs ist der letzte Drescher auf einem kleinen Acker neben der Farm dabei, die letzten Runden zu drehen. Sobald auch er seine Arbeit abgeschlossen hat, werden sich die Maschinen nach Cut Bank, nahe der amerikanisch-kanadischen Grenze, auf den Weg machen. Dort ist das Getreide allerdings noch nicht soweit und die Crew wird sich wohl somit ein paar Tage den nahe liegenden Nationalpark anschauen können. Bevor wir die Cutter verlassen, gab uns Roger noch etwas mit auf den Weg: Wenn wir jemanden kennen, der Lust, Motivation, ein wenig Sprachkenntnis und sicherlich Ausdauer mitbringt und für einen Sommer einmal ein „Wheaty“ sein möchte, sollen wir seinen Kontakt weitergeben. Dies tun wir an dieser Stelle gerne. Die Firma hat eine kleine, nicht mehr ganz aktuelle Internetseite. Die Adressdaten stimmen aber noch.

Wir bedanken uns bei allen Mitgliedern der Custom Cutters aus Nebraska und wünschen weiterhin eine gute Ernte!

Zur Seite der Company S & L Farms Inc.

Text: Jörn und Tammo Gläser
Foto. Jörn Gläser

Einige weitere Bilder findet ihr auf landtechnikvideos.de

Lest weitere spannende Stories über unsere kleine Agrar-Weltreise in den vorangegangenen Tagesberichten in Agrarsanis Landwirtschafts-Blog.
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Agrarsani

Agrarsani

Alter: 32 Jahre,
aus Wedemark

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agrarsani, custom cutter, gläser, john deere, kanada, landtechnikvideos.de, usa

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