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Agrarsanis Landwirtschafts-Blo...

Spannende Themen aus der Landwirtschaft (88 Einträge)

Boss eines Großbetriebes Luftbild der Ranch mit Feedlot Brocken O ranch
1611 mal angesehen
27.08.2009, 17.39 Uhr

Kanada/USA Tag 7 – Die Broken O Ranch in Montana

Der US-Bundesstaat Montana ist nicht nur für seine großen Getreide-Farmen bekannt, sondern auch für seine weitläufigen Ranchen. Für uns war von vornherein klar, dass solch eine Ranch auf unserer Reise nicht fehlen durfte. Etwa 60 Meilen südlich des Glacier Nationalparks liegt die Broken O Ranch. Gegen Mittag trafen wir auf der Farm ein. Dan Freeman, unser Ansprechpartner, war leider gerade unterwegs. Wir nutzten die Zeit für eine kleine Mittagspause bei 30 Grad im Schatten.

Nach etwa 30 Minuten kam Dan mit seinem weißen Pick-Up und musste auch schon gleich wieder los. Er nahm uns also mit in seinem Dodge 2500 mit zum nächsten Termin. Dan ist Farmboss und leitet die komplette Landwirtschaft der Farm. Aktuell wurden über Funk Probleme mit einem der drei neuen John Deere Drescher gemeldet. Wir nutzten die etwa 7 Meilen durchs hügelige Land, um einige Informationen rund um den Betrieb zu erhalten.

Er erzählte uns, dass bis zu 5.000 Rinder auf seiner Farm Platz haben. Untergebracht werden diese je nach Körpergewicht von Oktober bis Mai entweder im groß dimensionierten so genannten „feedlot“, einem nicht überdachten Stallbereich oder auf den Grasflächen rund um die Farm. Wir fragten ihn, warum das feedlot in der restlichen Zeit des Jahres ungenutzt bleibe. Er antwortete uns, dass es für die Farm günstiger sei, wenn die Tiere sich auf den Flächen das Futter selber suchen. Schon auf der Anfahrt zur Farm waren uns die weiten, steppeartigen Grasflächen aufgefallen, auf denen Rinder weideten. Uns interessierte, wie viel Fläche er für ein Tier kalkuliert. Er rechnete uns vor, dass für eine „Cattle-Unit“ (Kuh mit Kalb) in einem Jahr 10 Acres, etwa 4 Hektar, zur Verfügung stehen müssen. Die kompletten Weideflächen erfahren keine Bearbeitung. Auch Beregnung findet trotz der 12 Inches Jahresniederschlag nicht statt. In dieser Niederschlagsmenge ist der alljährliche Schnee im Winter schon eingerechnet!

Wir treffen beim defekten Mähdrescher ein. Offensichtlich war eine Hydraulikleitung geplatzt und ein Ersatzteil wurde dringend benötigt. Auf dem Feld waren zwei weitere John Deere Drescher, drei Quaderballenpressen sowie zahlreiche Fahrzeuge für den Abtransport der Strohballen im Einsatz. Dan half dem Fahrer des Mähdreschers und einem Mechaniker den defekten Drescher schnell wieder flott zu bekommen und stieg dann zurück zu uns in den Pick-Up. Es ging dann weiter in rasantem Tempo zu einem der beiden arbeitenden Mähdrescher, da er wichtige Informationen vom Fahrer einholen musste. Währenddessen erzählte er uns, dass er versuche alle Tiere der Farm mit eigenem Futter zu ernähren. Dafür wird teilweise das angebaute Getreide, hauptsächlich aber zehntausende gepresste Ballen Heu genutzt. Ein großer Anteil des Getreides wird aber auch konventionell vermarktet.

Beim Drescher angekommen informiert sich Dan beim Fahrer über den Verlauf der Ernte. Nach einem kurzen Stopp ging es zurück in Richtung Ranch. Wir sprachen Dan noch einmal auf die Rinderhaltung der Ranch an. Er erklärte uns, dass die Rinder bei ihm nur angefüttert werden. Etwa ein Drittel kauft er dafür zu. Die eigentliche Mast der Tiere findet unter anderem im Bundesstaat Nebraska statt. Grund dafür ist, dass das ideale Mastfutter Mais in Montana aufgrund der klimatischen Bedingungen nicht angebaut werden kann.

Seine Ranch arbeitet ausschließlich mit Angusrindern. Für ihn sind diese Tiere für die raue Gegend Montanas perfekt geeignet. Er schätzt vor allem die gute Gewichtszunahme, die Widerstandsfähigkeit gegenüber verschiedenen Krankheiten sowie die Winterfestigkeit der schwarzen Tiere. Im Winter werden die Tiere, die nicht im feetlot gehalten werden, auf Flächen nahe der Ranch geholt. Sie werden hier mit Heu durchgefüttert.

Über Funk wurde ein „Notfall“ bei den Getreidesilos gemeldet. Dies lag auf unserem Weg. Vor Ort stellte sich heraus, dass ein Silo fast gefüllt war, obwohl noch einige Truckladungen ausstanden und ein neues Silo aufgrund der speziellen Sorte nicht angefüllt werden sollte. Dan entschied, ein kleineres Silo am Farmgelände aufzufüllen.

Es ging weiter und Dan fing an von der Geschichte der Farm zu erzählen. Diese geht bis zum Jahr 1882 zurück. Zwei Freunde sind damals nach Montana gekommen, um nach Gold zu suchen. Gold fanden sie zwar keines, sie stellten aber fest, dass unter den Goldgräbern das Nahrungsmittel Fleisch dringend benötigt wurde. Sie gründeten damals die Ranch auf einem Landstrich der noch von Indianern besiedelt war. Das Prinzip des damaligen „farmings“ war einfach: Sie trieben die Rinder einfach über die Steppegrasflächen bis sie fertig für die Schlachtung waren. Eines strengen Winters jedoch konnte die Herde damals nicht mehr ausreichend Futter finden und musste verhungern. Dies war der Ansatz dazu, die Flächen auch für den Winterfutteranbau zu nutzen und mit einer Bewässerung ertragsreicher zu machen. So wurde unter anderem auch ein Kanal durch das Tal gegraben.

Dan fuhr mit uns auf einen der Hänge des Tals, um uns einen Überblick über die gesamte Farm zu verschaffen. Wir hatten bis dahin noch nicht über die Gesamtfläche der Farm gesprochen. Als wir die gewaltige Zahl von 140.000 Acres hörten – etwa 56.000 Hektar –mussten wir zunächst noch einmal nachfragen, ob wir dies richtig verstanden hatten. Zum Vergleich: das Bundesland Bremen hat etwas mehr als 30.000 Hektar Gesamtfläche. Vom Hügel aus, der etwa 100 Meter oberhalb des Farmgeländes lag, scheute Dan nicht vor einem Beweis. In allen Himmelsrichtungen konnte er markante Punkte nennen, die in etwa die Fläche eingrenzten. Richtung Westen war es das gewaltige Panorama der Rocky Mountains.

Außerdem berichtete er uns, dass wir uns an einem historischen Punkt befänden. Vor vielen, vielen Jahren haben von jener Stelle Indianer Büffel, aber auch Feindbewegungen kontrolliert. Er konnte uns weiter zwei markante Gräben in der Landschaft zeigen, welche von den Indianern genutzt wurden, um die Büffel dort hineinzutreiben und besser erlegen zu können.

Wir stiegen zurück in den Pick-Up und fuhren die steile Abfahrt zum Hof zurück. Auf dem Rückweg erfuhren wir, wie sich Dans Lebenslauf mit dem der Farm kreuzte. Er erzählte uns, dass die Farm nach der Gründung schon viele Besitzer gehabt habe. Der letzte Chef kaufte das Land und die elterliche Freeman-Farm auf und heuerte ihn als Arbeiter für die Farm an. Eines Tages, vor etwa 20 Jahren, bekam er dann die Aufgabe die komplette Landwirtschaft der Ranch zu leiten. Während dieser Zeit hatte er schon einiges auf der Farm verändert, aber auch eine Sache die international um sich gegriffen hatte. Dan stellte damals im Alltagsgeschäft fest, dass sich die Heuballen unterschiedlicher Grasschnitte aufgrund der identischen Wicklungsgarne nur schlecht voneinander unterscheiden ließen. Für die richtige Futterzusammenstellung ist jedoch eine Unterscheidung absolut wichtig. Er brachte die Idee unterschiedlicher Wickelgarnfarben damals zu John Deere. Kurz darauf gab es das Wickelgarn in 7 unterschiedlichen Farben, welches nun Ballen schnürt, die bis nach Australien exportiert werden. Dies macht ihn sehr stolz.

Wie es mit seiner Zukunft und der Zukunft der gigantischen Farm weitergeht, weiß er noch nicht. Der Besitzer der Farm ist vor kurzem gestorben und die Frau schwer krank. Die Söhne haben mit der Landwirtschaft nichts im Sinn. Für seinen Aufgabenbereich sucht er unter den 30 Mitarbeitern der Ranch nach einem geeigneten Nachfolger.

Eine letzte Frage hatten wir noch an Dan, bevor wir die Hofgebäude erreichten. Wir fragten ihn, was es mit dem „Broken O“ im Namen der Ranch auf sich habe. Er erklärte, dass dieser Namenszug bis auf die Gründer der Farm zurückzuführen sei. Diese hatten damals mit einem geöffneten O-förmigen Eisen ihre Rinder markiert. Während er uns dies erzählte, wurde Dan bereits wieder über Funk verlangt. Diesmal ging es um eine der Bewässerungsanlagen.

Wir verabschiedeten uns herzlich von Dan und bedankten uns für die Zeit, die er uns geopfert hatte. Dann brauste er in seinem Pick-Up in Richtung Süden davon.

Vielen Dank an die Mitarbeiter der Broken O Ranch und ganz speziell an Dan Freeman!

Text: Jörn und Tammo Gläser
Bilder: Jörn Gläser

Lest mehr über unsere kleine Agrar-Weltreise in den anderen Tagesberichten.
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Agrarsani

Agrarsani

Alter: 32 Jahre,
aus Wedemark
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Kommentare

27.08.2009 18:31 Celtis436RX
Wahnsinns Blogs die du im Moment schreibst!
weiter so

freu mich schon auf die nächsten
27.08.2009 22:31 MonteCristo
Da schliess ich mich an, es ist eine wahre Freude, diesen Blog zu lesen...
28.08.2009 13:07 Hoiza93
Celtis436RX schrieb:
Wahnsinns Blogs die du im Moment schreibst!
weiter so

freu mich schon auf die nächsten

dem ist nichts mehr hinzuzufügen
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