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Agrarsanis Landwirtschafts-Blo...

Spannende Themen aus der Landwirtschaft (88 Einträge)

Deutz und Fendt Vario bei der Rübenernte Rüben-Sammelbunker Case Duo bei der Rübenernte
1587 mal angesehen
01.11.2009, 17.02 Uhr

Comeback der 2-phasigen Rübenerntetechnik

Text und Bilder von Sascha Jussen

"Das zweiphasige Rübenernteverfahren gilt als veraltet", war bis vor einigen Tagen in Wikipedia unter dem Stichwort "Rübenroder" zu lesen. Ich habe mir erlaubt, den Artikel in dieser Hinsicht etwas zu verändern. Denn aktuelle Beobachtungen und Gespräche mit Landwirten in der Jülicher Börde zeigen, dass das 2-phasige oder "absetzige" Rübenerntesysteme zumindest in der westlichsten Ackerbauregion Deutschlands wieder Boden gewinnt und alles andere als rückständig ist.

19. Oktober 2009: Von Neuss aus fahre ich nach der Arbeit über die Autobahn A46 in Richtung Jülich. Doch schon kurz hinter dem Autobahndreieck Neuss-West endet die Reise für mich. Zwischen den Büschen der Autobahnböschung habe ich etwas entdeckt, was wie ein großer Rübenladebunker aussieht. Und richtig: Nach kurzer Fahrt über Feldwege entdecke ich außer einem Deutz Agrotron mit "geschobenen" 6-reihigem Stoll-Rübenroder einen CASE IH 1455XL mit Bleinroth LB12 Ladebunker. Die Fahrer sind begeistert, dass sich ein Fotograf für ihre vermeintlich veraltete Technik interessiert und laden mich zum Mitfahren ein. Von Hans-Jürgen Heinrichs, der jährlich rund 40 Hektar Zuckerrüben anbaut erfahre ich nicht nur, dass es sich bei dem 1455XL um einen der letzten im Neuster International-Werk gebauten Traktoren handelt, sondern auch, dass sich Vater und Sohn des Familienbetriebs die Rübenerntemaschinen vor einem Jahr erst angeschafft haben. "Auch wenn ich meine eigenen Arbeitsstunden für mich als zweiten Fahrer mit einrechne, kommt uns die Rübenernte so langfristig günstiger, als über einen Lohnunternehmer mit Selbstfahrer." Jahrelang hatten die Heinrichs auf den Lohnunternehmer Hoppe aus Meerbusch und seiner Holmer T3 gesetzt. Bis sich für sie 2008 die Gelegenheit ergab, die 2-phasige Erntetechnik gebraucht und im einsatzbereiten Zustand für "deutlich unter 10.000 Euro" zu erwerben.

22. Oktober 2009: Ich bin mit dem Landwirt Wilfried Peters verabredet. Zusammen mit einem Nachbarn bewirtschaft er rund 60 Hektar Zuckerrübenfläche und setzt seit zwei Jahren einen Köpfer und Roder des belgischen Herstellers Gilles sowie einen älteren Ladebunker von Kleine/Unsinn ein. Obwohl es in der Nacht zuvor 4 mm Niederschlag gegeben hatte, beeindrucken die Maschinen mit einem komplikationslosen Einsatz - Super geköpfte Rüben werden zu einer geraden Miete abgelegt und der Boden sieht nach dem Einsatz aus wie gesiebt. Auch Herr Peters ist vor zwei Jahren von der Rübenernte durch einen Lohnunternehmer mit Selbstfahrer auf ein eigenes 2-phasiges System umgestiegen. Er erzählt: "Wir haben mehrfach die Bodenverdichtung nach Einsatz eines Selbstfahrers überprüft. Bei trockenem Wetter hält sich die Verdichtung in Grenzen. Doch bei etwas Nässe sieht die Sache ganz anders aus. Verdichtung bis auf 80 cm Tiefe haben wir festgestellt, trotz Einsatz des Selbstfahrers im Hundegang." Mangelnde Bodenschonung war für Peters der Hauptgrund, von selbstfahrenden Rübenvollerntern Abstand zu nehmen.

Am gleichen Tag treffe ich zufällig auf ein weiteres 2-phasiges Erntesystem im Einsatz: Ein CASE IH 1455 mit Rückfahreinrichtung und "geschobenem" Kleine KR6 Köpfroder sowie ein CASE IH 955XL mit Bleinroth LB20 Ladebunker. Heiko Hermanns ist Landwirt und Besitzer der Maschinen. Den Ladebunker hat er vor drei Jahren gebraucht von seinem Schwager für 1.250 Euro gekauft. Nun erntet Hermanns nicht nur für sich selbst, sondern auch für benachbarte Landwirte insgesamt rund 80 Hektar Zuckerrüben pro Kampagne. Auch Hermanns ist überzeugter Vertreter 2-phasiger Technik.

Auch Lohnunternehmer haben noch 2-phasige Zuckerrübenerntetechnik im Programm. Hans-Willi Wilms ist einer von ihnen. Sein 2-phasiges DeWulf Beeta6 System ist gerade vier Jahre alt und hat inzwischen fast 1.000 Hektar geerntet - "Bislang ohne nennenswerte Probleme", berichtet Wilms. Bei dem über 20 Jahre alten gezogenen Bleinroth Ladebunker macht sich hingegen der Zahn der Zeit bemerkbar. "Gestern musste ich noch insgesamt 800 km bis nach Osnabrück fahren, um Ersatzteile für die alte Maschine aufzutreiben", sagt Hans-Willi Wilms. Zwei Tage Zeit hatte er verloren, um den Ladebunker nach Bruch einer Radnabe zu reparieren. Nun aber arbeiten Fendt Vario 716 mit DeWulf Beeta 6 und Deutz Agrotron mit Bleinroth Ladebunker zusammen mindestens genauso schnell wie der Holmer Terra Dos, der am Horizont einsam seine Runden zieht.

Text: Sascha Jussen und Tammo Gläser
Bilder: Sascha Jussen

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Lest weitere Artikel in Agrarsanis Blogs zum Thema Rübenernte.

Agrarsani berichtet über die 2-phasige Technik in Belgien.

Erntetechnik (Selbstfahrer):

Ropa euro-Tiger V8-3

Agrifac Rübenroder ZA 215 EH

Verladetechnik:

Ropa Moses Maus

Ropa euro-Maus 3
offline

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Agrarsani

Agrarsani

Alter: 32 Jahre,
aus Wedemark

Schlagwörter

1455, 2 phasig, agrarsani, case ih, fendt, kleine, landtechnik, rüben, rübenernte, rüfa, traktoren, unsinn

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Kommentare

04.11.2009 10:55 Johnny8410
Ich hoffe, daß sich das absetzige Verfahren so langsam wieder durchsetzt.
Weniger Bodenschäden, man kann ernten, wenn es sinnvoll ist und man behält das Kapital im eigenen Betrieb.Auch die Auslastung der bestehenden Schlepper erhöht sich deutlich.
Vielleicht erinnert sich Kleine an gute Zeiten und produziert den KR6 in neuer Version wieder.

Dirk
06.08.2011 19:27 Jaydee
Super interessanter Beitrag.Weiss jemand welche Hersteller zur Zeit noch 6-reihige Koepfroder und gezogene Ladebunker bauen?
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