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Agrarsanis Landwirtschafts-Blo...

Spannende Themen aus der Landwirtschaft (88 Einträge)

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30.12.2009, 23.15 Uhr

Wo kommt eigentlich der Zucker her?

Es ist Mitte Dezember. Im Rahmen einer Exkursion in meinem Studium besuchen wir die Südzucker Zuckerrübenfabrik in Rain am Lech. Bereits seit dem 13. September ist die Kampagne in der Region in vollem Gange. Mehr als 600 LKW's müssen täglich auf dem Werksgelände koordiniert und abgefertigt werden. Die Anlieferung der Rüben läuft 24 Stunden am Tag. Lediglich sonntags arbeitet die Zuckerfabrik vom Lagerplatz. Mit dem Lagerplatz kann die Fabrik etwa 36 Stunden ohne eine Anlieferung den Produktionsprozess aufrechterhalten.

Unsere Werksführung beginnt bei der Anlieferung der Rüben. Nach einer Probenentnahme am Werkseingang geht es für die Lastwagen zunächst in eine kurze Warteschlange. Obwohl sich zu jeder Zeit zahlreiche Fahrzeuge auf der Anfahrt zur Fabrik befinden und im Schnitt alle 2,5 Minuten ein Fahrzeug die Fabrik erreicht, warten vor der Entladerampe lediglich 5 LKWs. Aus organisatorischen Gründen ist die Anlieferung der Rüben nur noch per LKW-Gespann möglich. In der Regel ist die Anlieferung in Abfuhrgemeinschaften organisiert. Das Einzugsgebiet reicht hierbei von Regensburg bis nach Ulm.

Nachdem der Fahrer die Bordwände entriegelt hat und in den Entladebereich gefahren ist, darf er die Kabine unter keinen Umständen mehr verlassen. Es herrscht Lebensgefahr, denn oberhalb des Fahrzeugs befindet sich ein Kontrollraum, von dem aus mit einer gigantischen Wasserkanone mit 2,5 bar gezielt die Rüben regelrecht aus dem LKW gewaschen werden. In einem unterirdischen Kanalsystem geht es für den Rübenfluss dann zunächst zur Wäsche. Beeindruckend ist hier, dass die insgesamt mehr als 20.000 Kubikmeter Wasser, die in der gesamten Fabrik im Umlauf sind, nahezu zu 100 Prozent bei der Zuckerproduktion aus den Rüben anfallen. Darüber hinaus liefert der Fluss Lech Wasser, das zusätzlich zur Kühlung benötigt wird. Alleine im Werk Rain werden in jeder Kampagne mehr als 1.423.000 Tonnen angeliefert und auf diese Weise entladen.

Auf unserer Führung verlassen wir nun zunächst den Weg der Rüben und betreten die Gebäude des so genannten Bodengesundheitsdienstes. Als Reaktion auf gravierende Rhizomania Erkrankungen in den Zuckerrübenbeständen wurde vor einigen Jahren dieses Labor ins Leben gerufen. Die Landwirte haben hier die Möglichkeit Boden- wie auch Wirtschaftsdüngerproben abzugeben, welche dann auf die unterschiedlichsten Stoffe hin untersucht werden. Bis zu 1.000 Proben werden so täglich analysiert. Es folgen seitens des Labors konkrete Dünge- und Pflanzenschutzempfehlungen, welche letztendlich einen optimalen Aufwuchs und Zuckergehalt unterstützen. Der durchschnittliche Rübenertrag in der Region liegt bei etwa 77 Tonnen pro Hektar. Ziel ist ein Zuckergehalt von 18,4 Prozent.

Wir verlassen die Räumlichkeiten des Labors wieder und verfolgen weiter den Weg der Zuckerrüben nach Ihrer Anlieferung. Den Produktionsprozess möchte ich an dieser Stelle nur grob beschreiben. Für detaillierte Informationen bitte ich die unten aufgeführten Informationsquellen zu besuchen.

Nach der Abreinigung von Erdrückständen und der Trennung von Steinen etc. steht als erster Produktionsprozess nach der Wäsche die Saftgewinnung an. Die Rübenschnitzel durchlaufen zunächst nach der Zerkleinerung den Extraktionsturm, indem der Rohsaft gewonnen wird. Mit einer Kalk-Kohlensäurereinigung wird dieser Saft danach von Nicht-Zuckerstoffen befreit. Diesen Prozess nennt man die Carbonation. Nach der Carbonation werden in einer Filterstufe der Dünnsaft und die übrigen Stoffe getrennt, welche zu Pellets gepresst und zu Futtermittel weiterverarbeitet werden.

Es folgt die Safteindampfung. In mehreren Verdampfungsstufen wird der Dünnsaft eingedickt. Nach der Eindampfung hat der „Zuckersaft“ oft bereits einen Trockenmassegehalt von 70 Prozent. Weiter geht es für den Saft in unendlichen Rohrleitungssystemen in der mehrstöckigen Fabrik hin zur Kristallisation. Mithilfe von hohen Temperaturen und Unterdruck wird hier der Zucker gewonnen. Die entstandene so genannte Kristallsuspension wird nun im Produktionsabschnitt „Raffination“ mithilfe von Zentrifugen von flüssigen Restbestandteilen getrennt und auf die richtige Korngröße gebracht. Nach der Trocknung wird der Zucker dann eingelagert oder direkt zu unterschiedlichen Produkten weiterverarbeitet oder abgefüllt. In großen Silolastwagen findet häufig auch die Auslieferung an große Industriekunden statt. Besonders beeindruckend war die Kontrolle und Steuerung sämtlicher Anlangen in der Fabrik. Im warmen Fabrikinneren, rund um die lauten Maschinen, haben nur wenige Arbeiter zu tun. Aus einem zentralen Leitstand, der vor Wärme-, Geruchs- und Geräuschbelästigung geschützt ist, haben die verantwortlichen Ingenieure auf ihren Bildschirmen alles im Zugriff. Nicht auszudenken wäre der Ausfall eines einzigen Fließbands. Wahrscheinlich wäre die gesamte Produktion unterbrochen.

In der Kantine, bei Würstchen und Getränken, endete dann unsere Führung durch die Zuckerfabrik Rain am Lech. Wir erfuhren noch einiges über die Südzucker-Gruppe, welche europaweit etwa 24 Prozent Marktanteil in der Zuckerproduktion hält.

So gehört die Zuckerfabrik Rain am Lech wie auch 30 weitere Fabriken europaweit zur Südzucker-Gruppe. Insgesamt werden so jährlich mehr als 25 Millionen Tonnen Rüben zu 4,2 Millionen Tonnen Zucker verarbeitet. Dies bedarf einer Anbaufläche von 370.000 Hektar, diese entspricht etwa zweimal der des Saarlands. Europaweit beschäftigt Südzucker etwa 18.000 Mitarbeiter.

Zur Südzucker-Gruppe gehören unter anderem auch die Segmente Bioenthanolproduktion, Stärkeproduktion und auch das Segment Spezialitäten. In diesem Segment werden beispielsweise mit dem Unternehmen Freiberger täglich bis zu 2,3 Millionen Packungen Tiefkühlpizza produziert.

Text: Tammo Gläser
Bilder: Tammo Gläser

Internetseite der Südzucker-Gruppe

Link zu einer PDF-Unternehmenspräsentation

Tipp: Finden Sie die Zuckerfabrik Rain am Lech über Google Earth und schauen Sie sich das beeindruckende Gelände aus der Luft an.

GPS-Koordinaten zur Eingabe:
48° 41'56.71" N 10° 54'38.90" E

Kleines Fotoalbum zum Rundgang.

Weitere interessante Beiträge zum Thema „Rüben“ aus Agrarsanis-Blogs hier auf landlive:

Der schlagkräftigste Rübenroder Deutschlands – Ropa euro-Tiger V8 3

Kleine ganz groß - Maschinen für die Rübenernte aus Salzkotten

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Ropa Moses Maus – Bald kein Einzelstück mehr?

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Agrarsani

Agrarsani

Alter: 31 Jahre,
aus Wedemark
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Schlagwörter

agrarsani, fabrik, gläser, landtechnik, landtechnikvideos.de, rain am lech, südzucker, zucker, zuckerrüben

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Kommentare

31.12.2009 12:01 farmer1z
Ein sehr interessanter Bericht. Dieser Bericht
gestattet einen Blick hinter die Kulissen,
ist aber auch für den Außenstehenden relativ kurz gehalten und einfach zu verstehen.
Sehr gut die Verlinkungen mit weiteren
detaillierteren Info-Möglichkeiten.
31.12.2009 16:05 pflugfurche1
Ja 24 STunden anlieferung . Da würdest du nicht so locker drüber schreiben, wenn du so wie ich vorgestern um 3 uhr MOrgens aufgstehen musst weil die Maus kommt .
31.12.2009 16:28 DaMadTrac2008
Halerebeck schrieb:
Ja 24 STunden anlieferung . Da würdest du nicht so locker drüber schreiben, wenn du so wie ich vorgestern um 3 uhr MOrgens aufgstehen musst weil die Maus kommt .


Warum haste mitfahrn müssen xD
31.12.2009 17:09 pflugfurche1
DaMadTrac2008 schrieb:
Warum haste mitfahrn müssen xD


Naja, wenn die Rüben abgeholt werden sollte man schon dabei sein, man erfährt zb auch gleich wieviel Schmutz, zucker e.t.c. deine rüben gehabt haben. Die schätzer scheinen aber um diese Uhrzeiten z uschlafen.
01.01.2010 17:43 Top881
Interessanter Blog!
Hab mal das Nordzuckerwerk in Uelzen besucht wo unsere Rüben hingehen. Ist wirklich interessant aber ja wesentlich größer.
Naja 1 mal im Jahr um 3 aufstehen ist doch Killefitz:D
02.01.2010 09:15 silomaxx
Sehr guter Beitrag, ist interessant zum lesen.
06.01.2010 22:07 kekskruemel
Halerebeck schrieb:
Naja, wenn die Rüben abgeholt werden sollte man schon dabei sein, man erfährt zb auch gleich wieviel Schmutz, zucker e.t.c. deine rüben gehabt haben. Die schätzer scheinen aber um diese Uhrzeiten z uschlafen.


bei euch wird noch geschätzt??? ach du je...
13.01.2010 08:21 kakalp
Sehr schön

weiter so
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