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Agrarsanis Landwirtschafts-Blo...

Spannende Themen aus der Landwirtschaft (88 Einträge)

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28.02.2010, 20.03 Uhr

Landwirtschaft in Mexiko - Wo kommt der Tequila her?

Mexiko ist nicht nur weltweit bekannt für seine Tacos und Tortillas sondern auch für seinen Tequila. Im Herbst des letzten Jahres führte uns unserer Reise in die 35.000 Einwohner Stadt Tequila im Bundesstaat Jaliscon nordwestlich der Stadt Guadalajara. Von Mexiko City ist Guadalajara in rund 6 Busstunden zu erreichen. Weitere 2 Stunden sind es dann noch bis nach Tequila.

Das hügelige Landschaftsbild rund um die Kleinstadt ist geprägt vom Anbau der gräulich blauen Kakteenpflanze Agave. Was ein Kaktus mit einen alkoholischen Kultgetränk zu tun hat, dazu später mehr.

Am Marktplatz angekommen wechselten wir in einen Stadtbus, welcher mit einem Touristenführer besetzt, gezielt die Tequilafabriken ansteuerte. Fast alle dieser Fabriken sind seit Generationen in Familienbesitz, unterscheiden sind aber wesentlich in der Produktionsmenge. Einige der insgesamt 26 füllen viele 100.000 Liter pro Tag ab, andere nur rund 15.000 Liter. Solch einen kleinen Tequilaproduzenten schauten wir uns dann einmal etwas genauer an.

Südlich der Stadt befindet sich, am Hügel gelegen, die Fabrik „La Cofradia“, was grob übersetzt Bruderschaft bedeutet. Als wir das Hoftor durchfuhren erwartete uns eine gewaltige und perfekt gepflegte Gartenlandschaft mit kleinen Teichen, einem gemütlichen Restaurant und natürlichen vielen Kakteen.

Uns empfing die 23-jährige Elis. Elis kommt aus der Stadt und arbeitet als Touristenführerin für den Tequilaproduzenten. Bevor wir die Fabrikhallen betraten führte sie uns an einigen Agave -Pflanzen vorbei, um uns über Alter und Reifestadium der Pflanzen aufzuklären. Erst nach etwa 8-10 Jahren ist der Kaktus, bzw. das Herz der Pflanze reif für die Ernte. Bis dahin wird laut Elis an der Pflanze selber kein Pflanzenschutz vorgenommen. Es findet lediglich eine gründliche, mechanische Unkrautbekämpfung statt. Eine Vermehrung der Pflanze findet generativ, das heißt mithilfe von Ablegern ab dem 4 Wachstumsjahr statt. Gearbeitet wird in der Regel nur von Montag bis Freitag.

Wenn der Erntezeitpunkt gekommen ist, gräbt ein Arbeiter den Kaktus aus und entfernt die Blätter. Übrig bleibt nur noch das Herz der Agave, welches mehr als 70 Kilo schwer werden kann und vom Aussehen einer Ananas ähnelt. An dieser Stelle sei vielleicht schon gesagt, dass aus 7 Kilogramm Frucht rund 1 Liter des Getränks gewonnen werden kann.

Die Geschichte des Tequila geht bis ins 16. Jahrhundert zurück. Die Spanier brachten damals Destillationstechniken nach Mexiko und experimentierten mit der Agave. Schnell wurde den Spaniern jedoch klar, dass das erfundene, immer beliebter werden Getränk, eine zunehmende Konkurrenz für die eigenen Produkte darstellte, die eigentlich aus Spanien importiert werden sollten. Destillationsverbote und auch Steuern halfen in der Folge jedoch wenig den Erfolg des Tequilas einzuschränken. Im Jahr 1888 wurde dann zum ersten Mal Tequila auch ins Ausland exportiert.

Nachdem nun die „Agaveherzen“ hauptsächlich auf fabriknahen Flächen geerntet wurden findet der Transport zur Fabrik statt.

Nach einer groben Teilung der Frucht wird sie für rund 40 Stunden in einem Ofen zwischen 80 und 90 Grad gegart. Eine Mühle hilft im Anschluss daran an den sehr sehr süßen Saft zu gelangen.
Für die Getränkeproduktion setzt die Fabrik, je nach Qualitätsanspruch, 100 Prozent Agave oder eine Mischung aus 50 Prozent Agave und 50 Prozent Zuckerrohr ein. Beim Fremdzuckereinsatz spricht man vom so genannten Tequila Mixto.

Unabhängig davon für welche Produktionsrichtung sich die Fabrik entscheidet geht es weiter zur Fermentation, die rund 45 Stunden dauert. Nach einer Filterung kommt es nun zur Destillation, welche mindestens zweimal durchgeführt wird. Nach der zweiten Destillationsstufe hat der so genannte „White Tequila“ einen Alkoholgehalt von rund 60 Prozent. Später wird dieser Gehalt jedoch noch reduziert, da er vor allem für den Export viel zu hoch ist, erzählt uns Elis. Manchmal wird auch noch ein drittes Mal destilliert, was dann später zu einer noch besseren Aromaausbildung führt. Es folgt nun nur noch die Abfüllung – zunächst allerdings in Holzfässer. Die anschließende Lagerung verleiht dem Tequila dann seinen charakteristischen Geschmack.

Wir verlassen die Produktionshallen und begeben uns auf die gegenüberliegende Seite des Geländes. Hier liegen zwischen Teichen, im kühlenden Felsen untergebracht, die Räumlichkeiten, welche Holzfässer beherbergen. Elis führt uns zu einer Theke und bereitet die Verköstigung vor, in der wir erfahren sollen, wie sich unter anderem die Lagerzeit auf das Aroma auswirkt und wie man den Tequila am Besten trinkt.

Den „White Tequila“ haben wir bereits kennen gelernt. Er wird nicht in Holzfässern gelagert und kann so auch keine Farbstoffe und kein Aroma aus dem Holz aufnehmen. Elis erzählt uns, dass der „White Tequila“ mexikanisch schnell getrunken wird.

Als nächstes folgte der so genannte „Resposados“. Elis zeigte uns, dass das Getränk im Mund zunächst von rechts nach links bewegt werden sollte, um das wunderbar holzige Aroma auf der Zunge zu schmecken. Vor dem Runterschlucken riet sie uns einzuatmen. Das nachträgliche Ausatmen vermeidet dann ein Brennen im Hals. Der „Resposados“ hat eine Lagerzeit von mindestens zwei bis hinauf zu 11 Monaten. 1-3 Jahre lagert der „Anejos“. Diese Lagerzeit ist dem Tequila durch die dunkle Farbe allerdings auch anzusehen. Diese Tequila in einem Cocktail zu mischen und zu mixen wäre das absolut schlimmste was man dem Getränk antun kann, erzählt uns Elis ermahnend.

Auch die dritte Kostprobe, die uns Elis anbot wiesen wir nicht zurück. Es handelte sich um einen Tequila mit einer Lagerzeit von mehr als 3 Jahren. Er wird bezeichnet als „Extra age“. Der Unterschied zum „Resposado“ war für mich aber nicht wahrnehmbar.

Nach der Probe eines ebenfalls in der Fabrik produzierten Mischgetränks wiesen wir nun allerdings alle weiteren Verköstigungsgetränke zurück.

Zum Abschluss folgte noch eine kurze Präsentation des Sortiments der Fabrik „La Cofradia“ in einem liebevoll eingerichteten kleinen Museum. Über 80 Prozent der gesamten Produktion sind für den Export bestimmt. Rund 20 Prozent alleine für Kanada und die USA. Unter verschiedenen Handelsmarken taucht der Tequila so auf der ganzen Welt wieder auf.

Zurück ging es mit einem als Tequila-Fass gestalteten Kleinbus, welcher uns über Kopfsteinpflasterwege zurück in die Stadt fuhr.

Abschließend kann ich an dieser Stelle nur jedem raten, der einmal die Möglichkeit hat sich Tequila anzuschauen, dies auch zu tun. Mich hat am Meisten beeindruckt, dass eine so abgelegene Kleinstadt ein Getränkt herstellt, das weltweit nachgefragt wird.

Mehr Fotos im Fotoalbum ansehen!

Navigieren Sie beispielsweise mit google earth nach Tequila. Sie finden die Fabrik aus diesem Bericht unter den folgenden GPS-Koordinaten:

20°51’46.62 N 103°49’49.16 W

Werbeaufschrift der Fabrik in einem naheliegenden Feld:

20°51’52.47 N 103°49’23.78 W

Internetseite der Fabrik „La Cofradia“

Text und Bilder: Tammo Gläser

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agrarsani, amerika, gläser, mexiko, tammo, tequila, tequilla

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