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Agrarsanis Landwirtschafts-Blo...

Spannende Themen aus der Landwirtschaft (88 Einträge)

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15.03.2010, 20.01 Uhr

Rinderhaltungskurs Achselschwang Tag 1

Hallo Landlive’ler,
normalerweise seid ihr von Agrarsani Berichte aus der modernen Landtechnik und Landwirtschaft gewohnt. Ich, Jörn Gläser, studiere genauso wie mein Bruder Tammo an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf im Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen Agrarmarketing und Management. Ende der Semesterferien hatte ich die Möglichkeit, an einem Tierhaltungskurs zur Milchviehhaltung am Lehr-, Versuchs- und Fachzentrum für Milchvieh- und Rinderhaltung in Achselschwang teilzunehmen. Von heute bis einschließlich Freitag werde ich nun direkt aus Achselschwang über den Verlauf des Kurses berichten, Themen im Bereich der Milchviehhaltung vertiefen und den 180- Kuh-Milchviehlehrbetrieb in Achselschwang näher vorstellen.

Der 1. Tag

Bis um 9.30 Uhr mussten alle Lehrgangsteilnehmer heute in Achselschwang am Ammersee (GPS-Koordinaten bei Google-Earth: 48°02’05.85“ N 11°03’03.36“ E), knapp 60 Kilometer westlich von München, eingetroffen sein. Nach einer kurzen Einweisung über den Ablauf des 5-tägigen Lehrgangs durch den Lehrgangsleiter Wolfgang Müller bezogen wir unsere Doppelzimmer im auf dem Hofgelände integrierten Internat. Im Anschluss bekamen wir die Stallkleidung, Overall, Stiefel und Cape gestellt und waren somit gewappnet für alles Weitere. Von Wolfgang Müller, selbst Absolvent in Weihenstephan, erfuhren wir noch einige interessante Daten zur Entwicklung des mehrere hundert Jahre alten Betriebs Achselschwang, der sich durch den Wegfall der Schweinezucht und der Verpachtung der angegliederten Pferdehaltung nun vollständig auf die Rinderhaltung und die Aus- und Weiterbildung in diesem Bereich spezialisiert hat.

Nach einer stärkenden Mittagsmahlzeit in der Kantine folgte noch etwas Theorie bei Frau Köhler, Lehrerin im Bereich des Melkens in Achselschwang und zudem verantwortlich für die Kälberaufzucht. Sie erläuterte uns Grundlagen des Melkmaschinenmelkens und den Ablauf des Melkens, den einige von uns noch am selben Tag praktisch anwenden sollten.

Der schematische Ablauf des Melkens beginnt beim Vormelken von Hand, bei dem durch 2-3 Strahlen die zunächst keimreichere Milch aus jeder Zitze in einen Vormelkbecher abgemolken wird. Farbveränderungen und Flockenbildung der Milch im so genannten Vorgemelk deuten häufig auf Euterkrankheiten wie zum Beispiel eine Euterentzündung hin. Über die Melkbarkeit oder eine anzusetzende Therapie des Tiers ist an dieser Stelle zu entscheiden.

Bevor dann das Melkgeschirr angehangen werden kann, müssen die Zitzen gereinigt und das Euter angerüstet werden. Die Reinigung geschieht in Achselschwang mit Vliestüchern, die im Anschluss in der Waschmaschine gewaschen werden können und somit mehrfach wieder verwendet werden. Nach der gründlichen Reinigung werden die Zitzen und speziell die Zitzenkuppen mit einem Desinfektionstuch nachbearbeitet. Wichtig ist hierbei, dass sowohl das Reinigungs- als auch das Desinfektionstuch immer nur für eine Kuh und nicht für mehrere verwendet werden darf. Nur dadurch kann eine Keimübertragung von Tier zu Tier verhindert werden. Die Kuh ist nun bereit für das Anschließen des Melkgeschirrs. Hierbei muss darauf geachtet werden, das Melkzeug möglichst unverzüglich anzusetzen, Lufteinbrüche und Wartezeiten zu vermieden und darauf zu achten, dass es zu keiner Verdrehung der Zitzen kommt. Danach kann man den Melkvorgang beobachten und gegen Ende des Melkvorgangs durch gezielte Belastung des Melkgeschirrs das Blindmelken einzelner Zitzen vermindern. Nach dem Melkvorgang lässt sich durch ein Abtasten der Zisternen, oberhalb der Zitzen, feststellen, ob die einzelnen Zitzen vollständig leer gemolken sind. Abgeschlossen wird der Melkvorgang mit dem so genannten „Dippen“, dem Eintauchen der einzelnen Zitzen in einen Becher mit Desinfektionslösung. Dies schützt wirksam vor Infektionen und pflegt gleichzeitig die Zitzenhaut.

Im Anschluss an die Theoriestunde lernten wir das Handmelken und das Ansetzen der Melkgeschirre in „Trockenübungen“ an Gummieutern. Viele von uns hatten bisher noch keinen direkten Kontakt mit der Melkarbeit und lernten erst an diesem Nachmittag die Schwierigkeiten des Melkens kennen und was alles zu beachten war.

Ab 15.30 Uhr standen für die gesamte Woche praktische Übungen an vier verschiedenen Stationen im Stall auf dem Plan. Neben den zwei Melkstationen in den unterschiedlichen Melkständen wurde man abwechselnd auch in der Kälberaufzucht und für allgemeine Stallarbeiten eingeteilt. Bei -5 Grad standen für mich und zwei weitere Kursteilnehmer zunächst die allgemeinen Stallarbeiten in dem Außenklimastall an. Manfred, zuständig in diesem Bereich, teilte uns nach und nach Arbeiten zu, die wir während der Melkzeit zu erledigen hatten. Neben der Reinigung der 13 beheizten Tränken im Stall haben wir die Zwischengänge außerhalb der automatisch gereinigten Laufflächen vom gröbsten Schmutz befreit. Danach war die Herrichtung und Säuberung der Tiefboxen für die momentan 172 Kühe dran. Nach ein paar weiteren Kleinigkeiten waren die Arbeiten für uns drei bis 17.30 Uhr erledigt und zusammen mit den anderen konnten wir uns bei einem Tee zum Abendbrot erstmal wieder aufwärmen.

Abschließend trafen wir uns abends im Wirtshaus auf dem Gelände in Achselschwang und ließen den Abend gemütlich bei ein paar Bier ausklingen – wohl wissend, dass am nächsten Tag der Wecker früh zum morgendlichen Melken klingeln würde.

Weitere Bilder zum ersten Tag findet ihr im Fotoalbum.

Weiterlesen über den 2. Tag oder Tag 3.

Nähere Informationen zu Tierhaltungskursen der Bayrischen Landesanstalt für Landwirtschaft findet ihr unter www.lfl.bayern.de.

Text: Jörn Gläser
Fotos: Jörn Gläser


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Agrarsani

Agrarsani

Alter: 32 Jahre,
aus Wedemark

Schlagwörter

achselschwang, agrarsani, jörn gläser, melken, milch, rinder, tierhaltung, triesdorf, weihenstephan

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Kommentare

16.03.2010 10:15 globe
Jaja in Achselschwang war ich auch scho, Is verdammt kalt da.
Und das Gelände is mitten in der Bamba..
16.03.2010 14:08 Komet
lang, lang ist´s her, daß ich dort war. Das letzte Mal vor 18 Jahren beim Meistervorbereitungskurs. Wie die Zeit vergeht....
16.03.2010 14:36 kakalp
(:

bayern 4ever

Waren leider in Triesdorf :(
16.03.2010 17:23 Maddl
ein sehr schöner blog. Ich glaube jeder der noch nei gemoken hat weis so ungefähr wie es jetz geht . Aber werden nicht erst die zitzen gereinigt und dan angemolken?
mfg
Maddl
16.03.2010 19:30 Agrarsani
hi maddl,
also wir haben erst vorgemolken und dann gereinigt und desinfiziert; wirkt sich vielleicht positiv auf die stimulation aus, wenn man mit dem vormelken beginnt; in den Unterlagen steht es auch in dieser reihenfolge, habs im internet sowohl mit anmelken als auch mit reinigen zu beginn gefunden.
16.03.2010 21:17 Markus
War ich froh als das vorbei war! Minus 24 Grad am morgen
17.03.2010 14:18 Fordpower
Ach ja da Müller der mit seine Kuh Ohrringl. Mir ham damals dem Typen im Kälberstall sei Bier ausgeliehen do hat er si gfreid
17.03.2010 20:57 globe
Weil etz ihr um Bier geht..
Wir ham a paar Kästern gepunkert aber die hams uns dann geklaut... aber einer is erst einen tag später gekommen der hatte dann wieder Nachschub dabei..also alles halb so wild
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