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Agrarsanis Landwirtschafts-Blo...

Spannende Themen aus der Landwirtschaft (88 Einträge)

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17.03.2010, 21.32 Uhr

Rinderhaltungskurs Achselschwang Tag 3

Tag 3

Wie bereits am gestrigen Tag klingelte der Wecker auch heute um 5 Uhr, denn um 5.30 Uhr war für alle Treffpunkt in Arbeitskleidung am Stall. Nachdem ich gestern zusammen mit anderen Mitstudenten im Doppel 8er Fischgräten Melkstand bei Frau Köhler die ersten Melkerfahrungen gemacht hatte, war ich heute Morgen im AutoTandem von Westfalia Surge mit 6 Melkplätzen eingeteilt. Die Kühe stehen hier nicht schräg nebeneinander, sondern direkt hintereinander in einer Reihe. Jede Melkbox hat zwei hydraulisch gesteuerte Tore durch die jedes Tier die Box unabhängig von den restlichen Tieren betreten und verlassen kann. Ein weiteres hydraulisches Tor am Eingang des Melkstandes sorgt dafür, dass jeweils nur ein Tier den Melkstand betreten kann. In der Bodenplatte des Eingangs befindet sich ein Empfänger, der die Tiere anhand des Fuß-Rescounters, einem Transponder am Schienbein der Kühe, erkennt und dadurch das Eingangstor steuert und zudem dem Melker eine Vielzahl an Informationen über das Tier am Melkplatz anzeigt. Die gleiche Technik regelt auch die Melkgänge im Doppel 8er Fischgräten Melkstand und letztendlich das gesamte Herdenmanagement in Achselschwang, das wir am Freitag noch kennen lernen sollen.

Zu Anfang des Melkens erklärte uns Herr Müller den Ablauf eines Milchzelltest, den wir selber auch durchführen durften und welcher der Melkperson rasch Auskunft über die Eutergesundheit der laktierenden Kuh gibt. Hierzu wird nach dem Vormelken, Reinigen und Desinfizieren des Euters aus jeden Viertel etwas Milch in die Schalen der Testplatte gemolken. Überschüssige Milch wird abgegossen und jede Schale mit der gleichen Menge an Testflüssigkeit aufgefüllt. Nach kurzem Mischen kann durch unterschiedliche Schlierenbildung oder Farbveränderung ein erhöhter Zellgehalt festgestellt werden.

Nach dem Frühstück ging Frau Köhler mit uns näher auf den Bau- und die Arbeitsweise der Melktechnik ein und erklärte uns anhand von schematischen Abbildungen und eines Modells die einzelnen Bauteile.

Im Anschluss trafen wir uns mit Herrn Schwaiger, der für das Herdenmanagement auf den drei Standorten Achselschwang, Hübschenried/Engenried und Westerschondorf zuständig ist und seit knapp 25 Jahren auf dem Betrieb am Ammersee ist. Er ging mit uns näher auf die Tierhaltung und den Kuhkomfort in dem im Jahr 2004 neu gebauten Außenklimastall ein. In den USA wurde in den 70er Jahren die Bedeutung des Kuhkomforts entdeckt. Die Grundüberlegung ist hierbei, dass die Tagesmilchmenge merklich ansteigt, wenn den Kühen ein Umfeld geboten wird, das ihren Bedürfnissen entspricht. Gründe hierfür sind eine Verbesserung der Tiergesundheit und die Optimierung der Leistung, was sich in einer verbesserten Futteraufnahme und einer daraus folgenden höheren Milchmenge sowie einem schnelleren Wachstum und einer besseren Fruchtbarkeit äußert.

In dem Außenklimastall ging Schwaiger auf die drei grundlegenden Problematiken A (Air-Luft), B (Bunk, Fressplatzmanagement) und C (Comfort, Liegebereich, Laufgänge) ein. Zunächst einmal gibt uns Schwaiger zu bedenken, dass Kühe „Polartiere“ sind, die ihr Leistungsoptimum rund um den Gefrierpunkt haben und auch bei Temperaturen von bis zu -30 Grad keine Leistungseinbussen zu verzeichnen sind, solange genügend hochwertiges Futter jederzeit erreichbar ist. Bereits im ersten Winter im Januar 2005 hat man dieses Phänomen auch in Achselschwang erkennen können, denn selbst bei einer Temperatur von -28,5 Grad ging es den Tieren sichtlich wohl. Gerade im Sommer muss man darauf achten, dass die Tiere möglichst wenig unter dem Hitzestress leiden müssen. Hierzu hat man in Achselschwang mit 13 Tränken für die bis zu 180 Tiere, 3 Großraum-Ventilatoren, die rasch die gesamte Stallluft umwälzen sowie einer Sprinkleranlage über den Gängen, die im Sommer für ein wenig Abkühlung sorgt, einige Möglichkeiten realisiert. Im Bereich des Fressplatzmanagement wird in Achselschwang mit breiten Laufgängen, einem glatten Fresstisch und dem Verzicht auf ein Fressgitter den Kühen ein gutes Umfeld geschaffen. Zudem werden Futterreste regelmäßig entfernt und an das Jungvieh verfüttert. Auf den Liegebereich muss besonderes Augenmerk gerichtet werden, dass Kühe täglich 12 bis 14 Stunden liegend verbringen und während dieser Zeit das Euter bis zu 25 Prozent stärker durchblutet wird. In Achselschwang setzt man auf Tiefboxen mit Kalk-Stroh-Matratzen, die momentan ausnahmslos von allen Tieren angenommen und täglich hergerichtet werden. Zudem sind die Oberflächen der Laufflächen vor den Futtergängen aus Gummi und werden mehrfach täglich automatisch von einer Pendel-Klappschieber-Entmistung sauber gehalten.

Nach dem Mittagessen erklärte uns Herr Schwaiger an zwei Kühen mit Klauenproblemen die Grundlagen der funktionellen Klauenpflege. Mit über 20 Jahren Erfahrung im Bereich der Klauenpflege ist Schwaiger in Achselschwang für die Klauenpflege zuständig und gibt regelmäßig Klauenpflegekurse.

Abends stand für mich erneut das Melken im AutoTandem Melkstand auf dem Plan und somit ging bereits der dritte Tag des Tierhaltungskurses in Achselschwang zu Ende.

Zum Fotoalbum mit weiteren Bildern.

Die Berichte zu Tag 1 und Tag 2 findet ihr ebenfalls mit vielen weiteren Bildern bei landlive.

Text: Jörn Gläser
Fotos: Jörn Gläser
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Agrarsani

Agrarsani

Alter: 31 Jahre,
aus Wedemark
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Schlagwörter

achselschwang, agrarsani, jörn gläser, klauenpflege, milchviehhaltung, rinderhaltung, tierhaltung

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