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Agrarsanis Landwirtschafts-Blo...

Spannende Themen aus der Landwirtschaft (88 Einträge)

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1173 mal angesehen
26.04.2010, 20.37 Uhr

Explosive Mischung – Biogasanlage in ehemaligem Munitionslager

Nachdem wir uns in den letzten zwei Stunden den neuen Xerion des Lohnunternehmens Busche sowie einen Fendt Vario bei der Maisackerbereitung angesehen haben (siehe [www.landlive.de] und einiges über Technik und Pflanzenbau erfahren haben, passieren wir nun das massive Eingangstor zu einem eingezäunten Waldstück. Von einem landwirtschaftlichen Betriebsgelände geschweige denn einer Biogasanlage ist jedoch nichts zu erahnen. Über eine breit angelegte Teerstraße erreichen wir nach 500 Metern eine Art Lagerplatz. Auf diesem Platz werden in Foliensilagebahnen viele Tonnen Mais gelagert. Wir folgen der Straße weiter bergaufwärts und passieren nun linker Hand alte Bunkeranlagen, welche als Maschinenunterstand genutzt werden. Nach weiteren 40 Metern erreichen wir eine dritte Etage mit weiteren vier Bunkern. Näheres über die Funktion dieser Etage sollten wir später erfahren. Wir fahren weiter zu Etage 4 und parken vor einem zum Büro ausgebauten Bunkerraum. Kaum aus dem Auto ausgestiegen müssen wir zunächst eine Schrecksekunde wegstecken. Schnellen Schrittes nähert sich grunzend ein Wildschwein. Die Attacke scheint jedoch friedlicher Natur zu sein, denn aus dem Büro hören wir jemanden „Borsti, Borsti“, rufen.

Wir lernen Herrn Gröling kennen. Er ist einer von drei Zuständigen für die Überwachung der Anlage. Gerne nimmt er sich Zeit, uns die Anlage zu zeigen. Wir beginnen im Kontrollraum. Wie bei jeder anderen Biogasanlage (BGA) befindet sich hier neben einigen schrankgroßen Sicherungskästen ein zentraler Leitrechner, über den alle Stationen und Bauteile der Anlage überwacht und justiert werden. Durch massive Eisentüren geht es zum Motorenraum, in dem ein 12-Zylinder Jenbacher Gasmotor arbeitet. Nur mit Gehörschutz war uns das Betreten des Motorraums, in dem das 525 KW Aggregat seine Arbeit verrichtet, möglich. Weiter gieht es zur Beschickungsanlage der BGA. Herr Gröling zeigt uns zunächst eine Mühle, die den Mais und Grünroggen vor der Zuführung zum Fermenter zerkleinert. Seiner Meinung nach kann so die Leistung der BGA um bis zu 10 % gesteigert werden. Zusätzlich wird auch das Rührwerk entlastet. Wir verlassen das Gebäude und begeben uns über eine Treppe auf die 5. Ebene des Areals. Mit einem Radlader wahlweise auch mit einem Dumper werden auf dieser Ebene zwei, in den Boden eingelassene, großvolumige Behälter beschickt. Der größere fasst 75 m³ und wird täglich mit 20 Tonnen Mais sowie Grünroggen beschickt. Der kleinere wird nur für die gelegentliche Beschickung von vorhandenem Getreide oder anderen Substraten genutzt. Da auf dem Betrieb keine eigene Gülle anfällt liefert das Lohnunternehmen Busche täglich durchschnittlich 20 m³ von Betrieben aus der Region an.

Uns interessiert, wofür die Abwärme der Anlage in dieser entlegenen Gegend genutzt wird. Herr Gröling deutet auf massive Bunkerräume, die sich auch auf dieser Etage befinden, hin. Zwei dieser Räume sind mit einer Bodenlüftung nachgerüstet und dienen nun als Trocknungsanlage. Einer der beiden Räume wird zurzeit für die Trocknung von Hackschnitzeln genutzt. Diese Schnitzel werden mit einem Feuchtigkeitsgehalt von 50 % aus der Nähe von Einbeck angeliefert und verlassen die Trocknung nach einer Woche mit nur noch 10 % Feuchtigkeit. In einem zweiten Silo werden zur Zeit Gärreste der Anlage getrocknet, die auf bis zu zwei Metern Höhe im Raum aufgehäuft sind. Zentral zwischen beiden Räumen ist ein etwa ein Meter breiter Gang angelegt, von dem aus der Warmluftstrom mechanisch auf die über 400 m² Trocknungsfläche verteilt wird. Wir verlassen das stickig-warme Klima der Trocknung und Görling zeigt uns den unterirdischen Kanal, über den die Gülle in die Endlager in der dritten Bunkerebene hügelabwärts geführt wird. Die vier Bunkerräume wurden beim Bau der Anlage versiegelt und bieten nun jeweils Platz für 1.000 m³ Gülle. Auf dem Rückweg in Richtung Büroraum erfahren wir von den Umbaumaßnahmen des ehemaligen Militärareals, welche 2006 stattgefunden haben. Die einen halben Meter breiten Wände wurden damals mit einer Seilsäge bearbeitet.

Im Büro hat es sich das Wildschwein auf dem Sofa bereits bequem gemacht. Von Herrn Görling erfahren wir, dass die Bunker von den Engländern von 1976 bis 1993 als Munitionslager genutzt wurden. Das Areal umfasst ca. 15 Hektar und wurde nach der Nutzung an seine ehemaligen Besitzer zurückgegeben. In diesem Moment unterbricht ihn sein Telefon. Die BGA meldet mit einer Computerstimme eine unbedingt zu behebenden Störung. Auf dem Computer ist am Schnittbild die Störung schnell ausgemacht. Ein Abschnitt der bereits beschriebenen Mühle schien verstopft. Wir folgen Herrn Görling, mit Werkzeug „bewaffnet“, zur Mühle. Er ahnt bereits wo der Fehler steckt und hatte schnell die Schrauben eines Abdeckblechs gelöst. Mit einer Kelle löst er die Verstopfung, wobei er natürlich vorher die Sicherung herausnimmt. Nachdem das Blech wieder angeschraubt ist, begeben wir uns zurück zum Zentralrechner und nehmen die Mühle wieder in Betrieb. „Störungen dieser Art treten eher selten auf, oft leider nachts“, erzählt Herr Göring. „Interessant wird es aber erst, wenn nachts die Zentralsicherung, aufgrund einer Störung, von der Anlage selbst gezogen wird und es kein Licht in den Räumlichkeiten gibt“, berichtet er weiter. Die Betreuung der Anlage teilt er sich mit 2 weiteren Kollegen, die auch in der Landwirtschaft des Betriebs eingesetzt werden. Heute steht, wenn nichts mehr dazwischen kommt, vor dem Feierabend nur noch der Wechsel einer Zündkerze des Jenbacher Motors an. Ein Satz aus 12 Kerzen kostet übrigens rund 5.000 Euro.

Für uns ist es Zeit wieder aufzubrechen und wir verabschieden uns von Herrn Görling und Borsti dem Wildschwein, das provokant vor unserem Auto in der Sonne sitzt.

Vielen Dank an Herrn Görling und seine Kollegen!

Zum passenden Fotoalbum!

Schlagkraft im Frühjahr

Text: Jörn und Tammo Gläser
Bilder: Jörn Gläser

Mehr Landtechnik? landtechnikvideos.de!

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Agrarsani

Agrarsani

Alter: 32 Jahre,
aus Wedemark
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Schlagwörter

agrarsani, biogas, biogasanlage, busche, landtechnik, landwirtschaft, lohnunternehmer, tammo gläser

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Kommentare

28.04.2010 09:42 1000er
In welchem Ort steht die Anlage?
29.04.2010 10:16 Agrarsani
1000er schrieb:
In welchem Ort steht die Anlage?

Nördlich von Bad Nenndorf in Niedersachsen
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