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Agrarsanis Landwirtschafts-Blo...

Spannende Themen aus der Landwirtschaft (88 Einträge)

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07.05.2010, 22.27 Uhr

300 PS auf Raupenbändern: CAT Challenger mit achtreihiger Dammfräse

Text: Sascha Jussen

Vorbereitungen für Saatkartoffelanbau auf dem niederländischen Noordoostpolder

Nachdem ich in der Frühlingssaison 2009 das Nachbarland Belgien unsicher gemacht hatte, wollte ich in diesem Jahr einmal die Frühjahrsbestellung in den Niederlanden erleben. Bislang kannte ich unser nordwestliches Nachbarland aus landwirtschaftlicher Sicht nur als Mais- und Wiesenlandschaft mit riesigen Viehställen; das Ganze untermalt von strengem Güllegeruch. Meine Recherchen zeigten aber, dass auf den niederländischen Poldern (von Menschenhand gewonnenes Neuland aus dem Meer) das zu finden sein müsste, was mich am meisten interessiert: der Anbau von Zuckerrüben, Kartoffeln, Möhren und Zwiebeln. Und tatsächlich, als ich nach rund 2-stündiger Fahrt am 11. April das Noordoostpolder erreichte, änderte sich das Bild schlagartig: Statt Weiden und Kühen riesige braune Erdflächen, die meisten davon gepflügt, aber noch nicht für die neue Saison bestellt. Und schon nach wenigen Kilometern erweckt ein ockergelbes Fahrzeug auf einem der Felder meine Aufmerksamkeit: "mein" erster CAT Challenger Raupentraktor. Für mich ist klar, das wird mein erstes Fotoshooting dieses Tages.

Als ich beim Raupenschlepper ankomme, sind der Fahrer und ein Mitarbeiter bei Reparaturen beschäftigt: ein Schlauch des Düngemittelapplikators, der auf der an dem Traktor angebauten Dammfräse montiert ist, muss ausgetauscht werden. Bevor mich die freundlichen Niederländer zu einer Mitfahrt einladen, erlebe ich zum ersten Mal, wie sich 300 PS auf Raupenbändern in Bewegung setzen. Dabei erstaunt mich vor allem die Wendigkeit des Traktors am Vorgewende - sogar mit der angebauten 8-reihigen Dammfräse wendet die CAT Challenger MT765B fast auf der Stelle. Das Anbaugerät des niederländischen Herstellers Baselier passt zu den Dimensionen des Schleppers. Auf einer Arbeitsbreite von 6 Metern wird der nach dem Pflügen unbearbeitete Boden gefräst und zu acht jeweils ca. 70 cm breiten Dämmen geformt. Der aufgebaute Präzisionsdüngerstreuer legt Düngemittelgranulat (NPK - Stickstoff, Phosphor, Kalium) exakt in der Mitte der Dämme ab. Das 2.700 kg schwere Gerät braucht nach Herstellerangaben "nur" 175 PS, um mit rund 400 Umdrehungen pro Minuten die Schollen zu pulverisieren. Trotzdem dröhnt die Challenger hochtourig bei der Bearbeitung des ausgetrockneten Sand-Lehmbodens. Als Gegengewicht zur Dammfräse ist vorne ein in diesem Fall nicht funktionaler, mit Wasser gefüllter Spritzmitteltank angebaut. Beim Mitfahren erlebe ich die automatische Kurssteuerung des Traktors. Einmal ausgerichtet, hält der Schlepper zentimetergenau die Spur. Das Ergebnis: Dämme so gerade, als seien sie mit dem Lineal gezogen worden.

Wozu das Ganze, wozu Dämme formen, bevor etwas gesät oder gepflanzt wird? Fahrer Martin Bosscher gibt mir die Antwort: Hier werden Saatkartoffeln angebaut, also die Kartoffeln, die auf unseren Feldern in Deutschland im nächsten Frühling zum Pflanzen genutzt werden. Die Anbauvoraussetzungen für Saatkartoffeln sind wesentlich anspruchsvoller als beim normalen Kartoffelanbau für Endverbraucher oder Industriezwecke: Bei Kartoffeln zur Vermehrung kommt es vor allem darauf an, dass sie frei von Infektionen sind und bleiben. Daher müssen auch kleine Beschädigungen an der Kartoffel vermieden werden, wie sie z.B. bei der Berührung mit Kluten (harte Brocken) im Erdreich auftreten. Der Boden wird mit dem "Baselier" daher fast zu Pulver zermahlen, die Kartoffeln in die entsprechend weichen Dämme gelegt. Beim Pflanzen werden die Dämme noch ein letztes Mal nachgeformt und werden dann bis zur Ernte nicht mehr mechanisch berührt. Durch den doppelten Dammaufbau vor und unmittelbar nach dem Pflanzen sind die Dämme besonders dicht und stabil und reduzieren so abermals die Wahrscheinlichkeit, dass Krankheitserreger an die wertvollen Knollen gelangen.

Und warum kommen unsere Saatkartoffeln zumeist aus Holland und nicht von eigenen Feldern? Durch die Bodenart in den nördlichen Niederlanden, einer Mischung aus Sandboden und leichtem Lehm, ist das Gebiet sehr geeignet für den Anbau von Saatkartoffeln. Vor allem die Feuchtigkeitsspeicherung dieser Bodenart ist ausgezeichnet. Durch die Nähe der Wattensee und der Nordsee herrscht ein gemäßigtes Klima: keine großen Temperaturschwankungen und eine günstige Niederschlagsmenge (ungefähr 750-800 mm pro Jahr). Zudem erschwert der mäßigende Temperatureinfluss der Wattensee und der Nordsee die Entwicklung von Läusen, die Krankheiten übertragen.

Und noch ein Vorteil des Dammaufbaus vor dem Pflanzen: "Die Pflanzmaschine kann beim Kartoffellegen wesentlich schneller fahren", erklärt Martin Bosscher. Der 30-jährige Agrartechniker arbeitet bereits seit 10 Jahren beim Lohnunternehmen und nun bereits im sechsten Jahr auf der 2005 angeschafften CAT Challenger. Das Unternehmen sei sehr zufrieden mit der Raupe, so Bosscher. Allerdings sei die Wartung der Raupenbänder bzw. des entsprechenden Antriebsapparats sehr aufwändig. Trotzdem habe sich der Raupenschlepper schon mehrfach bezahlt gemacht. Die Landwirte, denen eine möglichst geringe Bodenverdichtung, eine dafür etwas teurere Bodenbestellung wichtig ist - und das sind hier auf dem Noordoostpolder fast alle - wollen "die Raupe", wenn sie verfügbar ist. Daher hat das Unternehmen schon einen weiteren Raupenschlepper bestellt: Ab Herbst dieses Jahr wird der 430 PS starke MT845 der neuen C-Reihe von Challenger dem MT765B auf dem Polder Gesellschaft leisten.

Vielen Dank an den Agrarisch Loonbedrijf VOS aus dem Ort Bant bei Emmeloord!

Weitere Bilder vom Raupenschlepper gibts im Album.

Text: Sascha Jussen
Bilder: Sascha Jussen

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Agrarsani

Agrarsani

Alter: 32 Jahre,
aus Wedemark

Schlagwörter

agco, agrarsani, baselier, cat, challenger, dammfräse, jörn gläser, kartoffel, raupe, sascha jussen

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Kommentare

07.05.2010 22:40 pflugfurche1
Hallo. Bist du dir sicher das das 70er Dämme sind? Kenne 90er, 80er(skandinavische Länder), 75er(bei uns am weitesten verbreitet) aber 70? Würde mich wundern.
07.05.2010 22:42 Agrarsani
Danke für den Hinweis. Werde versuchen eine Antwort zu bekommen!
08.05.2010 18:55 RicharddeFlorennes
Ich hatte geschrieben "ca. 70 cm". Nachgemessen habe ich nicht. Es werden also wohl 75er sein. Sorry für die Ungenauigkeit
08.05.2010 19:22 Agrarsani
RicharddeFlorennes schrieb:
Ich hatte geschrieben "ca. 70 cm". Nachgemessen habe ich nicht. Es werden also wohl 75er sein. Sorry für die Ungenauigkeit

Danke dir Sascha für die Antwort. Gruß
09.05.2010 14:04 DaMadTrac2008
Sehr schöner Beitrag
09.05.2010 14:15 Agrarsani
DaMadTrac2008 schrieb:
Sehr schöner Beitrag

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