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Agrarsanis Landtechnik - Blog

Ständig neue Technik... (71 Einträge)

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1400 mal angesehen
06.06.2010, 14.00 Uhr

Fendt Geräteträger - Technik nach dem "Schau-Voraus-Prinzip"

Text: Sascha Jussen

„Geräteträger leisten durch ihre vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten in der Regel mehr Betriebsstunden pro Jahr und arbeiten daher betriebswirtschaftlich günstiger als herkömmliche Standardtraktoren" - so schreibt es Fendt in seinem Prospekt zur Geräteträgerreihe F345-F380GT aus dem Jahr 1985. Obwohl viele Landwirte dieser Aussage sicherlich auch heute noch zustimmen würden, hat Fendt selbst es sich inzwischen anders überlegt und sowohl die 1953 gestartete Produktion des Geräteträgers bis 2004 eingestellt. Dabei war das Konzept dieses so genannten "Freisicht-Traktors" genial: Durch eine kompaktere Anordnung der Antriebssektion bzw. - bei späteren Modellen - Verlegung des Motors unter die Kabine wurde nicht nur Platz für weitere Anbauräume geschaffen, sondern auch die Sicht auf Arbeitsgeräte, Boden und Pflanzen erheblich verbessert. Fendt betitelte dies damals mit dem "Schau-Voraus-Prinzip".
Der Geräteträger hat mich schon immer fasziniert und in den letzten drei Jahren habe ich für fast jedes Exemplar angehalten, das mir bei meinen Ackertouren zwischen Rhein und Maas begegnet ist. Hier ein kurzer Bericht über meine schönsten Sichtungen:

1. Kartoffeln häufeln
Ein wie neu aussehender Fendt F 380 GTA mit original Fendt-Frontlader und Pflegebereifung mit silberfarbenen Felgen begegnete mir im April 2010 beim Häufeln von Kartoffeln mit einem vierreihigen Häufelgerät von Grimme. Für solche Einsätze in Hackfrüchten, bei denen es auf absolute Präzision beim Fahren ankommt, ist der Geräteträger mit seiner guten Sicht seit jeher wie geschaffen. Bei diesem Geräteträger handelte es sich um ein Exemplar der letzten Baureihe, deren Kabinen- und Komfortstandard dem des berühmten Fendt Favorit 500C entsprach. Ein Deutz Vierzylindermotor mit Turbolader und einer Leistung von 80 PS macht diesen GT zu einem der leistungsstärksten der 1984 neu strukturierten Baureihe von Fendt. Bei diesem Exemplar aus dem Jahr 1998 kann allerdings der Zwischenachsanbauraum wegen des Allradantriebs und Frontladers nicht mehr genutzt werden, so dass als einziger, aber entscheidender Vorteil im Vergleich zum Standardtraktor die bessere Sicht nach vorne verbleibt.

2. Kartoffeln spritzen
Ebenfalls "gut in Schuss" ist auch im Mai 2010 noch ein F380 GT mit extra hohem Radstand und großen Vorderrädern für erhöhte Bodenfreiheit. Besonders beim Spritzen von Kartoffeln in späteren Wachstumsstadien erweist sich der größere Abstand zum Boden als vorteilhaft, da das Kartoffelkraut beim Überfahren nicht so sehr beschädigt wird wie bei Standard-Radausstattung. Beim Spritzen kommen ein eigens für die späteren Geräteträgermodelle konstruierter Spritzmitteltank von Rau auf dem vorderen Anbauraum und ein heckseitig montiertes 24-Meter-Spritzgestänge zum Einsatz. Auch beim Anroden von Rübenschlägen mit einem zweireihigen Köpfrodebunker von Stoll setzt der Besitzer gerne auf die große Pflegebereifung.

3. Rüben säen
Diese Einsatzart wird oft in den originalen Fendt Geräteträger-Prospekten der 80er-Jahre gezeigt. Die Verwendung des Zwischenachsraums für den Anbau eines zwölfreihigen Einzelkornsägeräts von Kleine (allerdings mit dem Firmenschriftzug von Fendt) erlebte ich selbst aber erstmals im April 2008 an einem F275 GTII bei Grevenbroich. Bei dieser Version fiel die Anordnung des Abgasrohrs auf, das dem hinteren linken Kotflügel entsprang. Wie mir der Landwirt, zugleich stolzer Besitzer eines Fendt 712, berichtete, erspart ihm der gute Blick auf Sämaschine und Boden eine Menge Nacken- und Rückenschmerzen. Mit hinterer Doppelzwillingsbereifung ausgestattet, ist der Bodendruck des „Oldtimers“ beim Säen wesentlich geringer als der seines jüngeren, aber schwereren Fendt-Bruders im Betrieb. Aus dem letzteren Grund verwendet auch ein weiterer Landwirt nur wenige Kilometer entfernt einen noch viel älteren Fendt Geräteträger, auch wenn hier statt des eigentlich praktischeren Zwischenachsraums die Heckhydraulik zum Anbau eines zwölfreihigen Sägeräts von Kleine zum Einsatz kommt.

4. Rüben spritzen
Ähnlich konfiguriert wie der oben beschriebene F380 GT war einF365 GT, der mir im Juni 2007 im wahrsten Sinne des Wortes über den Weg fuhr. Nach einigen Kilometern über Stock und Stein konnte ich das Gerät schließlich beim Rübenspritzen ablichten. Ein auf dem vorderen Anbauraum montierter Spritzmitteltank von Douven ergänzte hier eine normale Anbaufeldspritze mit 20-Meter-Gestänge. Da auf dem Schlag keine gesonderten Fahrgassen angelegt waren, kam Pflegebereifung zum Einsatz um ohne Beschädigung der Rüben zwischen den Reihen fahren zu können.

5. Rübenroden
Einen nicht näher bestimmbaren älteren Geräteträger mit original Fendt Front-Ladepritsche konnte ich im Oktober 2009 bei der Zuckerübenernte beobachten. Passend zum geschätzten Alter des Traktors (aus den 80er Jahren) war der gezogene, einreihige Kleine 5000 Köpfrodebunker. Da der Schlag bereits angerodet war, konnte statt der dünnen Pflegbereifung mit der bodenschonenderen Normalbereifung gefahren werden. Die Fahrerin, eine selbstständig arbeitende Landwirtin, liebt ihren Geräteträger über alles und würde ihn nach eigenen Worten für nichts in der Welt eintauschen. Besonders praktisch findet sie die Ladepritsche, auch wenn diese bei der Rübenernte im anhobenen Zustand gefahren werden muss, um besser auf die gerade zu erntende Reihe blicken zu können.

6. Kohl ernten
Kein echter Geräteträger, aber auch ein Systemtraktor von Fendt, der ebenfalls nicht mehr produziert wird, ist der Xylon. Das einzige Exemplar, das ich in der hiesigen Region im Feldeinsatz angetroffen habe ist ein blauer Xylon mit einer frontmontierten Kohl-Erntemaschine von Bacht. Dieser Traktor gehört einem auf Gemüseanbau spezialisierten Landwirt bei Neuss und stellt in dieser Konfiguration wohl ein Unikat dar. Die frisch gerodeten Kohlköpfe werden stets auf einen parallel fahrenden Anhänger überladen, der von einem Fendt 818 des gleichen Betriebs gezogen wird. Im Gegensatz zu den Nutzern originaler Geräteträger äußerte sich der Fahrer des Xylons etwas kritischer zu seinem Fahrzeug. Zu teuer, nicht wendig genug und zu pannenanfällig lautete das Urteil dieses Praktikers, der den Xylon trotzdem für den besten Traktor für die Kohlernte hält.

Fazit: Mit Ausnahe des Xylon-Fahrer äußerte sich nicht ein Landwirt, den ich getroffen habe, unzufrieden über seinen "Geräteträger". Auch heute gibt es noch entscheidende Arbeitschritte auf den Feldern, die auch bei großer Flächenleistung von Traktoren mit einer Motorleistung von unter 100 PS erledigt werden können: 12-reihige Einzelkornsämaschinen, Reihenhacken oder Feldspritzen mit 24-Meter-Gestänge zieht, schiebt und trägt ein 80 PS starker F380 GT von 1986 auch heute noch problemlos. Und dort wo früher ein 80 PS Motor Platz fand, würden dank moderner Kompaktbauweise heute auch doppelt so viele Pferdestärken hinpassen. Übrigens: Eine Produktstrategie kann auch geändert werden - viele Landwirte, besonders Anbauer von "Hackfrüchten", würden es Fendt danken.

Text: Sascha Jussen
Fotos: Sascha Jussen

Viele Fotos, die die vielseitigen Einsatzmöglichkeiten des Fendt Geräteträgers demonstrieren findet ihr im passenden Fotoalbum.

Weitere Beiträge von Agrarsani:

Fendt Favorit 515 C - "Einer für die Ewigkeit"


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Agrarsani

Agrarsani

Alter: 32 Jahre,
aus Wedemark

Schlagwörter

380 gta, agrarsani, fendt, geräteträger, gt, kartoffeln, oldtimer, pflanzenschutz, rüben, sascha jussen, xylon

Bitte gib die Schlagwörter mit Komma getrennt ein.

Kommentare

06.06.2010 15:24 fahrer380
Schöner Beitrag, besonders für mich als wohl größten GT-Fan
Allerdings ist ein kleiner Fehler im Absatz 1.
da der größte GT nicht der 380 Turbo war
06.06.2010 15:36 Agrarsani
fahrer380 schrieb:
Schöner Beitrag, besonders für mich als wohl größten GT-Fan
Allerdings ist ein kleiner Fehler im Absatz 1.
da der größte GT nicht der 380 Turbo war


schön das der größte GT-Fan den Beitrag so aufmerksam gelesen hat. Habe soeben nochmal nachgelesen und hoffentlich richtig nachgebessert.

Gruß
06.06.2010 15:40 fahrer380
Agrarsani schrieb:
Habe soeben nochmal nachgelesen und hoffentlich richtig nachgebessert.

Gruß


Naja, fast
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