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200 Jahre Wochenblatt

Neues aus dem Wochenblatt zum Jubiläum (25 Einträge)

BLW
88 mal angesehen
23.07.2010, 08.49 Uhr

Teller und Tank

Innerhalb eines Jahrzehnts hat sich die Anbaufläche von Energiepfanzen verzehnfacht, die Fläche für die stoffliche Nutzung ist hingegen bei 300 000
Hektar stehen geblieben. Wo liegen die Gründe?

Für das nova-Institut in Hürth liegt der Fall klar auf der Hand: Es haben staatliche Anreize die Entwicklung gesteuert und nicht das Marktspiel aus Angebot und Nachfrage. Dennoch halten die Forscher das Kapitel stoffliche Nutzung nicht für beendet. Im Gegenteil: In der Studie „Neubewertung der stofflichen Nutzung nachwachsender Rohstoffe“ haben sie deren Marktpotenzial untersucht und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass die stoffliche Nutzung der energetischen weit überlegen sei – vor allem bei einer sogenannten Kaskadennutzung.

Das heißt: Der Rohstoff wird über mehrere Stufen hinweg eingesetzt, bevor er dann sein „Lebensende“ durch eine energetische Verwertung erfährt oder durch Kompostierung der Stoffkreislauf sich schließt. Bei einer derartigen Konstellation sichern nachwachsende Rohstoffe, so das Institut, ein Mehrfaches an Arbeitsplätzen und erreichen ein Vielfaches an CO2-Einsparung pro Flächeneinheit gegenüber einer energetischen Verwertung. Und auch der Markt, so die Forscher, wäre nun bereit für den Rohstoff aus der Landwirtschaft. Vor allem die chemische Industrie und die Oleochemie sind auf der Suche nach Alternativen zu fossilen Ausgangsstoffen. Welche Produkte machbar sind, das hat das Kompetenzzentrum für nachwachsende Rohstoffe untersucht.
Zum Portfolio zählen unter anderem kompostierbare Becher und Teller aus Maisstärke.

Womit wir wieder bei der Politik angelangt wären. Der politisch geprägte Slogan „Teller oder Tank“ müsste unter diesem Gesichtspunkt eigentlich
„Teller und Tank“ heißen. Aber weg von dieser Haarspalterei, hin zu dem zentralen Inhalt, den der Slogan transportieren will – der vermeintlichen
oder tatsächlichen Flächenkonkurrenz zwischen Lebensmittel- und Nawaro-Produktion. Ein Blick in den Golf von Mexiko relativiert hier einiges,
denn auch fossile Biomasse steht in Konkurrenz zur Lebensmittelproduktion. Und das massiv! Was hier seit Monaten an Lebens- und Nahrungsraum
durch ausströmendes Öl verloren geht, reicht in seiner Bedeutung weit über eine Nawaro-Nutzung hinaus. Von mehr „nachwachsend“ und weniger
„fossil“ könnte damit auch die Nahrungsmittelsicherheit profitieren – zumindest, wenn man über den nationalen Tellerrand hinausschaut.


Ulrich Graf, Redaktion BLW
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