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Agrarsanis Landwirtschafts-Blo...

Spannende Themen aus der Landwirtschaft (88 Einträge)

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2260 mal angesehen
10.09.2010, 20.44 Uhr

Landwirtschaft in Russland Tag 1: Don Mähdrescher

Gleich den 2. Tagesbericht lesen...

Einige von euch werden sicherlich im letzten Jahr unsere Live-Berichterstattung aus Kanada verfolgt haben. In diesem Jahr berichtet Agrarsani fast live aus Russland.

Der bürokratische Aufwand für unsere Reise begann bereits vor einigen Wochen. Neben der Organisation der Reise, stellte auch die Beantragung des Visums einen nicht unerheblichen Aufwand dar. Aufgrund der Waldbrände, über die in den Medien ausreichend berichtet wurde, mussten wir den Start des Trips um fast zwei Wochen aufschieben. Gestern war es dann endlich soweit. Von Hannover aus ging es mit dem Flugzeug zum Flughafen Moskau/Vnukovo von dort aus mit dem Taxi in etwa 45 Minuten zum Moskauer Flughafen Domodedowo. Von hier aus flogen wir in 50 Minuten in einer 40-Sitzer Propellermaschine südlich weiter in das 500 Kilometer entfernte Voronezh. Vor Ort nahm die Bürokratie weiter ihren Lauf, Formulare mussten ausgefüllt werden und es wurde festgestellt wo wir untergebracht sind. Den Kontakt nach Russland haben wir über den Agrarberater Klaus John hergestellt. Näheres zu seiner Tätigkeit und seinen Aufgaben hier in Russland für eine gewaltige Agrarholding erfahrt in den nächsten Tagen. Nachdem wir den gestrigen Tag mit Anreise und Registrierung verbracht haben beginnt heute der erste Tag unserer landwirtschaftlichen Erkundungstour in Russland.

Früh morgens starten wir mit Klaus John und seinem Assistenten und Übersetzer Dima in Richtung Südosten. Ziel ist das 2,5 Stunden entfernte Dörfchen Elan. Die Agrarholding, für die Klaus John als Berater tätig ist bewirtschaftet an 68 Standorten insgesamt 400.000 Hektar und gehört zu den größten Russlands. Beschäftigt werden insgesamt 11.000 Mitarbeiter und auch 15 Zuckerrübenfabriken gehören mit zum Unternehmen. Wir begleiten Klaus John heute zu einem Beratungsgespräch bei einem leitenden Agronomen am Standort in Elan. Themen sind die laufende Weizenaussaat und der geplante Start der Rübenernte in der kommenden Woche.

Aus der 1,1 Millionen Einwohner Stadt Voronezh geht es über eine gut ausgebaute Autobahn 60 Kilometer in Richtung Süden. Von dort aus über mehr oder weniger gute Straßen ca. 80 Kilometer in Richtung Osten. Kurz vor Elan machen wir Halt an einem Rüben-Feldversuch. Klaus John zeigt uns die Auswirkungen unterschiedlicher Bodenbearbeitung, unterschiedlichen Saatgutes und unterschiedlichen Pflanzenschutzanwendungen. Problematisch war in diesem Jahr allerdings vor allem die enorme Hitze mit wochenlangen Temperaturen bis zu 40 Grad und wenigen Niederschlägen. Ein Großteil der Rüben ist auf diesem Schlag beispielsweise nicht viel größer als Karotten. Zahlreiche Pflanzen sind auch komplett verfault, was auch die spätere Lagerung vor der Rübenfabrik problematisch machen wird. Erstmals werden wir auch mit einigen Hektar verbrannter Waldfläche konfrontiert, die an den Rübenschlag angrenzen.

Weiter geht es zum Standort nach Elan. Die für unsere Verhältnisse relativ heruntergekommenen Bürogebäude befinden sich dabei etwa 3 Kilometer entfernt vom eigentlichen Landmaschinenstandort. Während Klaus John seinen Termin mit dem Agronomen wahrnimmt, schauen wir uns die Zuckerrübenfabrik mitten im Ort an. Bis auf einige neuer Lagerhallen und Silos ist das Fabrikgelände von Außen betrachtet schon recht in die Jahre gekommen. Rund um die Gebäude schützt eine 3 Meter hohe Wand und rund um die Uhr besetzte Wachtürme vor unerwünschtem Einblick und Betreten. Immer wieder finden wir um die Fabrik alte Bagger und Raupenschlepper aus längst vergangenen Zeiten. Nach etwa einer Stunde treffen wir uns wieder mit Klaus. Zunächst geht es zum Mittagessen in ein kleines Restaurant am Rand eines verlassenen Freizeitparks. Mit der Aussicht auf ein Burger-Essen am Abend griffen wir bei der russischen Küche lediglich mäßig bei den Beilagen zu.

Nach dem Essen stand zunächst die Begutachtung der laufenden Sonneblumenernte auf dem Plan. Auf dem Feld sind im Einsatz vier DON 1500B Mähdrescher, ein neuerer Rostselmash Mähdrescher und zahlreiche Kamaz Lastwagen für den Abtransport. Die DON Mähdrescher sieht man noch auf vielen Betrieben, dennoch ist an genaue Leistungsangaben nur schwierig heranzukommen. Die Maschine soll 5 Schüttler haben und wurde mit Schneidwerksbreiten bis zu 8 Meter angeboten. Interessant ist vor allem der Gitterkorb am Ende der Maschine, der zum Strohsammeln dient. Alle 100 Meter wurde so früher der Strohhaufen ausgeklingt, manchmal zusammengefahren aber oftmals auch an Ort und Stelle verbrannt. Der angesprochene neuere Mähdrescher vom Typ ACROS 560 des litauischen Herstellers Rostselmash hat 280 PS und einen 9 Kubikmeter Korntank.

Auch bei den Sonnenblumen hat das Ernteergebnis stark unter der Trockenheit gelitten. Nur knapp die Hälfte kann geerntet werden.

Nach einigen Foto- und Filmaufnahmen machen wir uns mit Klaus John weiter auf den Weg in Richtung zweier Drillmaschinen. Bei unserem Eintreffen stehen beide mechanischen 6 Meter Maschinen, da Saatgut fehlt. Einer der Arbeiter teilte uns mit, dass der Saatgut-LKW gleich ankommen soll. Nach einer knappen Stunde warten erschien ein kleiner LKW am Feldrand. Das geladene Saatgut ist durch Spelzenreste und anderes Beiwerk stark verunreinigt. Mit Blecheimern beginnen zwei Arbeiter das Saatgut und den Dünger in die Drillmaschinen umzuladen.

Endlich kann es weitergehen. Im Formationsflug begeben sich die beiden Belarus MTS Traktoren wieder auf den 60 Hektar Schlag. Klaus John kontrolliert die Ablagetiefe des Saatgutes. Aufgrund der extrem geringen Niederschläge war vereinbart worden die Weizensaat auf maximal 3 cm Tiefe abzulegen, wo die Keimlinge noch die einzige Möglichkeit haben das Wasser der wenigen Regenschauer zu erreichen. Die Körner kommen jedoch erst bei 8-10 cm zum Vorschein. In diesem Moment nähert sich ein Lada Geländewagen dem Acker. Der für die Aussaat zuständige Agronom schaut nach dem Rechten. Klaus John klärt ihn über das Problem der tiefen Ablage auf und rät ihm die Maschinen neu zu justieren. Er scheint mit der Empfehlung einverstanden, fraglich ist jedoch ob die Maschinen nun wirklich neu eingestellt werden. Grund dafür ist wahrscheinlich die fehlende Autorisierung des Agronomen, da in der Betriebshierarchie noch zwei weitere Verantwortliche mit eigenen Ansichten über ihm stehen.

Mit einigen Eindrücken der alten russischen Landtechnik beenden wir unseren ersten Tag. Am späten Nachmittag fahren wir zurück nach Voronezh. Auf unserer Fahrt sehen wir in der Ferne einen scheinbar gerade ausgebrochenen Waldbrand, zu dem die Feuerwehr bereits unterwegs ist.

Bei deutschem Bier und amerikanischen Burgern lassen wir den Abend gemütlich ausklingen. Wir werden versuchen auch in den nächsten Tagen fast live aus Russland zu berichten, sind uns aber nicht sicher ob wir überall auf das Internet zugreifen können.

Einige weitere Fotos zu diesem Bericht findet ihr auf landtechnikvideos.de und hier auf landlive. Wenn euch der Bericht und die Fotos gefallen, vergesst nicht sie zu kommentieren und zu bewerten.

Gleich den 2. Tagesbericht lesen...

Text: Jörn und Tammo Gläser
Bilder: Jörn Gläser
offline

Geschrieben von

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Agrarsani

Agrarsani

Alter: 32 Jahre,
aus Wedemark
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Schlagwörter

agrarsani, landtechnik, russland

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Kommentare

10.09.2010 21:37 farmer1z
Hochinteressant, ist ja richtig abenteuerlich.
Bin gespannt, was ihr noch berichten werdet.
12.09.2010 12:04 Philipp20
Klasse.
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