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Agrarsanis Landwirtschafts-Blo...

Spannende Themen aus der Landwirtschaft (88 Einträge)

Russland_08_01 Kirovets K744 Russland_08_02 Endlose Straße Russland_08_03 Ländliche Ort
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22.09.2010, 16.35 Uhr

Landwirtschaft in Russland: Wer nur Moskau kennt ist in Russland nicht gewesen!

Lest auch die anderen Tagesberichte: Tag 1, Tag 2, Tag 3, Tag 4, Tag 5, Tag 6 und Tag 7.

Zwei Wochen landwirtschaftlich geprägter Reise durch einen kleinen Teil Russlands sind für uns seit letztem Samstag beendet. Untergebracht waren wir die meiste Zeit in der 1,1 Millionen Stadt Voronezh, 500 Kilometer südlich von Moskau. Von hier aus haben wir fast alle unsere Tagesreisen gestartet. Über den Agrarberater Klaus John haben wir den Kontakt zu vier großen Agrarkonzernen in Russland aufgebaut. Alle vier zusammen, mit ihren unzähligen Agrarbetrieben, bewirtschaften eine Fläche von mehr als 1,1 Millionen Hektar, plus eine unbekannte Hektarzahl, über die keiner so genau bescheid weiß. Zum Vergleich: Die landwirtschaftlich genutzte Fläche Bayerns beträgt etwas mehr als 3 Millionen Hektar.

In allen Bereichen der Landwirtschaft ist der Staat darum bemüht durch Milliarden Subventionen die Produktion anzukurbeln. Dies wirkt sich auch auf die Fleischproduktion aus. Im vergangen Jahr stieg diese um 6,6 Prozent (620.000 Tonnen). Etwa 50 Prozent der Fleischproduktion kommen dennoch aber auch heute noch aus kleinen Hofwirtschaften der Bevölkerung mit ein bis zwei Tieren oder von privaten Landwirten.

Die Erträge, wie auch die Betriebsstrukturen, sind mit deutschen Betrieben fast nicht zu vergleichen. In vielen Regionen liegen beispielsweise die Weizenerträge bei 20 bis 30 Prozent gemessen an denen Deutschlands. Gewaltige Verwaltungsapparate mit Sitz im weit entfernten Moskau aber auch vielschichtige Hierarchieebenen auf den Betrieben selbst, machen die Umsetzung von notwendigen Entscheidungen schwierig. Auffällig ist vor allem, dass leitende Positionen verstärkt mit Mitarbeitern aus dem europäischen Ausland besetzt werden. Weiterhin werden gelernte und studierte Fachkräfte im Agrarbereich händeringend gesucht.

Die Probleme fangen bei vielen Betrieben häufig schon beim einfachen Traktoristen an. Mangelnde Motivation und fehlende Kenntnis über das Arbeitsgerät zum einen und das Entlohnungssystem der Arbeiter zum anderen, wirken sich unserer Meinung nach negativ auf die Arbeitsqualität aus. So wird beispielsweise bei der Bodenbearbeitung nach Hektar und Erntearbeiten nach Tonnen bezahlt. Der fehlende Blick für das Arbeitsgerät und die Arbeitsqualität sind so vorprogrammiert. Einfache Farmarbeiter können auf Monatsgehälter von bis zu 15.000 Rubel (375 Euro) in der straffen Erntesaison kommen. Vollkommen normal sind allerdings bis zu vier Monate Lohnzahlungsrückstand der Arbeitgeber und Minimalentlohnung in den Wintermonaten. Wegen fehlender Maschinenhallen und Werkstätten können Reparaturen und Wartungen der unzähligen Maschinen nicht während der kalten Wintermonate unter freiem Himmel durchgeführt werden und verschlechtern so zusätzlich die Arbeitssituation im Winter.

In den vorangegangenen Tagesberichten unseres Russlandsaufenthalts haben wir beschrieben wie wir die Landwirtschaft in Russland erlebt haben. In diesem abschließenden Bericht möchten wir nun darüber hinaus auf das russische Leben in der Stadt Voronezh aber auch im Umland eingehen.

Russlands Landleben
Erst wenn wir Voronezh etwa zwei Autostunden hinter uns gelassen haben, durchfuhren wir Dörfer in denen die Zeit scheinbar stehen geblieben ist. Auch die flächendeckende Gasversorgung, erkennbar an oberirdischen, gelben Rohrleitungen, hat viele Haushalte auf dem Land noch nicht erreicht.

Russlands Menschen
Die Unter- und Oberschicht leben in Voronezh häufig in enger Nachbarschaft. Vor allem die Entlohnung qualifizierter Arbeitskräfte scheint nach unseren Eindrücken ein Problem. Lehrer, die mit einem Monatsgehalt von weit unter 500 Euro auskommen müssen und Verkehrspolizisten, die sich durch Korruption gewaltige Gehälter erwirtschaften, stehen sich hierbei gegenüber. Die Preise für Lebensmittel liegen im Vergleich zu Deutschland etwas niedriger. Autofahren ist im Verhältnis zu weiten Teilen Europas günstiger. Kraftstoff kostet im Vergleich zu Deutschland etwa halb so viel.

Russlands Polizei
Die Polizeipräsenz in der Stadt und rund um die Autobahnen ist auffällig stark. Auf dem Land ist jedoch nur noch sehr selten ein Streifenwagen anzutreffen. Einmal jedoch von der Verkehrspolizei angehalten, findet man sich schnell in willkürlichen Bußgeldverhandlungen verwickelt wieder. Diskutieren und verhandeln erlaubt!

Russlands Felder
200, 300 und 400 Hektar Schläge nebeneinander sind für viele Betriebe nichts Besonderes. Beeindruckend ist die teilweise traditionelle Technik mit der tausende Hektar bewirtschaftet werden. Oftmals werden hierfür die blau-weißen Belarus Traktoren, die wir beispielsweise im Formationsflug bei der Aussaat gesehen haben, eingesetzt. Die Schwarzerderegion Zentralrusslands, zählt zu den fruchtbarsten der Welt. Die Schwarzerde zeichnet sich durch ihre Leistungsfähigkeit und Stabilität aus, die zu einer guten Wasser- und Nährstoffverfügbarkeit führt. Um dem Bodenabtrag durch Erosion vorzubeugen, wurden in den letzten Jahrzehnten Bäume und Hecken um viele Schläge angepflanzt.

Russlands Straßen
Während unseres Aufenthalts in Russland sind wir etwa 2.000 Kilometer im Auto unterwegs gewesen. Ob in der Stadt oder auf dem Land, die Qualität des Straßennetzes lässt zu wünschen übrig. Dennoch tut sich einiges. Zu den Olympischen Winterspielen 2014 in der russischen Stadt Sotschi am Schwarzen Meer, soll die Autobahnverbindung von Moskau dorthin komplett ausgebaut sein.

Russlands Autos
Autos und Lastwagen auf Russlands Straßen sind noch sehr traditionell geprägt. Ladas und Kamaz Lastwagen in allen Formen, Farben und Altersklassen prägen den russischen Straßenverkehr. Neureiche in den Städten greifen gerne bei deutschen Autos der gehobenen Fahrzeugklassen zu.

Russlands Sprachen
Die Sprache stellte für uns das grundlegende Problem während des Aufenthaltes dar. Ohne Russisch in Russland ist aus unserer Sicht nahezu unmöglich. Englischsprachige Russen findet man leider im Alltag zu selten. Dennoch, Fremdsprachen sind an vielen Schulen und Universitäten sehr beliebt. Deutsch, Englisch und Französisch lernen heutzutage viele als Zweit- und Drittsprache. Der Studentenaustausch, wie beispielsweise zwischen der Agraruniversität Voronezh und der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, wird gerne wahrgenommen.

Russlands Wetter
Heiße Sommer und kalte Winter sind charakteristisch für das Klima in Russland. In vielen Gegenden, in denen wir zwar bei bestem Wetter aber frühlingshaften Temperaturen unterwegs waren, herrschten 10 Tage zuvor noch Extremtemperaturen von bis zu 40 Grad. -40 Grad im Winter am selben Ort sind fast unvorstellbar.

Russlands Essen
In der Stadt bestehen internationale Restaurants neben Lokalen mit russischer Küche. Interessant in der russischen Gastronomie ist die stets zeitlich versetzte Servierung der georderten Gerichte. Die Reihenfolge Pommes – Salat – Bier – Ketchup – Burger, auf 15 Minuten verteilt, gehörte da noch zu den organisiertesten Abfolgen. Nichts besonders ist auch, wenn bei einer Gruppe aus vier Personen der ersten schon seit 10 Minuten isst, bevor der letzte beginnen kann. In Voronezh haben sich in den letzten Jahren drei McDonalds Restaurants etabliert, typisch für den westlichen Einfluss. Auf dem Land sieht es da anders aus. Verschiedene schmackhafte Suppen, frische Salate, Buchweizen in Kombination mit Fleisch, Brot und Tee, so haben wir die Mahlzeiten in den Speiseräumen der Agrarbetriebe kennengelernt. Zwar geht es bei der Zubereitung häufig ländlich-rustikal zu, aber auf dem Land haben wir uns über die Gastfreundschaft stets gefreut.

Text: Tammo und Jörn Gläser
Bilder: Jörn Gläser

Wir hoffen, dass wir euch mit unseren Berichten einen kleinen Eindruck von der Landwirtschaft in Russland vermitteln konnten.

Wenn euch unsere Berichte gefallen haben, schaut doch auch einmal in unsere anderen landwirtschaftlichen Auslandsberichte:

Landwirtschaft in Mexiko - Wo kommt der Tequila her?


Hobby-Bauer im Urlaubsparadies Gran Canaria

Landwirtschaft in Kanada, Tag 1 von 13:
Kanada Tag 1 – Eine Farm und 10.000 Rinder

Anfang nächsten Jahres wird voraussichtlich die Video-DVD mit allen Eindrücken und der kompletten dokumentierten Landtechnik vorgestellt. Bis dahin hat die Presseagentur afp über die Landwirtschaft in Russland zwei interessante Interviews publiziert:

[www.youtube.com]
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Agrarsani

Agrarsani

Alter: 32 Jahre,
aus Wedemark

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agrarsani, john deere, kirovets, lada, landtechnik, mcdonalds, traktoren, voronezh, woronesch

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