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Agrarsanis Landwirtschafts-Blo...

Spannende Themen aus der Landwirtschaft (88 Einträge)

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25.09.2010, 22.26 Uhr

Nichts für Erbsenzähler: Ernte von Frischerbsen in Belgien

Text von Sascha Jussen

Mit "Hesbaye Frost" auf Tour in Sachen Gemüse

In meinen letzten drei Gast-Beiträgen in Agrarsanis Landwirtschaftsblog hatte ich von Stationen meiner Reise durch Belgien und England berichtet. Die Rückreise nach Deutschland führte mich noch einmal nach Belgien, genauer gesagt in die landwirtschaftlich besonders vielfältige Region Hennegau (franz. "Hesbaye"; vgl. auch den Blog "John Deere im Schleudergang"). Auf der Hinreise hatte mir ein belgischer Landwirt den Tipp gegeben, dass die Erbsenernte in der Region in vollem Gange sei und ich bei der Verarbeitungsfabrik in Geer nachfragen könne, wo gerade geerntet wird. Diesmal nutze ich die Gelegenheit und machte den kurzen Abstecher von Autobahn E42 zu der Verarbeitungsfabrik von "Hesbaye Frost", einem der größten europäischen Betriebe für Tiefkühl- und Konservengemüse. Gleich hinter den weit geöffneten Werkstoren sah ich bereits mehrere Lastwagen mit Hakenliftmulden, die ganze Tonnen von feucht glänzenden Erbsen in spezielle Entladebuchten kippten. Einen der Fahrer fragte ich, wo die Erbsen geerntet wurden und da sich die Wegbeschreibung als zu kompliziert erwies, lud er mich ein, ihm zu folgen.

Nach rund 20 km durch ein Labyrinth glatt betonierter Feldwege erreichten wir ein Feld, auf dem nicht ein oder zwei, sondern gleich sieben rote Erbsenernter die letzten bewachsenen Beete abpflückten. Bei den Maschinen handelte es sich um insgesamt fünf ältere Ernter des englischen Herstellers FMC (Fakenham Machinery Company, heute im Besitz von Ploeger als PMC bekannt) aus den frühen 1990er Jahren sowie zwei fast baugleiche Maschinen des französischen Herstellers BMCH Tech (heute im Besitz von PMC). Da dieses Feld schon wenige Minuten nach meinem Eintreffen komplett abgeerntet war, freute ich mich sehr, dass die Maschinen sofort danach auf die andere Seite des Feldweges wechselten und dort weitermachten. Während drei der rund 200 PS starken Maschinen mit einer Arbeitsbreite von je drei Metern das Vorgewende frei arbeiteten, begannen die übrigen Maschinen paarweise mit der Anlage von freien Bahnen. Auf diesen drehte schon bald ein John Deere 7930 mit Hakenliftmulde auf bodenschonendem Raupenfahrwerk seine Runden. Zur gleichen Zeit lieferten Lastwagen weitere leere Mulden an und holten die mit Erbsen gefüllten Mulden wieder ab.

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Im Unterschied zu Trockenerbsen, die mit einem normalen Mähdrescher aus den Hülsen gedroschen werden können, braucht man für die weichen und sehr feuchten Frischerbsen besondere Maschinen. Mit einer Art rotierender Bürste werden neben Teilen der Erbsenpflanze selbst vor allem die Erbsenhülsen abgekämmt und mit einem Förderband ins Innere der Maschine gebracht. Dort rotieren auf fast gesamter Länge der Maschine relativ langsam vier Schlagtrommeln axial innerhalb einer weiteren Trommel, die fast den gesamten Durchmesser des hinteren Maschinenteils (ca. 2 Meter) einnimmt. In diesem von FMC in den 1970er Jahren eingeführten "revolving vining system" werden die Hülsen schonend aufgebrochen, bis die Erbsen in den unteren Teil der Maschine fallen und dann mit einem weiteren Förderband in einen ca. 1,5 Tonnen Erbsen fassenden Bunker gebracht werden. Der Bunker ist wie eine Schublade aufgebaut, die zum Entladen der Erbsen ausgefahren und dann um 90° gekippt werden kann.

Nachdem ich einen solchen Entladevorgang mehrfach gefilmt und fotografiert habe, lädt mich einer der Fahrer, Heribert Didier, zum Mitfahren ein. Er erzählt mir, dass er und die Kollegen seines Teams von Ende Juni bis Mitte August sieben Tage die Woche in 12-Stunden-Schichten ununterbrochen im Einsatz sind. Zwar ist die Erbsenernte im Rahmen der Bodenbefahrbarkeit weitgehend wetterunabhängig. Dafür ist eine Erbse nur wenige Tage als Frischerbse verwertbar, bevor sie entweder vertrocknet oder aber bei zu viel Nässe verfault. Das gesamte Logistiksystem von Hesbaye Frost ist daher so ausgeklügelt, dass bereits bei den Aussaatterminen taggenau auf die realisierbare Flächenleistung bei der Ernte und die erwartbaren Erntetermine geachtet wird. Bei der Ernte dürfen vom Pflücken der Erbse bis zum Frosten oder Konservieren max. zweieinhalb Stunden vergehen, was über genaue Dokumentation jeder Ladung nachvollzogen wird. Fast alle Vertragsflächen von "Hesbaye Frost" befinden sich daher im Umkreis von rund 50 km um die Fabrik bei Geer. "Trotzdem bedeutet der Zeitdruck für uns ständigen Dauerstress", erklärt mit Heribert und zeigt auf den Staub aufwirbelnden John Deere Traktor, der in hohem Tempo von Erntemaschine zu Erntemaschine fährt und die Ladungen aufnimmt.

Von Heribert erhalte ich noch einen weiteren Tipp: Außer dem "roten" Ernteteam soll noch ein "grün-gelbes" Ernteteam mit einigen Maschinen des niederländischen Herstellers Ploeger im Einsatz sein. Da sich der von Heribert vermutete Einsatzort aber als falsch erweist, fahre ich wieder zur Fabrik zurück, folge einem anderen Lastwagen und lande schließlich auf einem Feld, auf dem fünf Erntegiganten vom Typ EPD 530 und 538 bereitstehen. Kaum ist der leere Container angekommen, entladen sich erst einmal alle fünf 350 PS starke Maschinen mit einem Bunkerinhalt von je 2 Tonnen und einer Arbeitsbreite von je 3,50 Meter. Dazu kommt bei Ploeger nicht das Schubladensystem von FMC, sondern ein schnell laufendes Förderband zum Einsatz. Schon nach wenigen Minuten befinden sich 10 Tonnen Erbsen in der Hakenliftmulde, die hier von einem Valtra Schlepper gezogen wird. Einsatzleiter und Lohnunternehmer Chris de Bakker scheint sich sehr über meinen Besuch zu freuen, denn per Funk gibt er den Fahrern die Anweisung, nicht wie üblich in einzelnen Beeten, sondern versetzt in Formation zu fahren - so wie man es vielleicht von Aufnahmen amerikanischer Mähdrescher kennt. Der Anblick der fünf großen Erbsenernter (vier davon auf Terra Trac Raupenlaufwerk des Claas Lexion, von dem auch die Kabine der Ploeger-Ernter stammt) und die Freundlichkeit des Teams beeindrucken mich so sehr, dass ich beschließe, den Rest des Tages mit dem Team zu verbringen. So erlebe ich, wie die Truppe zusammen mit einem zugestoßenen sechsten Ploeger EPD 530, einem Begleitfahrzeug, einem weiteren Valtra Traktor mit mobiler Werkstatt und einem Wohnwagen zum nächsten Feld umsetzt und wie es nach einem Schichtwechsel um 20.00 Uhr auch im Dunkeln ohne Unterbrechung weitergeht.

Dieses Erlebnis war eigentlich nicht zu "toppen", dachte ich. Doch schon wenige Tage später erlebte ich in Deutschland weitere Highlights mit grün-gelben und anderen Maschinen. Davon wird demnächst ein weiterer Gastbeitrag in Agrarsanis Landwirtschafts-Blog berichten.

Text: Sascha Jussen
Bilder: Sascha Jussen

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Weitere Gastbeiträge von Sascha Jussen in Agrarsanis-Blogs:

Rekordverdächtig: Landwirtschaft der Guinness-Familie

England: Auf die Zwiebel gekommen...

300 PS auf Raupenbändern: CAT Challenger mit achtreihiger Dammfräse

offline

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Agrarsani

Agrarsani

Alter: 31 Jahre,
aus Wedemark
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Schlagwörter

agrarsani, ernte, fnc, frankreich, john deere, jussen, landtechnik, landwirtschaft, mulde, ploeger, pmc, sascha, selbstfahrer

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