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Richard de Florennes on Tour

Richard de Florennes on Tour (7 Einträge)

John Deere mit 9-Schar-Pflug von Kuhn John Deere mit 3-Meter-Sämaschine von NODET x
460 mal angesehen
27.10.2010, 11.10 Uhr

Landwirtschaft in Belgien - Reisetag 3

Ein Tag im Zeichen von großen Pflügen, Sämaschinen und Zuckerrüben

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Warum auch immer - jeder Tag meiner Belgienreise schien unter einem bestimmten Motto zu stehen. So begegnete ich am dritten "Ackertag" meiner Belgienreise in der Nähe der Kleinstadt Mettet gleich mehreren großen Pflügen - sieben, acht und neun Schare standen auf dem Programm. Anscheinend spielte das vom Wetterdienst angekündigte schlechte Wetter nach einer mehrtägigen Schönwetterperiode eine entscheidende Rolle für das rege Treiben auf den Feldern. Bevor die sich nähernde Regenfront den Himmel bedeckte, konnte ich bei Sonnenschein einen John Deere 8330 Traktor mit neun-scharigem Aufsattelvolldrehpflug der Baureihe "Challenger" von Kuhn bei der Arbeit beobachten (siehe Foto oben). Der 270 PS starke Bolide zog das über vier Tonnen schwere Gerät aus französischen Hause mit einer Arbeitsbreite von drei Metern ohne sichtbare Anstrengung durch den harten Boden eines abgeernteten Rapsfeldes.

Nur wenige Kilometer weiter arbeitete ein John Deere 7920 bei bereits dunklerem Himmel mit einem Achtschar-Aufsattelvolldrehpflug von Kuhn zusammen mit einem "kleinen" John Deere 6830, der mit einer mechanischen Nodet Gougis Drillmaschine (Arbeitsbreite 3 Meter - Foto siehen oben) Weizen säte. Die altehrwürdige französische Landmaschinenfirma, spezialisiert auf Drillmaschinen, wurde vor einigen Jahren von der Firma Kuhn aufgekauft - einer von vielen Fällen einer weiteren Firmenkonzentration auf dem europäischen Landmaschinenmarkt.

Diesmal nur einige hundert Meter weiter: Während auf einem weiteren Feld Chicorée gerodet wurde (vgl. [www.landlive.de] war ein John Deere 8330 auf dem gleichen Schlag mit einem 8-Schar-Aufsattelpflug von Kuhn bei der Arbeit. Jede Stunde, jeder Hektar bearbeitetes Land schien an diesem Tag zu zählen.

Da ich die Chicorée-Ernte genau dieses Landwirts bereits vor zwei Jahren ausreichend gewürdigt hatte, wandte ich mich einer abermals nur wenige Kilomter weiter auf der Kuppe eines sanften Hügels sichtbaren Zuckerrübenernte-Szene zu. Hier kam ein mit Gilles Krautschläger/Köpfer und Roder zusamen mit einem New Holland mit Gilles Ladegerät (Foto oben) sowie ein John Deere und ein New Holland Traktor mit Brimont Kippanhängern zum Einsatz. Ich weiß nicht, ob es am Wetter lag oder an den Fahrkünsten der Mitarbeiter dieses Lohnunternehmens - jedenfalls hatte ich selten einmal ein so zügiges und effizientes Arbeiten und Kooperieren der verschiedenen Maschinen beobachten können. Rübenroder, Ladegerät und die beiden Anhänger waren so "getimt", dass es für keines der Systeme zu Stillstandzeiten noch zu einer gegenseitigen Behinderung der immerhin vier Fahrzeuge auf den Vorgewenden kam. Schließlich beendete ein leichter Nieselregen meine Filmaufnahmen, nicht aber die Arbeit auf den Feldern. Denn in Belgien müssen auch in diesem Herbst noch tausende Hektar von Rüben geernet und mit Weizen neu bestellt werden.

Zu diesem Blog gibt es auch ein passendes Fotoalbum mit 101 Fotos!: Klick!
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RicharddeFlorennes

RicharddeFlorennes

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Kommentare

28.10.2010 22:25 pflugfurche1
Hallo. In deinem Blog zur Reise könnte man meinen das in Belgien zur Zuckerrübenernte eigentlich nur schleppergebundene, absetzige Verfahren verwendet werden. Ist dem so? Dachte immer ein Absetziges Verfahren wäre eher etwas für kleine Rübenanbauflächen, aber dem ist ja angesichts der gezeigten Schleppergrößen nicht so?
02.11.2010 13:19 RicharddeFlorennes
Vielen Dank für diese sehr interessante Fragem die ich mir selbst auch immer wieder stelle und auch mit Landwirten und Lohnunternehmen insbesondere in Belgien immer wieder erörtere.
Ich kann diese Frage wie folgt beantworten:
1. Belgien ist in der Tat DAS Land der 2-phasigen Rübenernte, manche nennen dieses System nach dem nach eigenen Angaben führenden Hersteller Gilles (Belgien) auch das "Gilles-System".
2. Ich schätze den Anteil dieses Systems an der Rübenernte auf rund 75 Prozent aus Basis meiner Sichtungen in immerhin den letzten drei Kampagnen. Selbstfahrer, insbesondere Ropa und Holmer haben in den letzten Jahren etwas Terrain gewinnen können. ein-, zwei- oder dreireihige Köpfrodebunker, wie sie im Rheinland oft noch zu finden sind, gibt es hier hingegen so gut wie gar nicht mehr. Die Belgier sind bereits in den 80er Jahren direkt von den Einreihern auf damals noch bis zu dreiphasige sechreihige Systeme (gezogener Köpfer/Kraitschläger sechsreihig, dann angebauter Roder, dann Ladebunker) umgestiegen.
3. Schläge variieren zwischen ab rund 3 Hektar im eher kleinflächigen Norden und bis zu rund 20 Hektar im großflächigeren Süden des Landes.
4. Die Argumentation ist - auch wenn sich einige Gegenargumente finden:
- ein Traktor ist in jedem Betrieb - ob Bauerhof oder Lohnunternehmen - vorhanden, so dass man zum Antrieb des Roders keine Spezialmaschine braucht, sondern den Traktor auch als Roder zusätzlich auslasten kann
- Krautschläger und Roder sind natürlich deutlich günstiger als ein Selbstfahrer-Vollernter (das Argument erschließt mir andererseits zugegeben nicht ganz, weil der selbstfahrende Ladebunker von Gilles auch nicht ganz günstig sein soll)
- Flächenleistung sei höher als die eines Selbstfahrer, weil das Rodesystem ständig fahren kann ohne Pausen zum Abbunkern oder gar Zusatzfahrten auf dem Schlag wegen eines vollen Bunkers
- die Maschinen seien insgesamt leichter als selbstfahrende Vollernter und damit weniger bodenschädigend
- höhere Reinigungsleistung durch 3 Siebsterne des Roders, kurze Phase des Abtrocknens der Rüben im Schwad, erneutes Absieben der Rüben durch den Ladebunker

5. Dem Gegenargument der Gegener dieses System, die die schmalen Reifen als "Trennscheiben" verunglimpfen (Bodendruck, Rüben würden zerdrückt), kann auf Basis eigener Beobachtungen entgegenhalten, das dieses System fast ausschließlich an Tagen mit relativ Bodenbedingungen (für Herbst) zum Einsatz kommt (diese höhere Abhängigkeit vom Wetter geben die Nutzer alle zu, bei ehr nassem Wetter stöt das System auf jeden Fall an seine Grenzen), die Bodenverdichtung erscheint mir bei rein maueller "Messung" subjetiv ingesamt geringer als die von selbstfahrenden Vollerntern; von den reigen zerdrückte, weggedrückte Rüben habe ich außer bei komplizierten Wendemanövern auf engen Vorgewenden kleiner Schläge kaum beobachtet, hier leisten die großen Selbstfahrer wohl deutlich mehr Schaden.

Wie dem auch sei - die Belgier sind von dem System sehr überzeugt und fotografisch macht dieses System auch mehr Spaß als ein einsamer Selbstfahrer auf weiter Flur

Achja, noch eine Besonderheit: Lademäuse gibt es in Belgien fast gar nicht, Reinigungsladebänder selten, meistens kommen Bagger mit Rübengreifschaufeln zum Einsatz. Aufgrund der günstigen Verteilung der recht vielen, dafür aber kleineren Rübenfabriken in dem kleinen Land sind viele Landwirte nach wie vor Selbstlieferer. Die Tendenz geht aber auch zur Schließung von Fabriken Jahr für Jahr und dem Einsatz von Transportspeditionen.
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