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Farming in Australien

Berichte ueber die Landwirtschaft in AUS (5 Einträge)

JD 7760 Roundbaler JD 7760  Roundbaler Cotton field
1445 mal angesehen
27.12.2010, 07.16 Uhr

Neuer vollautomatischer Baumwollernter John Deere 7760 Roundbaler

Vor ein paar Monaten hatte Ich die Gelegenheit einen diesen neuen Baumwollernter aus der Naehe zu besichtigen. Die Maschinen werden offiziell erst seit diesem Jahr auf dem Markt angeboten, aber die ersten Prototypen laufen schon seit 2008 hier in Australien und in den USA. Der Chef von John Deere hat bei der Vorstellung der Maschine die Entwicklung als eine wichtigsten Errungenschaften in der Landtechnik seit 25 Jahren bezeichnet. Das neue Ernteverfahren mit den Rundballen vereinfacht die Ernte enorm, nun ist alles mechanisiert und erhoeht die Leistungsfaehigkeit der Erntekolonnen.
Das alte Ernteverfahren mit den alten Erntemaschinen mit dem grossen Korb zum auffangen der Wolle war immer noch recht personalintensive.

Im genauen funktioniert es wie folgt:
- 4 oder 6 reihige Erntemaschine (je nach Ertrag und Feldlaenge wurden die unterschiedlichen Maschinen eingesetzt)

- Es kam ein Ueberladewagen (sogenannter Boll Buggy) zum Einsatz um die Wolle von den Erntemaschinen zum Feldrand zu transportieren. Ein Ueberladewagen kann 2 Picker bedienen, wenn alles gut laeuft auch 3. Meistens laufen in einer Lohnunternehmertruppe dann 5 Picker mit 2 Boll Buggies.

- Am Feldrand stehen dann die ‘Module Builder’, das sind die maschinen die die geerntete Wolle verdichten und dann die rechteckigen Transportballen formen. Je nachdem wie gut man die Ballen verdichten will, braucht man dann entsprechend viele Module Builders.1 bis 2 Pressen sind schon notwendig um einen Picker am laufen zu halten. Die Anzahl stinkt dann aber wenn mehrere Picker zum einsatz kommen. 4-6 pressen sind dann die grenze fuer eine Crew von einem Lohnunternehmen.

- Nachdem der Ballen fertig geformt ist, wird hinten die Tuer geoffnet und der vorgehaengte traktor zieht die Presse weg vom Ballen und parkt die presse dann wieder in die Reihe fuer den naechsten Ballen. Die alten pressen laufen mit Zapfwellenantrieb, die neueren haben einen Aufbaumotor fuer die Hydraulik, brauchen aber trotzdem einen Traktor fuer den Transport auf dem Feld und den Strassentransport.

- Als letzten Schritt am Feldrand muss der Lohnunternehmer die fertigen Ballen noch abplanen, damit es nicht rein regnet. Baumwolle ist wie heu, wenn das nass zusammen gepresst wird, faengt das innen an zu kochen und das Teil brennt ab. Jeder ballen hat den Wert eines Kleinwagens, somit sollte das nicht zu oft vorkommen oder das Lohnunternehmen bekommt Probleme mit dem Farmer.

Am Boden braucht der Lohnunternehmer dann noch mindestens eine Arbeitskraft pro Presse fuer die Bedienung, das Abplanen und das regelmaessige umsetzen der Pressen.

Fotos des alten Ernteverfahrens

Alles zusammen kommt die Truppe dann schnell auf 10-15 leuten, je nachdem wieviele Picker im Einsatz sind. Die muessen ja alle irgendwo untergebracht und versorgt werden. Dann kommt also noch ein Koch und 1-2 mechaniker dazu und man ist schnell bei 20 Leuten. Das alles beinhaltet ja noch nicht mal den Abtransport der Ballen, das macht dann ne Spedition.

Die Transportballen sind so rund 12m lang, damit Sie auf die normalen LKW abhaenger passen und wiegen je nach verdichtungsaufwand 10-12 Tonnen. Aufgenommen werden die Ballen entweder von einer speziellen Maschine mit einem Kratzboden der den Ballen langsam aufnimmt waehrend die Maschine unter den Ballen faehrt ode res gibt spezielle LKW auflieger die einen eigenen Kratzboden haben und das Heck absenken koennen. Diese Spezialaufieger koennen den Ballen alleine aufnehmen. Diese warden aber nur eingesetzt, wenn die Entfernung zur Aufbereitungsbabrik (Cotton Gin) nicht all zu weit ist. Ansonsten sonst man die spezialmaschine und verlaedt die Ballen auf Roadtrains mit 2 Anhaengern um Transportkosten zu sparen.
Vor ein paar Jahren kam Case IH mit einer neuen Version des Baumwollernters heraus, der die geerntete Wolle schon auf der Maschine presst und kleinere Module fertigt. Dieses System spart also den Ueberladewagen und die Pressen am Feldrand. Das System hat sich nicht durchsetzen koennen, da es immer noch einiges an Personal benoetigt und die maschine recht teuer war.

Link zur Case IH Website

Es scheint so zu sein, dass John Deere sich das ganze genau angeschaut hat und zur schlussfolgerung gekommen ist, dass sie ein anderes System entwickeln muessen.

John Deere Website

In 2008 waren dann die ersten Prototypen fertig und da Australien ein wichtiger Markt fuer Cotton Picker ist, haben Sie auch eineMaschine noch Down under zum testen verfrachtet. Die Maschine die Ich im Mai besichtigt habe, war dieser erste Prototyp und laeuft bei einem der groesseren Baumwollbetriebe hier. Inzwischen haben Sie drei von den Dingern im Einsatz und werden wohl naechste Saison komplett umstellen.
Die Maschinen sind nicht billig, je nach Ausstattung biste mit 500.000 bis 550.000 Euro dabei, aber die Kostenersparnis fuer personal und die anderen maschinen scheint es wirtschaftlich zu machen . 1-2 dieser 6 reihigen Rundballenpressen schafft soviel wie sonst eine dieser Lohnunternehmerkolonnen. Der Personalbedarf reduziert sich also von 10-15 auf 2-3 gut qualifizierte Leute.
Nun zur maschine selbst, gefahren hat das teil wie ja hier schon fast ueblich ein Backpacker aus Europa. Der Maschinenbaustudent aus Frankreich war besser geeignet als die lokalen Arbeitskraefte, das teil zu bedienen. Die Maschine hat mehr Computer als man sich vorstellen kann, alles laeuft automatisch . Der fahrer muss nur auf fehlermeldungen des Computers regieren und entscheiden ob er eingreifen sollte oder nicht, haengt von der Alarmstufe ab. Meistens sind es Verstopfungen, die zum eingreifen zwingen, da das teil zu schnell unterwegs ist.
Da es ja einer der ersten Protostypen ist, kommen die Entwicklungsingenieure von John Deere regelmaessig vorbei um sich um Ihr baby zu kuemmern.In der Kabine kamen ueberall Kabel aus der Konsole wo die Jungs aus Amerika ihre Laptops anschliessen und in der Kabine selber hing ein versiegelter Datenrekorder von John Deere. Bei groesseren Probleme muessen sich die Mechaniker der Farm erst eine Genehmigung von John Deere holen, bevor sie Reparaturen begingen koennen. Handynummer der John Deere leute klebte an der Frontscheibe.
Die maschine hatte in der 2010 Saison schon ueber 2500ha geerntet ohne groessere Probleme und hat in den drei jahren schon ueber 2000h gelaufen. 7-8 maschinen liefen in 2010 in Australien und die Farmer sind begeistert und John Deere hat wohl schon ueber 20 bestellungen fuer die ernte in 2011. Case hat jetzt ein Problem und muss wohl nachziehen oder der Zug ist weg. Lokale Unternehmen haben schon Zubehoer wie Ballwagen und anderes entwickelt, was die Produktivitaet der maschine noch erhoeht und die meisten Cotton Gins begingen ihre Anlagen auf Rundballen umzustellen.

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Cleveland

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Alter: 38 Jahre,
aus Mitchelton/Brisbane
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Kommentare

27.12.2010 13:35 pflugfurche1
Sehr interessant, hab mich schon immer gefragt zu was diese neuen Baumwollernter mit der "Ballenpresse" gut sind. Daumen hoch.

Wann ist die Baumwollernte in Australien? das würde mich schon immer mal reizen.
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