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Zehn Tage live aus Japan!

RasenderReporter auf Landwirtschaftstour (10 Einträge)

Kühlung ist alles... Nicht so ganz perfekt Anbindestall in Japan
1294 mal angesehen
21.09.2007, 15.12 Uhr

60 Cent für den Liter Milch!! :-)

Hallo zusammen,

wir sind zurück von unserer zweitägigen Exkursion, die uns auf Milch- und Mastviehbetriebe geführt hat - wir haben Reisfarmen besucht, einen regionalen Bauernmarkt, eine Molkereigenossenschaft, Bewässerungssysteme und eine Sakebrauerei besucht.

Hier ein paar zusammengetragene wissenswerte Dinge, die ich Euch nicht vorenthalten möchte...

Beispiel Milchproduktion:
Japan hat einen extrem niedrigen Selbstversorgungsgrad - generell so um die 40 Prozent. Bei Milch sind es 68 Prozent. Der Rest wird hauptsächlich aus Australien importiert. Die Durchschnittsleistung seiner Holstein-Friesian-Herde liegt bei 8000 kg, sagte mir ein Landwirt. Für ein Kilogramm Milch bekommt er 100 Yen, das sind ca. 60 Cent.... Der Konsumentenpreis für Milch liegt zwischen 165-175 Yen, das ist grob ein Euro.

à propos Milch - es ist ja bekannt, daß sehr viele Asiaten an Laktoseintoleranz leiden. Dennoch - und das hat mich ziemlich erstaunt - unternimmt die Regierung einige Anstrengungen, um den Japanern das Milchtrinken beizubringen. Die Japaner trinken nämlich nur 97 Liter Milch und essen 500 Gramm Butter bzw. 2,3 kg Käse im Jahr!! Ohne daß ich die deutschen Zahlen jetzt im Kopf habe, ist das ein wahnsinnig niedriger Verbrauch. Vor allem auch aus Gründen der Gesundheitsvorsorge will man den Milchkonsum ankurbeln. Laktosefreie Milch hat in der Molkerei, die wir besucht haben, aber nur einen Verkaufsanteil von einem Prozent. Sehr niedrig...

Eine große Konkurrenz zur Milch sind auch alle möglichen Teeprodukte, die es in allen Variationen kalt und warm und auch in Dosen und Flaschen aus Automaten gibt.

Im Durschnitt Japans leben auf den 27.700 Milchviehbetrieben Japans (nebenbei, Japan hat rd. 120 Millionen Einwohner) 1,7 Millionen Kühe, zirka 60 pro Betrieb. Vor 15 Jahren waren es noch 55.100 Betriebe mit 38 Tieren pro Betrieb, 1980 100.000 mit je 18 und nochmal zehn Jahre zuvor, 1970, 308.000 Betriebe mit im Schnitt 5,9 Kühen. Ihr seht, auch hier nimmt die Zahl der Milchviehbetriebe ab und die Tendenz zu größeren Einheiten ist klar erkennbar.

Die Milchviehwirtschaft profitiert aber in gewisser Weise von staatlichen Restriktionen, weil freiwerdende Reisflächen genutzt werden können:

Der Reisanbau - DIE Einnahmequelle in der japanischen Landwirtschaft schlechthin - soll weiter eingeschränkt werden. Gründe: Der Verbrauch geht zurück, weil die Konsumenten lieber auf "westliche" Alternativen zurückgreifen (nicht nur Fastfood, auch Kartoffeln generell). Daher hat der Staat verfügt, daß 40 Prozent der Reisanbauflächen quasi stillgelegt werden müssen.

Stillgelegt bezieht sich nur auf den Reisanbau, die "handtuchgroßen" Flächen dürften auch für Soyabohnen- oder Gerstenanbau oder für Grünland verwendet werden.

Das machen allerdings die wenigsten Landwirte. Für japanische Landwirte ist die Reisproduktion nicht nur Gewerbe, sondern hauptsächlich eine Art Mythos. Das lässt sich leicht verstehen, weil Reis seit Jahrtausenden DAS Grundnahrungsmittel schlechthin ist. Die meisten Landwirte wirtschaften im Nebenerwerb, das meiste Geld kommt aus anderen Beschäftigungen. Reisanbau ist ziemlich easy, das geht gut im Nebenerwerb. Jetzt umzusteigen auf anspruchsvollere Getreidearten, geht rein vom Arbeitsaufwand nicht. Außerdem sind die (feuchten) Flächen nicht immer geeignet. Also liegen die Flächen einfach brach - was katastrophale Auswirkungen auf die Landschaft haben kann und wahrscheinlich wird.

Dazu muß man wissen, daß sich Japan agrarpolitisch ziemlich abschottet. Zu WTO äußert sich Japan nicht - auch wir haben nur sehr verhaltene Meinungen dazu gehört. Prinzipiell lehnen es die Japaner aber ab, sich für einen chancengleichen Handel zu öffnen.

Das ist schon paradox - auf der einen Seite exportieren sie wahnsinnige Mengen Elektronik und Autos, auf der anderen Seite lassen sie praktisch keine ausländischen Agrarprodukte ins Land.

Ein Milchpreis von 60 Ct. würde sich bei einer Marktöffnung nicht halten lassen - noch mehr Bauern müßten aufgeben. Derzeit bekommen die japanischen Landwirte sehr hohe Subventionen, die zwar angeblich niedriger seien als in der EU - aber diesen Zahlen möchte ich nicht trauen - ehrlich gesagt.

So, über Rindermast schreibe ich 'was im nächsten Blog.

Viele Grüße
der müde Reporter
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RasenderReporter

RasenderReporter

Alter: 39 Jahre,
aus München
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Kommentare

22.09.2007 22:24 DairyQueen
Hey!
Du hast es nicht vergessen! Super interessant!
Hier ein paar Fragen: Wie werden die Kühe gefüttert? Müssen die Milchviehhalter viel Futter zu kaufen? Woher bekommen sie das Futter und was bauen sie selber an? Was ist mit den Mastbetrieben... sind die tatsächlich mehrstöckig? Und wie hoch sind die Preise für Rindfleisch (was kriegt der Landwirt und was zahlt der Verbraucher)?

Ich wünsche Dir noch ganz viel Spaß!!!
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