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13.01.2011, 12.07 Uhr

Unsägliches M-Wort

Am Anfang des Skandals habe ich ja noch Hoffnung gehabt. Hoffnung, dass die Kollegen und Kolleginnen anderer Medien, vor allem der Publikumstitel, bei ihrer Einschätzung bleiben: Die Bauern als Futtermittelbezieher sind genauso Opfer wie die Verbraucher. Jetzt stirbt die Hoffnung bei mir allmählich. Denn die Richtung beginnt sich hier und da zu ändern. Auch weil wieder viele mitreden und als Meinungs-Stichwortgeber ins Rampenlicht sich spielen oder gezogen werden, die wieder mal mehr ideologisch denn von Sachverstand geprägt diskutieren.
Sprechen wir es klar aus: da wird der modernen Tierhaltung und den Größen, in denen sie erfolgt, wieder die Schuld zugeschrieben. Das unsägliche M-Wort wird als Verursacher allen Übels wieder ganz oben hingestellt (die kriminelle Energie Einzelner ist mithin sogar schon abgehakt, obwohl unverrückbar die tatsächliche Quelle des Ganzen).
Ich stehe nicht hinter dem M-Wort, muss es aber wohl einmal ausschreiben, damit es jeder weiß: Massentierhaltung. Warum stehe ich nicht dahinter? Weil das ein völlig unklarer Begriff ist, der, mal in Zahlen gemessen, soviel Ausprägungen annimmt, wie man Leute befragen würde, was sie darunter verstehen. Wo fängt sie an? Bei 20, 50, 100, 250, 800, 1000, 1500 Schweinen? Bei 35, 60, 100, 150 Kühen? Und was sagt der Begriff überhaupt darüber aus, wie es den Tieren in Beständen dieser Größe geht? Denn, so sehe ich es, die Größe sagt längst nichts darüber aus, ob die Tiere dort ordenltich gehalten werden oder welche Wirkungen auf die Umwelt mit der Bestandsgröße verbunden sind oder eben welche fahrlässige Fehlerquelle sie darstellen würde.
So, jetzt drehe ich die Frage nach der Bedeutung von Bestandsgrößen bei solchen Skandalen, wie jetzt mit Dioxin belasteten Futtermitteln, in eine andere Richtung. Und ich gebe zu: ich provoziere. Größe als Grundübel oder als Auslöser des Skandals oder Größe als Hilfe bei der Bewältigung? Letzteres halte ich für überlegenswert. Denn die Rückverfolgung, wo ein Problem herkommt, oder wo es hingeht, ist doch um Potenzen einfacher, wenn es nur wenige größere Betriebe zu identifizieren gelte als eine Vielzahl kleinerer. Beispiel: Um etwa nachzuvollziehen, wohin 10.000 t belastetete Futtermittel gegangen sind, macht es doch einen erheblichen Unterschied im Aufwand und damit im Ermittlungserfolg, wenn dafür statt 1.000 Betriebe (jeder mit 10 Tonnen Abnahmemenge) vielleicht nur 40 Betriebe (jeder mit 250 Tonnen Abnahmemenge) zu überprüfen sind. Und wäre es nicht auch im Sinne des Verbraucherschutzes viel effektiver den Weg in die Regale zu unterbinden, kämen etwa 400 Mastschweine, die als verdächtig gelten (weil mit belastetem Futter gefüttert), nicht von 5 Betrieben mit je 80 verkauften Tieren, sondern aus einem einzigen. Da fällt mir im Übrigen ein Bild aus einem anderen Sektor ein: tatsächlich wird ja auch ein Flugzeugabsturz als viel bedrohlicher angesehen (und erhält auch mehr mediale Aufmerksamkeit) als die vielen tausend Unfälle auf unseren Straßen jährlich.
Alles nur mal so zum Nachdenken - auch weil es mich ärgert, dass dieses unsägliche M-Wort so unreflektiert und unfundiert die Runde macht.
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Detlef

Detlef

Alter: 52 Jahre,
aus München
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