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Aus der Wochenblatt-Redaktion

Neues zum Wochenbeginn (18 Einträge)

133 mal angesehen
24.01.2011, 09.32 Uhr

Faszination

Auf der DLG-Wintertagung, die letzte Woche zu Gast in München war, trafen sich wieder die „Macher“ unter den Landwirten. Da stellte ein Unternehmer aus Nordrhein-Westfalen seinen Betrieb vor, dem die Aufstockung seiner Kuhherde von 170 auf 250 Tiere zu mickrig erschien und der deshalb gleich einen Stall für 400 Kühe auf die grüne Wiese stellte.

Hinter der Entscheidung für solche Millioneninvestitionen steht freilich immer seltener die nackte Notwendigkeit, eine fünfköpfige Familie ernähren zu müssen, sondern immer häufiger auch die Faszination des Großen. Eine solche Baumaßnahme durchziehen, Schulden machen, den Melkroboter programmieren, Personal einstellen, Pachtfl ächen akquirieren – was bei dem einen Teil der Landwirte eher Unbehagen auslöst, führt bei unternehmerisch veranlagten Landwirten zu regelrechten Glücksgefühlen.

Wer als bayerischer Landwirt mit durchschnittlicher Betriebsgröße eine solche Veranstaltung besucht, läuft Gefahr, mit einem Minderwertigkeitskomplex nach Hause zu kommen. Die schlechte Stimmung sollte man aber schnell wieder beiseite schieben, denn das Streben nach purer Größe ist keinesfalls immer auch mit wirtschaftlichem Erfolg verbunden. Ein Blick in die bayerische Buchführungsstatistik zeigt nämlich, dass die Spitzenbetriebe mit dem höchsten Gewinn eher aus der Gruppe „klein, aber fein“ kommen.

Die Auswertung der Betriebe mit mehr als 240 000 kg Milchquote zeigt zum Beispiel, dass das bessere Viertel mit nur 36 ha LF und 44 Kühen einen Gewinn von 58 200 Euro erwirtschaftet. Der Durchschnittsbetrieb in dieser Gruppe schafft dagegen nur 46 000 Euro Gewinn, benötigt dafür aber 50 ha und 53 Kühe. Die Spitzenbetriebe haben keine höhere Milchleistung und
bekommen auch keinen besseren Milchpreis. Es sind einzig und allein die niedrigeren Kosten, die diese enormen Unterschiede bewirken.

Eigentlich wären diese kosteneffizienten Betriebe die geeigneteren Kandidaten für ein erfolgreiches und geordnetes Wachstum. Doch gerade weil sie die Kosten im Auge haben, ziehen sie beim Wettbewerb um Pachtfl ächen oder Quoten oft den Kürzeren. Die Produktionsfaktoren wandern dann dorthin, wo der Geldbeutel lockerer sitzt und es am Ende heißt: Außer Spesen nichts gewesen. Irgendwie schade, meint

Hans Dreier, Redaktion Wochenblatt
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