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Agrarsanis Landtechnik - Blog

Ständig neue Technik... (71 Einträge)

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01.04.2011, 09.32 Uhr

Unterwegs ins Unterholz – Forstarbeit in Hessen

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In der weniger lebhaften Zeit der Landwirtschaft habe ich im vergangenen Jahr einen Exkurs in die Forstwirtschaft unternommen. Ein junges aufstrebendes Unternehmen aus Einbeck in Südniedersachsen hat mir dies ermöglicht. Neben der Landschaftspflege bietet das Unternehmen auch Dienstleistungen im Bereich der Holzernte und Holzenergie an. Eingesetzt werden hierzu Harvester und Rückezüge, die permanent in Forsten in ganz Nord- und Mitteldeutschland im Einsatz sind. Zu einem der Einsätze habe ich den Einsatzleiter begleitet.

Früh morgens traf ich mich mit dem Einsatzleiter am Maschinenstandort. Nach kurzer Vorbereitung und dem Zusammenpacken einiger Ersatzteile ging es auch bereits los. Mit dem Pick-Up fuhren wir in Richtung Autobahn. Knapp 130 km Strecke lagen vor uns. Ziel war die Region Nordhessen nahe der Stadt Melsungen. Höhe Göttingen kamen wir auf der Autobahn 7 an einer gerodeten Fläche vorbei. Auf Rodungen entlang von Autobahnen und Bahnstrecken hat sich das Unternehmen spezialisiert, erklärt mir der 40-jährige. Diese Einsätze sind jedoch nicht mit Arbeiten in „normalen“ Forsten zu vergleichen. Gerade an Hochgeschwindigkeitsstrecken gelten strickte Sicherheitsvorkehrungen und die Einsätze erfordern enormes Fingerspitzengefühl.

Der Konkurrenzkampf bei Forstdienstleistungen ist hoch. Hierbei kann das Forstunternehmen jedoch durch die eigene Holzverarbeitung und Vermarktung besser planen als Mitbewerber und sich Vorteile verschaffen. Der Einsatz eines Harvesters liegt so ungefähr bei 95 € pro Stunde, wobei der Stundenlohn für die Arbeitskraft noch hinzu kommt.

Die Fahrt geht weiter. Der Einsatzleiter ist täglich unterwegs um die Arbeiten und auch das Umsetzen der Maschinen zu koordinieren. Die Spezialmaschinen werden für das Umsetzen grundsätzlich als Schwertransport transportiert. Ein solcher Transport, bestehend aus Hacker und Tieflader, bringt schnell mal 70-80 Tonnen auf die Waage, erklärt er mir. Im vergangenen Monat war er allein in seinem Pick-Up über 7.000 km tagsüber und auch nachts unterwegs, da die Maschinen grundsätzlich nach Einbruch der Dunkelheit umgesetzt werden.

In Melsungen verlassen wir die Autobahn 7 und fahren auf Landstraßen weiter. Schon bald verlassen wir auch die Landstraßen und fahren direkt einen steilen Forstweg hinauf. Seit knapp 14 Tagen sind die Kollegen mit ihren Maschinen in diesem Forst im Einsatz. Weitere 14 Tage liegen noch vor ihnen um die Schäden, die ein Sturm angerichtet hat, aufzuarbeiten. Lange brauchen wir nicht suchen um den Rückezug zu finden – jedoch ist er nicht bei der Arbeit. Der Fahrer ist gerade damit beschäftigt, zwei Hydraulikleitungen an seinem Rückezug Dasser 10.8 zu wechseln. „Unsere Fahrer müssen nicht nur die Maschinen steuern können, sondern auch grundlegende Reparaturen an Ort und Stelle selbst durchführen können, fernab der nächsten Werkstatt sind sie mit Ersatzteilen und Spezialwerkzeug oft auf sich alleingestellt“, erklärt mir der Einsatzleiter.

Ich mache mich zunächst auf den Weg zum Harvester, der gut hörbar und in Sichtweite an einer Hangfläche arbeitet. Auf dieser ca. 2 ha großen Waldfläche hat der Sturm eine Schneise der Verwüstung hinterlassen. Entwurzelte und wie Zahnstocher zergebrochene Bäume liegen übereinander und ineinander verkeilt. Mittendrin ist Stefan mit seinem Harvester EcoLog 560 B im Einsatz. Mit Hilfe des 11 Meter Teleskoparms kann er die Stämme bis zu einem Brusthöhendurchmesser (BHD) von 55 cm fällen und mit dem Harvesterkopf Stämme entasten, passend zusägen und auf Stapeln entlang der Fahrgassen für den Rückezug ablegen. Permanente Konzentration ist gefragt, erklärt mir der 46-jährige. Er gewährt mir einen Blick in seinen Arbeitsplatz, das Cockpit der 202 PS Maschine. Zwei Joysticks mit Wippschalter, ca. 15 bis 20 zusätzliche Knöpfe auf beiden Seiten und Fußpedale. Für einen Forsttechnik-Laien wie mich stellt sich dieser Arbeitsplatz alles andere als selbsterklärend und schnell erlernbar dar. Das bestätigt mir Stefan mit einem Schmunzeln gerne. Er ist seit 10 Jahren im Forst in Deutschland beschäftigt und hat auch bereits in seiner Heimat Kroatien Fahrerfahrungen mit Harvestern und Rückezügen gesammelt. Für ihn ist die Bedienung des 3-achsigen Gefährts mit unzähligen Bedien- und Steuerungsmöglichkeiten in Fleisch und Blut übergegangen. Präzise steuert er das Gefährt in die unmöglichsten Positionen und Lagen um auch die entferntesten Stämme zu erreichen und für den Abtransport durch den Rückezug bereit zu legen. Ketten über den Reifen der Doppelachse sorgen für bessere Standfestigkeit und Traktion in dem unwegsamen Gelände. Stefan verarbeitet einen Stamm nach dem anderen und muss Sekunden schnell über die Qualität des Holzes entscheiden und die Stämme nach Kategorien sortiert ablegen.

Über eine Rückegasse schiebt sich nun auch der wieder instandgesetzte Dasser 10.8 Rückezug den Hang hinauf. Die Maschine mit Baujahr 1997 hat bereits 12.000 Betriebsstunden auf der Uhr, ist aber immer noch bestens in Schuss, erklärt mir der Fahrer. Ausgestattet mit einem 9,20 Meter Greifarm bringt er die zugeschnittenen Stämme auf einen befestigten Forstweg, wo sie mit LKWs weitertransportiert werden können. Der Fahrersitz in der Kabine ist um 360 Grad drehbar, was auch notwendig ist, denn ein Wenden in den schmalen Gassen ist oftmals nicht möglich. Auf eine gleichmäßige und vor allem angemessene Beladung muss der Fahrer achten, um die Kippgefahr des beladenen Gespanns möglichst gering zu halten. Bei einer Zulademenge von bis zu 10 m³ (Festmeter) Holz kann sich so eine Nutzlast von bis zu 13 Tonnen ergeben. Da muss der Fahrer schon ganz genau wissen, welche Steigung und Hanglage er seiner Maschine zumuten kann. Als langjähriger und geübter Fahrer kommt er unter den momentanen Bedingungen auf Bergungsleistungen von ca. 60 Tonnen Holz pro Stunde. Sowohl der Harvester als auch der Rückezug werden mit Biodiesel und Bioöl betrieben.

Nach einigen Stunden im Forst gilt es für den Einsatzleiter und mich die Heimreise anzutreten. Für Stefan und seinen Kollegen ist jedoch noch nicht Feierabend. Die beiden haben für die knapp 4 Wochen, für die sie im hessischen Forst im Einsatz sind, eine Wohnung in der Nähe. „Die beiden sind ein eingespieltes Team, selbstständig und sehr engagiert“, erklärt mir der Einsatzleiter zufrieden.

Gegen 18 Uhr sind wir wieder am Maschinenstandort, von wo es für mich dann weiter in Richtung Heimat geht. Ein spannender und interessanter Tag neigt sich dem Ende und ich bin mir sicher, dass dies nicht der letzte „hölzerne Einsatz“ gewesen sein wird.

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Text: Jörn Gläser
Foto/Film: Jörn Gläser

Ein weiterer interessanter Blog zum Thema Forsttechnik:

Großhacker Terex – Eine Maschine für viele Schnitzel

Schon einmal in Russland gewesen?

Mehr Landtechnik findet ihr auf landtechnikvideos.de
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Agrarsani

Agrarsani

Alter: 32 Jahre,
aus Wedemark

Schlagwörter

agrarsani, dasser, forst, harvester, hessen, lohnunternehmer, rückezug, schwertransport, wald, waldarbeit, waldfieber

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Kommentare

04.04.2011 12:01 agrotron118
Kurze Frage?

Eine Zuladung am Forwarder von 10 Festmeter Holz kann nach meiner Rechnung keine 13t sein.

Wird in Deutschland der Harvester nach Stunden und nicht nach geernteter Holzmenge verrechnet und der Forwarder nach dem Gewicht der Stämme weil du die Rückeleistung des Forwarders in Tonnen angibst?

mfg

07.04.2011 17:00 Agrarsani
Hallo agrotron118,
bezüglich des forwarders; es sind beides Werte, die ich vom Fahrer des Forwarder erhalten habe und der Praxis entsprechen können, jedoch nicht gleichsetzbar sind, sondern "von" "bis". Im Internet bei Gebrauchtmaschinen habe ich auch immer nur Werte bis zu 10 Tonnen Nutzlast gefunden, das würde dann auch rechnerisch FM zu T passen. Der Einsatzleiter nannte mir die Harvester-Bezahlung pro Stunde, wie die Bezahlung in dieser Branche üblich ist, kann ich dir jedoch nicht sagen, etwas verlässlichles habe ich nun nachträglich auch nicht im www ausfindig machen können.
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