Zur mobilen Version wechseln »
NachrichtenThemenMediathekCommunityWetterMärkte & PreiseShopBranchenbuchagrarheute.comlandlive.de
Erweiterte Suche »
UploadChatForenFotosFotoalbenVideosBlogsTermineMitgliederGruppenPartnersuche

Agrarsanis Landwirtschafts-Blo...

Spannende Themen aus der Landwirtschaft (88 Einträge)

Tag 3 Schwarzenau 28.JPG Tag 3 Schwarzenau 34.jpg Tag 3 Schwarzenau 50.jpg
476 mal angesehen
20.04.2011, 23.24 Uhr

Tag 3 Tierhaltungskurs Schwerpunkt Schwein in Schwarzenau

Zum passenden Fotoalbum.

Beginnt mit Tag 1 und Tag 2.

Aufgrund der Faschingsparty am vorangegangenen Abend hatten wir uns mit Otto und Helmut bereits vorab darauf verständigt, den morgendlichen Stalldienst auf den eigentlich freien Freitag morgen zu verlegen. Eine gute Entscheidung…

Nach dem Frühstück begannen wir mit einer Unterrichtseinheit bei Otto zum Thema Vermarktung. Einer der grundlegenden Trends in der Schweinmast zeichnet sich hierbei ab. Schlachthöfe fordern das so genannte „Einheitsschwein“. Also möglichst geringe Abweichungen des Einzelschweins vom Wunschgewicht des Schlachthofs. Die Bezahlung für die Landwirte wird dann im Anschluss auch anhand dieser Kriterien vorgenommen.

Die Klassifizierung des Schlachtkörpers wurde lange Jahre mithilfe einer Einstichsonde zwischen der zweit- und drittletzten Rippe einer Schweinhälfte vorgenommen und so die Speck- sowie Fleischdicke gemessen. Diese Werte lieferten dann die Grundlage für die Berechnung des Muskelfleischanteils je Schweinehälfte. Auf allen großen Schlachthöfen ist die AutoFOM-(automatische Fat-O-Meater) Methode jedoch mittlerweile Standart. Der ungeöffnete Schlachtkörper wird hierbei der Länge nach von 16 Ultraschallsensoren vermessen, die ca. 130 Einzelwerte über die Fett- und Fleischdickenmaße liefern. Hierdurch können die wertvollen Teile des Schweins (Lachs, Schinken, Schulter und Bauch) auf Grundlage einer Punkteskala bewertet und genau abgerechnet werden. Für den Schweinemäster bedeutet dies auf der einen Seite eine absolut faire Bezahlung, auf der anderen Seite jedoch auch, dass er nun noch „genauer“ die Fütterung und Schlachttermine abstimmen muss, um keine Punktabzüge bzw. Preiseinbußen zu verzeichnen.

Nähere Informationen zum AutoFOM-Verfahren könnt ihr unter folgenden Links erfahren:
www.pigpool.de
www.westfleisch.de

Im Stall ging es dann gemeinsam mit Otto im Bereich Klauenpflege weiter. Die Schweineklaue wächst etwa 6-9 mm pro Monat und eine regelmäßige Behandlung variiert von Betrieb zu Betrieb aufgrund unterschiedlicher Bodenbeläge, Haltungsformen und dadurch unterschiedlichem Abrieb des Horns. Was jedoch laufend beachtet werden sollte ist die Korrektur der Afterklaue. Diese können zu lang werden und dann droht die Gefahr des Abrisses. Somit hieß es für uns Fußnägelschneiden bei den Sauen, die kurz vor dem Abferkeln standen. Ganz genügsam und relaxed ließen sie die Prozedur über sich ergehen. Handwerkzeug hierfür können handelsübliche Astschären aus dem Baumarkt sein. Anhand von Unterlagen und Krankheitsbildern im Bestand konnten wir auch weitere Klauenprobleme beobachten und kennen lernen.

Nach dem Mittag ging es gleich im Lehrsaal am Stall weiter. Eine kurze Präsentation zum Thema „Umgang mit dem Tier“ sollte uns noch einmal verdeutlichen, wie wir uns im Stall zu verhalten haben. Wie in der Rinderhaltung ist auch bei Schweinen der ruhige Umgang das A und O. Hilfreich sind hierbei die Paddel oder Treibbretter, die den Umgang mit dem Schwein immens erleichtern. Wie sehr man auf diese Hilfsmittel angewiesen ist, konnten wir dann auch gleich im Anschluss selber austesten als wir versuchten mit 5 Leuten ein 100 kg schweres Mastschwein dazu zu bewegen zum Wiegen die Waage zu betreten – ohne Erfolg.

Dass Hygiene und Sauberkeit in Ställen dieser Größenordnung wichtige Themen sind, haben wir bereits beim ersten Betreten des Neubaus in der „Hygieneschleuse“ selber erfahren. Nachdem beispielsweise die Schweine eines Mastabteils entweder den Betrieb verlassen oder in ein anderes Abteil gewechselt sind, steht die Grundreinigung an. Diese Prozedur haben wir dann einmal im Schnelldurchlauf nachvollzogen. Die Gülle im Kanal wird abgelassen, die Lüftung ausgeschaltet und alles wird zunächst besenrein gesäubert. Das Einweichen erfolgt im Stall durch vorinstallierte Sprinkleranlagen. Etwa 1-1,5 Liter Wasser pro m² sollten bei einer Einwirkzeit von 2-3 Stunden ausgebracht werden. Danach wird der Stall eingeschäumt und abschließend wird das Abteil mit einer 3-prozentigen Lösung desinfiziert. Durch eine Reinigung dieser Art lässt sich die Keimbelastung in einer Größenordnung von Milliarden auf Tausende reduzieren.

Für den Zukauf von Tieren aus anderen Betrieben stehen in Schwarzenau Eingliederungsabteile zur Verfügung. In dieser Quarantäne verbleiben die Tiere für 3 Wochen bevor sie mit Tieren aus dem Betrieb in Kontakt gebracht werden. In dieser Quarantänezeit gilt eingeschränkter Personenverkehr und für das Personal Schutzkleidungspflicht.

Mit diesem letzten Thema schloss Helmut den Mittwoch ab und wir fuhren wieder zurück zum Betrieb. Das Abendbrot stand für uns schon bereit.

Zum passenden Fotoalbum.

Beginnt mit Tag 1 und Tag 2.

Text: Jörn Gläser
Foto: Jörn Gläser
offline

Geschrieben von

Private Nachricht schreiben »

Agrarsani

Agrarsani

Alter: 32 Jahre,
aus Wedemark

Schlagwörter

fachhochschule, ferkelaufzucht, lfl, schwarzenau, schweine, schweinemast, schweinhaltungskurs, weihenstephan

Bitte gib die Schlagwörter mit Komma getrennt ein.

Kommentare

09.05.2011 16:19 Kaix
Super Bericht und Fotos!
Tipp für iPhone-Benutzer: Du kannst alle Kommentare durchblättern, indem du zwei Finger zum Scrollen verwendest.
Zum Seitenanfang