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Agrarsanis Landwirtschafts-Blo...

Spannende Themen aus der Landwirtschaft (88 Einträge)

Tag 4 Schwarzenau 23.jpg Tag 4 Schwarzenau 14.JPG Tag 4 Schwarzenau 33.JPG
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22.04.2011, 02.36 Uhr

Tag 4 Tierhaltungskurs Schwerpunkt Schwein in Schwarzenau

Beginnt bei Tag 1, Tag 2 und Tag 3.

Weitere Fotos findet ihr im passenden Fotoalbum.

Am Donnerstag ging es ein weiteres Mal früh raus. Um 6 Uhr trafen wir uns mit Helmut am bereitstehenden Bus im Hof und fuhren die bekannte Strecke hinaus zum Stall. Mit Stallkleidung ausgestattet trafen wir dann auf Simone. Mit ihr machten wir den morgendlichen Kontrollgang durch einen Teil der Abteile. Der heutige Tag ist der Haupt-Abferkeltag und somit war gleich im ersten Abteil von zwei Mitarbeitern Geburtshilfe zu leisten. Bis um Mitternacht war einer der Kollegen im Stall um, wenn nötig, beim Abferkeln zu unterstützen. Seit 4 Uhr am Morgen ist nun unter anderem Simone im Stall und zeigt uns gleich worauf es beim morgendlichen Kontrollgang ankommt. Befindet sich Restfutter in den Trögen der Muttersauen? Wie liegen die Ferkel und wie liegt die Sau? Wie verhält sich die Sau beim Säugen? All das sind Indizien, über die Rückschlüsse auf das Wohlbefinden der Tiere gezogen werden können. In dem Kastenstand verbringt die Sau nicht ihr ganzes Leben, wie von vielen Menschen angenommen. Eine Woche vor dem Abferkeln kommt die trächtige Sau dann in den Kastenstand. Dort bleibt sie zusammen mit den Ferkeln für vier Wochen Schutz der Ferkel hier untergebracht.

Nach dem Frühstück widmeten wir uns mit Helmut dem Thema Futtermittel. Die Bedeutung des Rohfaseranteils der Futterration stellte Helmut als sehr wichtig hervor, denn dieser dient zur Gesunderhaltung des Darms und trägt zum Wohlbefinden der Tiere bei. Dann gingen wir die einzelnen Bestandteile der wichtigsten Futtermittel durch, die in der Schweineproduktion bedeutend sind. Damit wir uns jedoch nicht zu weit in der Theorie verloren, besichtigten wir dann den dritten großen Teil des Stallkomplexes, die Futterhalle. Von hier aus werden die Futtermischungen in den ganzen Stall verteilt und gelangen dann beispielsweise durch einen Luftstrom als Trockenmasse über Rohrleitungen zu den Futtertrögen und Abrufstationen. Hier wird das Trockenfutter dann entweder automatisch mit Wasser vermischt oder die Tiere haben selber die Möglichkeit Wasser hinzuzumischen. Auch hierbei gibt es unterschiedlichste Systeme verschiedener Hersteller, die wir uns in Schwarzenau anschauen konnten.

Nach dem Mittag trafen wir uns mit Christof am Stall. Die so genannte Wurfbehandlung stand auf dem Lehrplan. Nach der Geburt bleiben die Ferkel bis zu einem Gewicht von 4 bis 6 kg bei der Muttersau. In der ersten Lebenswoche werden bei den Ferkeln die Eckzähne geschliffen, dies zeigte uns eine Kollegin von Christof. Der Handschleifer ist mit einem Abstandshalter versehen, somit kann lediglich auf die vorgegebene Länge geschliffen werden und Verletzungen werden verhindert. Mit dem Schleifen der Eckzähne wird die Verletzung des Gesäuges der Muttersau vermindert. Direkt im Anschluss werden die Schwänze der Ferkel kupiert. Das mögliche Auftreten des Schwanzbeißens innerhalb der Gruppe kann somit minimiert werden. Dies geschieht mithilfe eines heißen Drahts wodurch die Nerven im Schwanz des Ferkels direkt wieder verschlossen werden. Dann bekommt das Ferkel eine Eisengabe, die den großen Eisenbedarf in den ersten Lebenswochen decken soll. In den ersten Tagen werden die Ferkel zudem kastriert, auch dies zeigt uns Christofs Kollegin. Grund für die Kastration ist, dass einige Eber vor der hierzulande üblichen Schlachtreife
den sogenannten „Ebergeruch“ entwickeln würden. Etwa 75 Prozent der Menschen können den Ebergeruch wahrnehmen und empfinden ihn als unangenehm. Nach der Gabe von Schmerzmitteln, was in QS-Betrieben seit April 2009 Pflicht ist, war der routinierte Eingriff in wenigen Sekunden vorgenommen und die Wunde mit antibiotischem Puder versorgt. Die einzelnen Schritte der Wurfbehandlung dürfen in den ersten 7 Tagen vom Schweinehalter oder den Angestellten selber vorgenommen werden.

Nach der Wurfbehandlung wechselten wir in den Maststall um uns dort mit dem Thema Stallklima auseinander zu setzen. Es gibt eine Vielzahl an Lüftungssystemen, wovon auch einige in den Abteilen in Schwarzenau ausprobiert werden. In unserem Abteil erfolgt die Zuluft von unten durch eine Oberflur-Absaugung. Wichtig ist, dass keine Zugluft im Stall entsteht und die Luftgeschwindigkeit unter 0,1 Meter pro Sekunde liegt. Temperaturen in den Abteilen können einzeln gesteuert werden und liegen beispielsweise bei Mastschweinen in der Endmast (55 kg bis 110 kg Lebendmasse) bei 20 bis 24 °C. Ferkel brauchen es hier etwas wärmer zwischen 22 und 28 °C. Die relative Luftfeuchtigkeit sollte in beheizten Ställen zwischen 40 % und 60 % liegen. Auch für die Beleuchtungsintensität gibt es Vorgaben und Optimalwerte, die bei mindestens 80 Lux und 8 Stunden pro Tag liegen sollten. Mit unterschiedlichen Messgeräten haben wir dann alle Parameter nachmessen und kontrollieren.

Mit diesen letzten Erkenntnissen war auch der Donnerstag bereits um und wir wollten nach dem Abendbrot den letzten Abend in Schwarzenau noch einmal gemütlich ausklingen lassen.

Weitere Fotos findet ihr im passenden Fotoalbum.

Text: Jörn Gläser
Foto: Jörn Gläser
offline

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Agrarsani

Agrarsani

Alter: 32 Jahre,
aus Wedemark
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Schlagwörter

fachhochschule, ferkelaufzucht, lfl, schwarzenau, schweine, schweinemast, schweinhaltungskurs, weihenstephan

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