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Agrarsanis Landwirtschafts-Blo...

Spannende Themen aus der Landwirtschaft (88 Einträge)

Hopfen aus der Hallertau - Landwirt Michael Eichinger Hopfen Panorama.JPG Hopfen 03.JPG
437 mal angesehen
13.05.2011, 20.21 Uhr

Hopfen aus der Hallertau

Unterwegs in Oberbayern – Mit Ausgangspunkt Freising haben waren wir heute im größten zusammenhängenden Hopfenanbaugebiet der Welt unterwegs. In der Hallertau, auch Holledau oder Hollerdau genannt, werden auf etwa 15.000 Hektar Anbaufläche ca. 85 Prozent des deutschen Hopfens erzeugt, was insgesamt etwa 30 Prozent der Weltanbaufläche an Hopfen entspricht. In der hügeligen Gegend mit einer Ost-West Ausdehnung von 65 Kilometern und einer Nord-Süd Ausdehnung von rund 50 Kilometern, prägen hohe Holz-Draht-Gerüste die Landschaft. Wir sind heute unterwegs um eine Stimme aus der Praxis einzuholen, vom momentanen Stand des Hopfenanbaus zu berichten und zudem einen vielseitig aufgestellten Betrieb mit dem Schwerpunkt der Hopfenproduktion vorzustellen.

Zum Videobericht bei agrarheute.com

Nahe Attenkirchen, dem südlichen Tor zur Hallertau, sind wir mit Michael Eichinger verabredet. Er baut neben Mais und Getreide auch 15 Hektar Hopfen an. Als wir am Hof eintreffen, ist Michael gerade dabei auf den hofnahen Flächen die Hopfenpflanzen mithilfe eines am Schlepper montierten Seitengeräts anzuackern. Dadurch werden aufkommende Unkräuter bekämpft und die Entwicklung der Sommerwurzeln unterstützt, erklärt uns Michael im Hopfengarten. Der 35-jährige hat den Betrieb vor zwei Jahren von seinen Eltern übernommen und trägt nun die Verantwortung für den seit über 400 Jahren bestehenden Familienbetrieb. Für das Anpflügen setzt Michael einen Case IH 833 mit 60 PS Leistung ein. Ein hydraulisch angetriebener Teller ist auf Höhe der Kabine zwischen den Achsen angebracht und befördert die Erde zu einem Bifang an die Pflanzen. Michael muss während der Fahrt aufpassen, dass er die Pflanzen nicht verletzt oder mit zu viel Erde begräbt. Die Feinsteuerung kann Michael über einen kleinen Joystick vornehmen.

Bevor Michael jedoch heute mit dem Schlepper in den Hopfen fahren konnte, war in den letzten Tagen und Wochen Handarbeit angesagt. Mit gut 45 Arbeitsstunden je Hektar kalkuliert Michael den Arbeitsaufwand, den das so genannte Hopfenputzen in Anspruch nimmt. Bei jeder der rund 56.000 Pflanzen werden hierbei von Hand die überflüssigen Triebe und Blätter entfernt und je Pflanze 3 Triebe im Uhrzeigersinn an die Drähte angeleitet. Die Reben winden und wachsen nun im Optimalfall mit dem Verlauf der Sonne den Draht hinauf. Das Anleiten gehört zu den aufwendigsten Tätigkeiten im Hopfenbau und wird auch in den nächsten Wochen immer wieder notwendig werden, denn wegen ungünstigen Ostwinden müssen einzelne Reben wieder zurück an den Draht gebracht werden.

Michael zeigt uns neben dem Hallertauer die Aromahopfen Perle und Select, sowie Magnum und Herkules als Bitterstoffhopfen, die er dieses Jahr anbaut. Die Arbeit beginnt im Winter unter anderem mit dem Aufhängen der Aufleitdrähte. Das Zuschneiden und das Begrenzen des Stockes sowie erste Bodenbearbeitungen bringen den Hopfen auf den jetzigen Entwicklungsstand. Bis der Hopfen letztendlich geerntet werden kann, stehen jedoch noch weitere Pflanzenschutzbehandlungen beispielsweise gegen die Hopfenblattlaus, die Rote Spinne, Peronospora als primäre und sekundäre Infektion oder den Mehltau an. „An Arbeitsaufwand ist der Hopfen nur schwierig zu überbieten“, scherzt Michael. Insgesamt bringt es die ausdauernde Kletterpflanze auf sage und schreibe 200 bis 240 Arbeitsstunden je Hektar.

Michael erklärt uns die Vermarktung des Hopfens. Der Hopfen kann beispielsweise als Vertragshopfen vermarktet werden, wobei für ein oder mehrere Jahre Kontrakte abgeschlossen werden. Viele Hopfenanbauer nutzen aber auch die Möglichkeit ihre Erzeugnisse als Freihopfen zu vermarkten, wobei vorab keine Lieferverträge abgeschlossen werden und die jeweilige Marktentwicklung den Preis bestimmt. Für den Hopfen der Sorte Hallertauer hat Michael erst kürzlich einen neuen Vertrag mit einem Zwischenhändler abgeschlossen. Bestimmt ist dieser Hopfen, wie bereits in den vergangenen Jahren, unter anderem für die Bosten Beer Company in Amerika. Der Braumeister selber reist jedes Jahr aus den USA an, um die gewünschten Hopfensorten und –Hopfenqualitäten einzukaufen.

Bei Michael drängt die Zeit. Neben den Arbeiten im Hopfen ist für den heutigen Tag auch noch die erste Pflanzenschutzbehandlung für die 18 Hektar Mais geplant. Der blaue Landini Powerfarm 80 steht hierfür mit angebauter Pflanzenschutzspritze schon in den Startlöchern.

Weiter geht die Betriebsbesichtigung mit Vater Johann Eichinger. Er zeigt uns wie vielfältig der Betrieb aufgestellt ist. Der angebaute Silomais ist für die Bullenmast bestimmt, die ebenso zum Betrieb gehört. 150 Fleckvieh Bullen sind eingestallt und bleiben bis zu einem Gewicht von 630 bis 650 kg auf dem Hof. Bei der Fütterung setzt der Familienbetrieb auf eigene Erzeugnisse. „Eine Tagesration besteht aus 20-24 kg Mais und jeweils 1,3 kg Getreide und Rapsextraktionsschrot“, erklärt uns Eichinger Senior, während er den Bullen das Futter ranschiebt. Seit einigen Jahren gehört auch eine kleine Direktvermarktung zum Betrieb. Michael hat hierfür zusätzlich zur Ausbildung zum Landwirt vor 10 Jahren eine Fleischerausbildung gemacht und vermarktet als EU-zertifizierter Betrieb mit eigenem Schlacht-, Kühl- und Zerlegeraum einen Teile seines Vorzugs-Bullenfleischs aus eigener Produktion direkt. Auch für andere Betriebe übernimmt er Schlachtungen.

In den Maschinenhallen zeigt uns Johann Eichinger die Geräte, die zur Ernte im September eingesetzt werden. Ein Schlepper erntet mit dem bereitstehenden, so genannten Abreisgerät in der Front und einem Ladewagen im Heck die Reben im Hopfengarten ab und bringt sie zum Hof. An der Pflückmaschine werden die Reben dann einzeln eingehängt und Dolden, Blätter und Stängel automatisch von der Rebe gezupft und gereinigt, sodass am Schluss nur noch die reinen Dolden übrig bleiben. Die getrockneten Hopfendolden werden dann in der Konditionierungskammer homogenisiert, bevor sie dann in 60 kg Big-Packs gepresst werden und für den Abtransport gelagert werden.

An dieser Stelle endet unser Rundgang über den Hof. Doch Johann Eichinger lädt uns herzlich ein, auch während der stressigen Erntephase, bei der die ganze Familie mithilft, noch einmal vorbei zu schauen.

Vielen Dank an Michael und Johann Eichinger für das Interview und die Informationen rund um den Hof.

Zum Fotoalbum mit weiteren Impressionen vom Hopfenbau und dem Hof der Familie Eichinger.

Text: Jörn Gläser
Foto: Jörn Gläser

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Agrarsani

Agrarsani

Alter: 31 Jahre,
aus Wedemark
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Schlagwörter

attenkirchen, bier, eichinger, hallertau, holledau, hollerdau, hopfen

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Kommentare

14.05.2011 12:40 Notill
schön auch mal was aus meiner Gegend zu lesen!
14.05.2011 12:44 Agrarsani
Das freut uns zu hören. Hast du auch schon den Videobeitrag gesehen?
[www.agrarheute.com]

Agrarsani
14.05.2011 21:19 farmer1z
Interessanter Bericht!
Ohne Hopfen schmeckt kein Bier. Aber viele haben keine Vorstellung davon,
wo der Hopfen herkommt und erzeugt wird.
Ich bin gespannt wie es im Laufe des Jahres weiter geht
auf dem Hof der Familie Eichinger.
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