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Aus der Wochenblatt-Redaktion

Neues zum Wochenbeginn (18 Einträge)

130 mal angesehen
04.07.2011, 10.31 Uhr

Echt?

Es trachtelt in Bayern, und zwar ganz gewaltig!
Minidirndl, Rüschenblusen, Joppen aus Mehlsack-Imitaten, Lederhosen im Jodler-Look, schnallenbesetzte Haferlschuhe . . . die Palette ist bunt, genau so die Diskussion darüber, was echt und was falsch ist. Das interessiert die, die Volksfeste wieder „trachtig“ gemacht haben, nicht: Die jungen Leute ziehen einfach an, was ihnen gefällt. Damit tun sie nichts anderes als
Generationen vor ihnen. Vor 200 Jahren schrieb ein Journalist über die damalige bürgerliche Kleiderkultur in Wien süffisant: „D’ Hosen war türkisch, d’ Stiefeln preußisch, d’ Leibl ungarisch, der Frack englisch und der Sturmhut russisch.“

Eine „originale“ Tracht können berufsmäßige Trachtenforscher bis heute nicht ausmachen, weder für Oberbayern noch für den Rest der Welt. Aber immer schon haben sich die echten Trachtenträger über die falschen aufgeregt. Selbst als der erste Trachtenverein im Jahr 1883 gegründet wurde – übrigens zum Zwecke, das Echte zu bewahren –, bekrittelte man deren Kluft als „neubayerisch“.

Was von unserer heutigen Art, sich zu kleiden, bleiben wird, kann man icht sagen. Die derzeit aktuelle Kombination von langen Unterhosen unter luftigen Sommerkleidchen in der Damenmode wird eher nicht in die Geschichte der Oberbekleidung eingehen, und Männerhosen, bei denen der Schritt in den Kniekehlen hängt, werden sich kaum zum Klassiker entwickeln – auch wenn es beileibe nicht die ersten Mode-Kuriositäten sind. Nicht anders ist es sogenannten echten Trachten ergangen, bei denen jede Frau wie eine Tonne aussah: keine Taille, sondern brustabwärts ein Wall von schwerem Stoff. Bei den Männern nicht anders: Überladene Kombinationen mit knopfübersätem Wams, massivem Geldranzen und überdimensioniertem Hut machten aus manchem Träger eher ein Zirkuspferd als ein g’standenes Mannsbild.
Herkunft, Stand und Reichtum konnte man an solcher Bekleidung ablesen, aber wer sehnt sich wirklich zurück in die Zeit, als nicht nur vorgeschrieben
war, wie man sich als Bauer oder Bürger beziehungsweise „deutsch“ oder „bayerisch“ zu kleiden hatte? Es muss einem nicht alles gefallen, was heute trachtig daherkommt, aber kleinkariert sollte bei der Tracht allenfalls das
Muster sein. Die Wahrheit über echt und falsch hat ohnehin niemand gepachtet.

Anna Knon, Redaktion BLW


Übrigens: zu diesem Thema wurde ein aktueller Thread gestartet: [agrarheute.landlive.de]
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