Zur mobilen Version wechseln »
NachrichtenThemenMediathekCommunityWetterMärkte & PreiseShopBranchenbuchagrarheute.comlandlive.de
Erweiterte Suche »
UploadChatForenFotosFotoalbenVideosBlogsTermineMitgliederGruppenPartnersuche

Aus der Wochenblatt-Redaktion

Neues zum Wochenbeginn (18 Einträge)

130 mal angesehen
12.09.2011, 11.15 Uhr

Unglaublich

Meine Eltern sind beide über 80. Wenn wir zusammensitzen, unterhalten wir uns über Gott und die Welt. Beim Weltlichen ging es neulich ums Essen. Mama erzählte, dass sie als Kind immer den Abwasch machen musste. 18 Personen saßen täglich am Tisch, entsprechend hoch war der Berg von Geschirr, der sie nach der Schule daheim erwartete. Da erzählte der Lehrer eines Tages davon, dass in Amerika Geschirr verwendet wird, das nach dem Essen weggeworfen wird.
Das Schulkind Kathi jauchzte innerlich: endlich keine schweren Töpfe mehr spülen; hoffentlich kommt dieses Wegwerfgeschirr bald zu uns! Das war Mitte der 30er-Jahre. Und Mitte der 50er-Jahre – erzählte nun Papa – ließ der Ortspfarrer bei einer Predigt einfl ießen, dass die Zeit kommen werde, in der sich die Menschen von Tabletten ernähren. Einfach unglaublich, was der Geistliche, auf den er so viel hielt, da sagte!
Und heute, da Wegwerfgeschirr und Nahrungsergänzungspillen längst gang und gäbe sind, gibt es immer noch neue, verstörende Geschichten. So konnte man bei der Hochschultagung in Weihenstephan vor zwei Jahren hören, dass in Amerika rund 70 Prozent der verzehrten Kalorien ohne Besteck aufgenommen werden. Steigend sei auch die Nachfrage nach „Einhand-Lebensmitteln“.
Die zweite Hand brauchen immer mehr Leute für andere Tätigkeiten: Auto fahren, telefonieren, simsen, scrollen, zappen ... Einhandfähig ist zwar auch ein Apfel, aber der ist damit nicht gemeint, sondern Imbisse, die die Computertastatur nicht verbröseln, Autositze nicht verpatzen, ein gutes Mundgefühl erzeugen und nicht zuletzt in der Herstellung maschinengängig sind. Damit das alles klappt, sind viele Experten und viele Prozesse notwendig. Wer diese Produkte isst, befindet sich übrigens in bester Gesellschaft:
Genießer und solche, die sich dafür halten, haben die Molekularküche zur „Spitzen“-Gastronomie erhoben; hier sind die Lebensmittel nur noch Vehikel, um mithilfe von Chemie und Physik prickelnde Geschmackserlebnisse auf den Gaumen zu zaubern.
Diese „ver-rückte“ Lebensmittelwelt wollen wir im Wochenblatt in einer Artikel-Serie durchleuchten. Was passiert mit den Lebensmitteln, die auf unseren Höfen erzeugt werden? Was handeln wir uns im Supermarkt ein? Und welcher Luxus sind Lebensmittel, die von solchen Prozeduren verschont werden!

Anna Knon, Redaktion BLW
offline

Geschrieben von

Schlagwörter

Bitte gib die Schlagwörter mit Komma getrennt ein.

Kommentare

Zum Seitenanfang