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Nils Schmid im Fettnapf

Zukunfst Ländliche Räume (1 Eintrag)

189 mal angesehen
02.08.2012, 11.20 Uhr

Der trommelt nicht, haut aber ganz schön auf die Pauke

Die Meldung, wie BaWüs Wirtschaftsminister Nils Schmid die ländlichen Räume sieht, haben sicher viele gelesen. Wenn nicht, hier noch mal ein paar Links dazu.

[dlz.agrarheute.com]
[www.agrarheute.com]

Hier mein Kommentar dazu:
(online auf: [dlz.agrarheute.com]

Schmid: Der trommelt nicht, haut aber ganz schön auf die PaukeLiebe Leserinnen, liebe Leser, ich weiß nicht wie es ihnen dabei geht, aber mir grummelt es immer öfter im Magen, wenn ich so durch die Reihen der Politik schaue. Ganz egal, ob im Bund oder den Ländern. Vielleicht täuscht mein Eindruck, ich habe es nie nachgezählt. Gefühlt wirken die Politikerreihen aber auf mich immer mehr so, dass da schon einige einfach das Arbeitsleben überspringen, frisch und fröhlich direkt von der Hochschule in verantwortliche Positionen flutschen, zum Beispiel als Familienministerin, oder als Wirtschaftsminister. Beides nicht gerade nachrangige Ressorts.

Zu der Garde gehört auch Nils Schmid, SPD-Chef in Baden-Württemberg und dort Wirtschaftsminister. Vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg im vergangenen Jahr war über ihn zu lesen, er sei kein Trommler oder Lautschläger; und es gäbe niemand seriöseren in der Finanzpolitik als ihn. So schreibt zumindest die Wochenzeitung „Die Zeit“ in ihrer Online-Ausgabe. Ganz verkehrt ist das wohl nicht – wenn man es denn auf die Steuerpolitik beschränkt. Hat Schmid doch bei Ferdinand Kirchhof seinen Doktortitel gemacht, einem anerkannten Finanz- und Steuerrechtler. Übrigens: Nicht zu verwechseln mit dessen Bruder Paul Kirchhof, der einstmals für eine radikale Reform des deutschen Steuerrechts stand.

Mag sein, dass diese Radikalität im Denken des Bruders via Ferdinand Kirchhof auf dessen Schüler Schmid abgefärbt hat. Nur bedauerlicherweise halt eben ohne einen profunden eigenen Erfahrungsschatz aus Leben, Arbeitswelt oder Wirtschaft im Rücken. Wenn Nils Schmid nun in der Stuttgarter Zeitung große Töne geblasen hat, es käme auf einen Bauern mehr oder weniger im Schwarzwald nicht an oder es könne dort auch mal ein Tal zu wachsen, dann zeugt das nicht bloß von landwirtschaftlichem Un-Sachverstand, sondern erst recht von gesamtwirtschaftlicher Ignoranz.

Erziehungspausen sind ja in der Politik heute nicht mehr ungewöhnlich. Mein Rat an Baden Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann lautet aber, er sollte dem Familienvater Schmid mal eine Auszeit für ein Praktikum in Sachen Wirtschaftsleben genehmigen. Ein Schaden für Baden Württemberg wäre es nicht, denn so richtige Impulse hat man von Schmid bisher nicht mitbekommen.

Egal wie intensiv sich Unternehmen um ihre Schützlinge auf Zeit kümmern, bei Praktika bleibt immer irgendwas hängen. Daher bestünde durchaus Hoffnung, dass Schmid mit ein bisschen mehr an Einsicht und Kenntnissen über die Zusammenhänge zwischen verschiedenen Wirtschaftszweigen und ihre Verflechtung mit gesellschaftlichen Erfordernissen auf seinen Ministersessel zurückkehren könnte. Denn: Branchenzweige und Bürger hängen enger zusammen als Schmid es am Beispiel Schwarzwald skizziert hat. Gerade vor dem Hintergrund demographischen Wandels. Tourismus und Landwirtschaft gehören im Schwarzwald unverrückbar zusammen.

Landwirtschaft dort sterben zu lassen, hieße die Lebenswürdigkeit dieser Räume massiv zu verschlechtern. Für die, die von der Landwirtschaft leben, für die, die vom Tourismus leben, für die, die Wirtschaftspartner dieser Branchen sind - und auch für die, die in ganz anderen Wirtschaftszweigen dort arbeiten. Und was wäre die Folge? Die Menschen müssten abwandern in die Ballungsräume. Damit würden sich aber genau dort die Herausforderungen verschärfen, die Schmid als Begründung anführt, um die Förderung des ländlichen Raums zu kappen. Gleichzeitig bliebe eine Region zurück, die nur noch am Wochenende bevölkert ist. Solche Regionen kennt man aus dem benachbarten Frankreich zuhauf, und deren Probleme ebenso.

Solche Zusammenhänge lernt man halt nicht aus Lehrbüchern. Man muss sie erfahren und aus eigener Anschauung kennen. Wer nur in Hochschule, Parteigremien oder Ministerien die Welt der Arbeit und Wirtschaft anschaut, sie aber nicht selbst erlebt, von dem kann man halt auch nicht mehr erwarten. Wenn Sie klug sind, Herr Schmid, machen Sie jetzt in der Sommerpause ein ausführliches Praktikum. Vielleicht bei einem Landwirt im Schwarzwald. Das vermittelt Ihnen das dlz agrarmagazin gerne!

Detlef Steinert
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Detlef

Detlef

Alter: 52 Jahre,
aus München
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