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Der gruuna-Blog

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Nahrungsmittelspekulation
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06.04.2013, 10.18 Uhr

Der Kampf mit der Nahrungsmittelspekulation

Eine gute Sache, bei der man richtig Kohle machen kann, sagen die einen, ein Unding, das für den Welthunger schuld ist, die anderen. Die Nahrungsmittelspekulation, also der Handel an der Börse mit Lebensmittelrohstoffen, ist heiß diskutiert. Gegner, wie die Verbraucherzentralen sowie die federführende Organisation in der Causa ”Anti-Spekulation”, Foodwatch, werfen den Banken Gier auf Kosten der Verbraucher und, noch viel schlimmer, auf dem Rücken der Hunger leidenden Bevölkerung der sogenannten „Dritten Welt” vor. Der Preiskampf würde nämlich die Lebensmittelpreise drastisch in die Höhe schnellen lassen.

„Wir haben keinen Nachweis gefunden, dass die Spekulation für die Preisentwicklung verantwortlich ist”, heißt es vonseiten der Deutschen Bank. Tatsache ist allerdings, dass die Preise für Weizen und Mais, nach einem allgemeinen Aufwärtstrend seit 2006, gegen Ende des Vorjahres förmlich explodierten. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und die Vereinten Nationen (FAO) zeigten 2011 in einer Studie auf: Forscher sind sich darin einig, dass ein hohes Maß an Spekulation an den Terminbörsen starken Einfluss auf Preisbewegungen hat. Die Preisspitzen ließen sich folglich ohne eine exzessive Spekulation mit Nahrungsmitteln nicht erklären, lassen die beiden Organisationen wissen. Selbst das alte Handelsgrundprinzip „Das Angebot bestimmt die Nachfrage” kann in diesem Zusammenhang infrage gestellt werden. So war die globale Weizenernte 2010 gut, dennoch stiegen die Preise nach einem kleinen Ausfall in Russland rapide an. Umgekehrt waren die Weizenernten in den Jahren 2003/2004 schlecht, ohne dass dies einen Preisanstieg zur Folge hatte. Befürworter der Spekulation an Terminbörsen können sich also nicht an den Launen der Natur festhalten.

Jürgen Fitschen, Co-Chef der Deutschen Bank, wartet auch mit Studien auf. 35 Papiere, die belegen sollen, dass die Preisentwicklungen nichts mit den Terminbörsen zu tun haben, würde er in Händen halten. Fitschen hält sich unter anderem an einer unabhängigen Studie, die Prof. Ingo Pies, Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftsethik an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, als Mitautor veröffentlicht hatte. „Man hat genau analysiert, wie war der Einfluss dieser Indexspekulationen einmal auf die Volatilität der Agrarpreise, also auf das Auf und Ab? Und zum Zweiten: Wie war der Einfluss auf das Preisniveau?”, heißt es dort. Das sind genau die Worte, auf die Fitschen gewartet hatte.

Dennoch bleibt die Organisation Foodwatch bei ihrer Meinung: „Die Deutsche Bank”, sagte Foodwatch-Gründer Thilo Bode gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, „handelt mit ihrer Entscheidung, weiterhin Finanzinstrumente auf Agrarprodukte anbieten zu wollen, in hohem Maße unverantwortlich”.

Lesen Sie nächsten Samstag, wie die Medien mit dem Thema „Nahrungsmittelspekulation” umgehen.

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