Zur mobilen Version wechseln »
NachrichtenThemenMediathekCommunityWetterMärkte & PreiseShopBranchenbuchagrarheute.comlandlive.de
Erweiterte Suche »
UploadChatForenFotosFotoalbenVideosBlogsTermineMitgliederGruppenPartnersuche

Der gruuna-Blog

(440 Einträge)

Sturmflut 1913, Nord- und Ostseeküste
163 mal angesehen
21.12.2013, 11.13 Uhr

Weiße Weihnachten? 100 Jahre Schmuddelwetter (Teil 1: 1913 – 1934)

Meteorologen haben sich jetzt getraut, eine Prognose für das diesjährige Weihnachtsfest abzugeben. Eine schlechte Nachricht für Romantiker, Postkartenmotive mit schneebedeckter Landschaft werden wohl ausbleiben. Dafür soll es richtig ungemütlich werden, Schmuddelwetter und Sturmböen erwarten uns in den Weihnachtsfeiertagen kommende Woche.

Doch wo sind die Bilder hingekommen, die ältere mit ihrer Kindheit verbinden und jüngere Leute von alten Gemälden und Historienfilmen kennen – trockene, dicke Schneedecken, Kinder auf Hängen mit ihren Schlitten, Schlittschuhläufer auf zugefrorenen Bächen und Teichen, mollig warm in dicke Schals gepackt – ist das wirklich Schnee von gestern oder existieren die Bilder wirklich nur in den Gedanken der Maler romantischer Bilder? Wir haben uns die Entwicklung der Wetterlagen zu Weihnachten der letzten hundert Jahre angeschaut und haben Erstaunliches entdeckt.

Im Dezember 1913 bot das Wetter keinen schöneren Anblick als genau hundert Jahre später. Etwa ein halbes Jahr vor Ausbruch des ersten Weltkrieges tobten in Deutschland heftige Unwetter. Der Norden Deutschlands wurde am 4. Dezember von schweren Stürmen heimgesucht, die im Ostseeraum zu Überschwemmungen führten. In Berlin hingegen schneite es, für den Geschmack der Bewohner des damaligen Deutschen Kaiserreiches, zu viel, denn die Hauptstadt versank geradezu in den Schneemassen. Das globale Wetter war nicht besser. In Texas forderten am 3. Dezember schwere Überflutungen 20 Menschenleben.

Mit der Ermordung des österreichischen Thronfolgers Erzherzog Franz Ferdinand am 28. Juni 1914 in Sarajevo begann der Erste Weltkrieg. Europa war zu diesem Zeitpunkt nicht nur von politischen und wirtschaftlichen Krisen gebeutelt, sondern auch vom Wetter und von Naturkatastrophen. Der Winter 1914/1915 war gekennzeichnet von sehr heftigen Wechseln, wie man sie nur in der heutigen Zeit der Klimadiskussion vermuten würde. Am 13. Januar 1915 wurde die italienische Toskana von einem schweren Erdbeben heimgesucht, 30.000 Menschen sterben. In Deutschland tobten Schneestürme, die allerdings schon im Februar in Tauwetter und heftigen Regenfällen endeten. Der folgende Sommer war von einer Hitzewelle gekennzeichnet. Am 10. Juni wurden in Berlin 35 Grad Celsius gemessen, damals die höchste Temperatur in Deutschland seit Beginn der Aufzeichnungen.

Bis in die 20er Jahre waren die Winter geprägt von Regen und Unwettern. Am 24. Dezember 1921 war weit und breit keine romantische Winterlandschaft zu sehen – Regen, Regen, Regen. Am 1. Januar führte der Dauerregen zu einer Springflut an der Nordsee, der Strand der Insel Sylt wurde einfach weggespült. Das nasskalte Wetter hielt bis Ende Januar 1922 an. Da schlug das Wetter in eine extreme Kältewelle um, bis minus 20 Grad Celsius wurden gemessen, zu kalt für romantische Winterspaziergänge. Im April war dann Schluss mit Frieren, die Temperaturen stiegen nahezu in Rekordtempo an. Zu Ostern desselben Jahren wurden plus 25 Grad gemessen, innerhalb von etwa zwei Monaten ein Temperaturanstieg von 45 Grad Celsius.

Die deutschen Winter der folgenden Jahre waren geprägt von Schmuddelwetter, Stürmen, Überschwemmungen und sogar Orkanen. Eine Ausnahme machte der Dezember 1926. Zu Weihnachten dieses Jahres wurden Frost und weiße Landschaften aufgezeichnet. Der Januar 1927 war wiederum sehr mild und schneearm.

Nur zwei Monate später kam zum erstenmal das Wort „Klimawandel“ ins Gespräch. Der damalige Leiter des Deutschen Wetterdienstes setzte sich in einem Presseartikel mit der Frage auseinander, ob die milden Winter der vorangegangenen Jahre auf eine langfristige Klimaveränderung hindeuten würde. Er kam allerdings zum Schluss, dass es keine Klimaveränderung gäbe.

Die Winter in den 30er Jahren waren gekennzeichnet von Wechselbädern aus kurzen Schneeperioden, vor allem in Süddeutschland, und Naturkatastrophen aufgrund von starken Regenfällen in ganz Europa mit zahlreichen Toten. Nachdem im Sommer 1934 aus der ganzen Welt von Naturkatastrophen und Wetterextremen berichtet wurde, in New York wurden im Juli 55 Grad Celsius (!) gemessen, kam in Deutschland der Winter, allerdings zu früh. Anfang November war das Land des damaligen Nazi-Regimes von Schnee bedeckt, der nicht lange blieb. Der Dezember ging als „Frühjahrsweihnacht“ in die Wettergeschichte ein, knospentreibende Bäume und Sträucher prägten das Landschaftsbild.

Der zweite Teil erscheint am 25. Dezember auf die-wetterversicherung.de. Wie Deutschland das Weihnachtswetter vom Zweiten Weltkrieg bis heute erlebten.

––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
Wo du uns noch findest:

Besuche auch unseren gruuna-Blog, mit weiteren landwirtschaftlichen Themen und unsere Facebook-Seite. Auf Google+ findest du uns hier. Auch in Twitter sind wir vertreten.
Anzeige

Schlagwörter

Bitte gib die Schlagwörter mit Komma getrennt ein.

Kommentare

Anzeige
Zum Seitenanfang