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dlzUNTERWEGS: Osteuropa

Osteuropa und die Milchviehhaltung (11 Einträge)

Von Hannover nach Polen Afrikanische Schweinepest Sicherheit geht vor!
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31.03.2014, 07.19 Uhr

Tag 1: Der Start

Ein viel zu großer Wanderrucksack, kein Frühstück im Haus, geschlossene Bäckerfilialen – oh man welche ein Start in den ersten Roadtrip-Tag! Auf dem Weg zum Verlag in Hannover teilte ich mir die Bahn mit den Nachtschwärmern. Die Heimkehrer unterhielten sich lallend, wenn nicht stil- dann aber voll über den Typen an der Bar, die Schminke, der vor Stunden schick hergerichteten Damen hatte an Form und Farbe verloren und um mich herum roch es nach Cola-Rum und billigem Aftershave – Wochenende eben!

Am Verlag angekommen stapelten wir ruckzuck unsere Sachen in den Kofferraum des neuen dlv-Bullis: Gastgeschenke, Wasser, Pfefferspray und Küchenpapier (wir sind auf alles vorbereitet), Kameras, Laptops und unsere Taschen fanden Ihren Platz. Manches weniger (Markus kleiner roter Koffer), manche mehr (Birgitt hat diesmal definitiv das größte Gepäckstück dabei).
Nach etlichen Kilometer passierten wir endlich die Grenze und setzten unsere Fahrt auf einem Feldweg aka Autobahn fort. Schlaglöcher und Querrillen reihten sich dicht an dicht auf diesem einspurigen Zustand. Wir verstanden unser eigenes Wort nicht mehr und ich konnte der Vodafone-Dame nur mit Mühe, viel Not und einem hohen stimmlichen Einsatz erklären, welches Internet-Auslands-Datenpaket ich brauche. Mit dem Übergang auf den befahrbaren Straßenanschnitt hatten wir, nach gefühlten 1.000 km, tatsächlichen 30 € Telefonkosten und wirklich erfahrenen Schlägen auf die Bandscheibe, dann auch endlich Internet!

Zweispurig ging es weiter. Was für viele eine Möglichkeit ist, entspannt zu überholen, ist für andere der Weg ahnungslose Reisende zum Anhalten zu bewegen und sie, naja, sagen wir mal, über den Tisch zu ziehen. Gott sein Dank wussten wir Bescheid und wild gestikulierende Polen, auch gerne mal in einem Auto mit französischem Kennzeichen, ließen uns kalt.
Im Hotel in Olesno angekommen trafen wir gleich drei Landwirte aus der Region Oppelner-Schlesien, mit denen wir uns auf ein Essen und viele gute Gespräche verabredet hatten. Und es wurden gute Gespräche.
In dieser Region sehen sich die meiste als Deutsche, bzw. als Deutsch-Schlesier und weniger als Polen. Sie gehören zu der deutschen Minderheit, zu denen immer noch 60.000 Menschen in ganz Polen zählen. Eryk Scholz zum Beispiel, ein gemütlicher großer Mann ende 50 mit lieben, glänzenden Augen, hält 700 Mutterkühe und bewirtschaftet rund 2.000 ha Ackerland. Er studierte Tiermedizin, sowohl in Polen als auch in Göttingen und in Hannover. Er sagte es habe ihn damals gestört in Deutschland immer als der Polen betitelt zu werden. Er war immer lieber der Deutsche in Polen, als der Pole in Deutschland. Ich muss sagen, viele dieser Einstellungen waren mir bis heute nicht bewusst. Dass man in einem Land so starke, historisch geprägte Unterschiede macht und lebt.

Während des reichhaltigen, leckeren Essens erzählten die drei von den landwirtschaftlichen Entwicklungen und der der Milchviehhaltung im Speziellen. Zum Beispiel die Einmischung Polens in dem hohen Ausmaß in den Krim-Konflikt sehen die drei kritisch. Nicht aus politischer, aber aus marktwirtschaftlicher Sicht. Russland hat den Import von polnischen landwirtschaftlichen Produkten wie Fleisch und Milch in jeder Form weitestgehend eingeschränkt. Auch die Arbeitsmarkt- und Ausbildungssituation in Polen hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Man arbeitet nicht mehr gerne in der Landwirtschaft. Dorfleben und Landwirtschaft haben einen schlechten Ruf. Auch weil die Städter und nicht Nichtwissende, ähnlich wie bei uns, zusammen mit den Medien diesen mit Einstellungen wie Tierquäler und Bodenvergifter ruinieren, aber auch weil die nachkommende Generationen die Lebensweise als hinterweltlerisch und die Arbeit als eine niedrige sehen. Und die Leute, die es machen wollen erhalten eine schlechte Ausbildung. Hier gibt es nicht die Lehre auf den Betrieben, die mit dem theoretischen und vertiefenden Teil in der Berufsschule ergänzt wird. Sie gehen hier nur auf eine Schule, in der sie zusammen mit anderen Berufsanfängern anderer Berufe zusammen in der Klasse sitzen und höchstens kleine Praxisblöcke haben. Das war vor 20 Jahren noch anders und wie die drei Landwirte sagen, viel besser.

So jetzt aber ist aber Schluss! Erstmal!

Schon heute Abend werde ich wieder über unsere Reise berichten. Heute auf dem Programm stehen zwei Milchviehbetriebe, die in ihrer wirtschaftsweise den Hauptteil der polnischen Milchviehhaltung darstellen: 15 Kühe und 60 Kühe!

Wir wünschen Euch einen tollen Start in die neue Woche!
Liebste Grüße
Anneke Hasemann
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