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Der gruuna-Blog

(440 Einträge)

PETA-Aktivist (Symbolbild)
188 mal angesehen
02.09.2014, 07.26 Uhr

Wie hoch ist PETAs Lügenkonstrukt?

Von Michi Jo Standl*

„Seit ich die Menschen kenne, liebe ich die Tiere“, hatte ein saarländischer Landwirt, der vor kurzem verstarb, vor 50 Jahren auf die Tür seines Stalles geschrieben. In der Einstellung der Landwirtschaft zum Vieh hat sich bis heute nichts geändert – im Zugzwang, sich ständig für ihre Arbeit rechtfertigen zu müssen, schon. Seit den 1980er Jahren ist die Tierrechtsorganisation PETA zur, nach eigenen Angaben, größten der Welt geworden. Der Verein lehnt jegliche Art der Nutztierhaltung ab und will die Welt von der Anschauung überzeugen, großteils mit mehr als umstrittenen Methoden.

Man spricht von weltweit einer Million Mitgliedern, die Organisation selbst kommuniziert drei Millionen Unterstützer auf dem gesamten Erdball. In Deutschland soll der Verein 25.000 Mitglieder und 50 Festangestellte haben. Gegründet wurde die Organisation 1980 unter anderem von der in Großbritannien geborenen US-Amerikanerin Ingrid Newkirk (65).

Auf die Tatsache, dass man sich um Tierrechte und nicht um Tierschutz kümmern will, wird Wert gelegt. Der Verein versteht sich als „Anwalt der Tiere“ und lehnt nicht nur Fleichproduktion, sondern auch etwa Schafschur, Imkerei, Milchviehhaltung, und Fischerei ab, selbst Blindenhunde wollen die Aktivisten nicht auf Deutschlands Straßen sehen. PETA Deutschland bezeichnet sich als Schwesterorganisation der viel größeren PETA USA. In den Impressen von beiden Websites steht allerdings Ingrid Newkirk als 1. Vorsitzende.

Nächtliche „Stallbesichtigungen“ definitiv illegal
Die Tierrechtsaktivisten schrecken weder vor Beleidigungen noch vor Morddrohungen zurück, wie auch Heinrich und Nadine Henke am eigenen Leibe erfahren mussten. Die Henkes betreiben im niedersächsischen Bruchhausen-Vilsen den Schweinezuchtbetrieb Brokser Sauen. Nach einem NDR-Beitrag über Schweinezucht im Mai musste es kommen, wie es kommen muss. Vor allem auf Facebook folgten Beleidigungen und feige Bedrohungen, sogar gegen die ganze Familie.

Legendär sind auch die nächtlichen Stallbesuche von Aktivisten. So wurde auch bei den Henkes „zufälligerweise“ einen Tag nach der Ausstrahlung der Reportage in den Stall eingebrochen. Viele Landwirte suchen nach gesetzlichen Fundamenten gegen die Aktivisten und fühlen sich von landwirtschaftlichen Verbänden oft im Stich gelassen. „Die Bauernverbände tun relativ wenig, was dieses leidige Thema betrifft“, weiß Heinrich Henke. „Die kümmern sich eher um Förderungen und Marktpreise.“ So sind Landwirte darauf angewiesen, es den Tierrechtsaktivisten gleich zu tun und sich in sozialen Netzwerken lose zusammenzuschließen und den leidigen Kampf aufzunehmen. „Abgesehen von Tatbeständen wie Einbruch oder Hausfriedensbruch, dürfen sich betriebsfremde Personen allein schon aus Hygienegründen nicht in den Stallungen aufhalten. Das ist Gesetz.“, greift Henke nach einem juristischen Strohhalm.

Ähnlich verzweifelt klang auch Heiko Terno, der im Spreewald eine Rinderzucht betreibt und Vizepräsident des Bauernverbandes Brandenburg ist, im Gespräch mit gruuna.com. Auch er sah sich nach einer ZDF-Sendung, in der es um vegane Ernährung ging, mit massiven Angriffen aus allen einschlägigen Lagern konfrontiert. „Bei den Drohungen fielen Worte wie Nazi, KZ, vergasen, unterste Schuhblade halt.“, erinnert sich der passionierte Landwirt. „Wir lieben unsere Tiere. Es fließen sogar bei unseren Mitarbeitern Tränen, wenn Tiere den Hof verlassen“, so Terno. „Es hat keiner ein größeres Interesse am Tierwohl als der Landwirt selbst. Wir leben davon, wenn es den Tieren nicht gut ginge, würde sich das sofort in der Produktqualität niederschlagen.“

PETA versucht ständig, durch die falsche Auslegung von Gesetzen Landwirte und Medien zu verunsichern. Den Vorwurf, dass die Aktivisten mit den, wie PETA es bezeichnet, „Undercover-Ermittlungen“ an der Grenze der Legalität oder sogar mehrere Schritte darüber hinaus arbeiten, weist PETA-Mentor Dr. Edmund Haferbeck, der gerne als „Rechtsberater“ von PETA gehandelt wird, im Gespräch mit gruuna.com allerdings entschieden zurück. „In Deutschland darf eine höherwertige Straftat (Tierquälerei, Anm. d. Red.) mit einer geringerern Straftat (Hausfriedensbruch, Anm. d. Red.) vereitelt werden.“, klärt Haferbeck auf. Diese Aussage des studierten Agrarwissenschaftlers ist schlichtweg falsch.

„Ein Selbsthilferecht zur Aufdeckung von Tierquälerei kennt das deutsche Recht nicht, zumal hier der vom Recht vorgesehene Weg die Strafanzeige bei den Polizeibehörden ist“, so Prof. Dr. Joachim Renzikowski, Professor für Strafrecht an der Uni Halle auf gruuna.com-Anfrage. „Der Paragraph 34 im deutschen Strafgesetzbuch (StGB) erlaubt lediglich die Begehung einer Straftat zur Abwendung gegewärtiger Gefahr für ein höherwertiges Rechtsgut“, so der Wissenschaftler weiter. Der Schulfall sei der Bergsteiger, der eine Hütte aufbricht, um sich vor dem drohenden Wettersturz zu retten, zieht Renzikowski einen populären Vergleich. „Desweiteren bestehen zwei weitere Probleme beim Vorgehen der Tierrechtsaktivisten: Der Paragraph 34 erfasst grundsätzlich nur die Abwehr von Gefahren für Leib, Leben und Freiheit, nicht aber von Rechtsgütern der Allgemeinheit“, weiß Renzikowski. „Da unsere Rechtsordnung Tieren keine eigenständigen Rechte zuschreibt, kann der Tierschutz nur mit dem Schutz von Allgemeinrechtsgütern begründet werden. Zu deren Schutz sind aber ausschließlich die Behörden zuständig.“, stellt der Professor klar.

Was können Landwirte tun?
Landwirte können jederzeit Anzeige erstatten und werden damit Erfolg haben. Professor Renzikowski erklärt das so: „Es handelt sich bei derartigen Handlungen um Akte des zivilen Ungehorsams. Stellt ein Landwirt einen Strafantrag, dann werden die Tierrechtsaktivisten nach §123 StGb (Hausfriedensbruch) bestraft.“ Die Beweise, dass die PETA-„Ermittler“ im Stall waren, liefern sie ja quasi mit veröffentlichtem Videomaterial selbst.

Was Video- und Fotoaufnahmen der Aktivisten betrifft, kommt das Eigentumsrecht an Grundstück und Stall zum Tragen. Bei der Frage, ob Häuser von der Straße aus fotografiert werden dürfen, kommt es immer wieder zu Streitfragen, bei denen sich sogar Juristen oft nicht einig sind. Das Ablichten von Haus und Hof vom betreffenden Grundstück aus, ist definitiv ohne Erlaubnis des Besitzers nicht gestattet. Um ganz sicher zu gehen, ist es ratsam, auf der Aussenseite des Gebäudes oder an der Grundstückgrenze ein Schild mit dem Hinweis „Fotografieren und Filmen verboten“ anzubringen.

PETAs Schergen
PETA wirkt nach außen wie eine riesige und sehr wohl durchdachte Propagandamaschinerie. Mit dem Wort „Propaganda“ habe man im Verein überhaupt kein Problem, so Haferbeck. Wenn man sich den Begriff „Propaganda“, der den absichtlichen und systematischen Versuch, Sichtweisen zu formen und vorallem Erkenntnisse zu manipulieren beschreibt, näher betrachtet, erkennt man sofort die Arbeitsweise von PETA. Der Verein selbst pflegt es, sich stets von den Vorwürfen von Medien und Agrarbranche abzuputzen. Für die „Drecksarbeit“ hat man ja Aktivisten, die allerdings, so hat es den Anschein, von der offiziellen Propagandaarbeit angestichelt sind. Auf Beleidigungen und sogar die Morddrohungen angesprochen beruhigt Haferbeck. „Wir beleidigen niemanden“, so der studierte Agrarwissenschaftler. Mit „wir“ meint er wohl den eingetragenen Verein PETA.

Eine lose Truppe an Aktivisten ist auch PETA2 mit seinem PETA2 Streetteam, bei der sich vorallem sehr junge Leute tummeln. Laut Haferbeck hat PETA2 mit PETA e.V. nichts zu tun. „Wir spons … ähm versorgen die nur mit Werbematerial.“, redet sich der „Berater“ aus der Frage. „Die sind selbst verantwortlich für das, was sie tun.“ Eine nicht sehr aufwändige Recherche sagt allerdings das Gegenteil. Das Impressum auf der Website von PETA2 ist das gleiche, wie das auf der Internetseite von PETA e.V. Auch hier steht die 1. Vorsitzende Ingrid Newkirk neben dem 2. Vorsitzenden von PETA Deutschland, Harald Ullmann, in beiden Impressen.

*V.i.S.d.P.

Bild / Antrainiert: Die Muskeln, die Tierrechtsaktivisten bei ihren „Undercover“-Aktionen spielen lassen, entbehren meist jeder rechtlichen Grundlage. Dieser Muskelmann posiert nur schön fürs Foto. Foto: obs/Messe Berlin GmbH

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Kommentare

02.09.2014 09:58 4711
Man sollte die "Promis" mal fragen ob sie überhaupt wissen wen sie da genau unterstützen und ob sie wissen wo für ihr Geld verwendet wird. Das kann man bei PETA nämlich nicht nachprüfen, geschweige erfahren wieviel Geld die Vorsitzenden davon abbekommen. Tierschutz ist das eine, PETA das andere. Aber als Promi kann mach sich ja einiges erlauben, Hauptsache man kann ist vor irgendeiner Kamera präsentieren und so tun als ob.
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