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Der gruuna-Blog

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Wir machen euch satt
207 mal angesehen
20.01.2015, 14.59 Uhr

Wir machen euch satt: „Keine Differenzierung zwischen Bio und konventionell“

Von Michi Jo Standl

Landwirte haben es satt, sich in ihrer Berufsausübung beschneiden zu lassen. Unter dem Motto „Information statt Ideologie“ wollen sie Tierrechtsaktivisten und vermeintlich einseitig informierte Verbraucher darauf aufmerksam machen, dass sie Deutschland “satt machen”.

Organisiert wird die lose Bewegung, die ihren Ursprung in der „Online-Aufklärungskampagne“ fragdochdenlandwirt.de gefunden hat, von zwei Landwirtinnen und einem Landwirt. Nadine Henke, Kathrin Seeger und Marcus Holtkötter legen darauf Wert, dass sie kein Instrument des Bauernverbandes sind. Sie wollen der Öffentlichkeit einfach zeigen, dass Landwirtschaft nichts Unrechtes ist. Wir konnten am Telefon mit Kathrin Seeger sprechen, die zurzeit mit ihren Berufskollegen in Berlin auf der Internationalen Grünen Woche versucht, möglichst breit an Politiker und Verbraucher heranzutreten.

gruuna.com: Was wollt ihr mit euren Aktionen erreichen, wer soll angesprochen werden?
Kathrin Seeger:
Wir wollen einfach sagen, dass das nicht falsch ist, was wir machen. Das, was die Grünen kolportieren, ist für mich reine Beleidigung. Wir halten uns an Recht und Gesetz. Es kann ja nicht ständig behauptet werden, wir würden die Umwelt vergiften.

Was regt euch an der derzeitigen Meinung über Landwirte am meisten auf?
Die fachlichen Halbwahrheiten, die Medien verbreiten. Das ist sehr schlimm für uns. Verbraucher und Politiker steigen darauf ein.

Was unterscheidet eure Aktionen von Aufklärungsarbeit der Verbände?
Wir geben durch fragdenlandwirt.de den Landwirten ein Gesicht. Der Berufsstand hat in der Gesellschaft eigentlich ein gutes Ansehen, in den Medien werden aber immer alle in einen Topf geworfen.

Aber viele Menschen kennen doch Landwirte persönlich und können sich so Einblick verschaffen…
Ja schon, aber da hört man dann oft „Was mein Nachbar macht ist gut, aber die anderen …“. Solche Aussagen kenne ich auch aus meinem Umfeld. Ich sage dann immer „Die anderen machen genau dasselbe, wie ich“. Die Verbraucher sind einfach verunsichert, was wieder zum großen Teil an der Medienberichterstattung liegt.

In Medien und Politik taucht immer wieder der Begriff „Agrarindustrie“ auf…
Die Frage ist, wo Agrarindustrie anfängt und wo sie aufhört. Wir haben unsere 300 Sauen auch in einem industriell anmutenden Umfeld. Das ist einfach die moderne Produktion, die eben notwendig ist, um Deutschland satt zu machen.

Sind das nur konventionell produzierende Landwirte, die auf eurer Seite sind?
Bei uns machen auch Biolandwirte mit. Die sagen wie wir ganz klar: „Wir haben verschiedene Produktionsweisen, da muss jeder für sich dahinter stehen“. Wir möchten nicht mehr die Differenzierung zwischen Bio und konventionell. Jeder muss für sich in seinem Bereich entscheiden, welchen Weg er gehen will. Damit kann er sich ein Gesicht geben.

Ihr seid zurzeit auf der Grünen Woche unterwegs. Findet ihr Gehör?
Zum Teil. Wir haben Simone Peter und Anton Hofreiter von Bündnis 90/Die Grünen unseren Kalender überreicht. Ein Versuch, mit Ihnen zu reden ist leider gescheitert. Viel Zeit hat sich dagegen Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt genommen. Seine Assistentin ist schon ganz nervös geworden, damit der Zeitplan nicht durcheinander gerät.

Kalender? Was hat es damit auf sich?
Das war auch so eine spontane Idee. Wir haben auf Facebook bereits an die tausend Kommentare, in denen sich Landwirte Luft machen. Aus diesen haben wir einen Abreißkalender mit 365 Seiten gemacht. Der kommt sehr gut an.

Wie finanziert ihr das alles?
Wie haben, beispielsweise im Gegensatz zu den Tierrechtsorganisationen, keine Spendengelder zur Verfügung. Wir machen alles selbst, und das möglichst kostengünstig. Ich habe in einem Computerprogramm einfach eine Kalenderdruckvorlage angelegt, in die wir die Sprüche reinkopieren. Für den Druck haben wir Unterstützung von Leuten bekommen, die das gut finden, was wir machen. Die helfen uns aber einfach und machen kein großes Ding daraus. Auch für die Anschaffung unserer gelben Westen sind wir unterstützt worden. Die ganze Vorarbeit, wie auch die Organisation unserer Aktionen, machen Nadine, Marcus und ich ehrenamtlich. Uns geht es um die Sache. Ich bestehe zum Beispiel auch nicht auf ein Copyright für die Kalender oder so. Wenn jemand welche nachdrucken will, kann er gerne die Druckvorlage von mir haben.

Ihr habt auch eine Onlinepetition am Laufen?
Ja, die findet man auf change.org und richtet sich an das Bundeslandwirtschaftsministerium. Wir fordern darin, dass nicht über uns, sondern mit uns geredet werden soll. Die Petition kann man auch auf der Grünen Woche ganz klassisch auf Papier unterschreiben. Da haben auch schon viele unterschrieben. Dabei ist aber das Problem, dass manche vergessen, ihre E-Mail-Adresse dazu zu schreiben. Also eine Bitte an unsere Unterstützer: Wenn ihr die auf einem Zettel unterschreibt, bitte E-Mail-Adresse angeben, sonst können wir damit nichts anfangen, da es sich ja um eine Online-Petition handelt.

Möchtest du den Medien, Politikern und Verbrauchern noch etwas sagen?
Wir produzieren nur, was gekauft wird, wir sind fachlich gut ausgebildet und wir halten uns an Recht und Gesetz. Man kann in jedem Beruf jemand finden, der was falsch macht, man darf aber nicht alle in einen Topf werfen.

Vielen Dank und noch viele gute Gespräche auf der Grünen Woche.
Ich habe zu danken.

Foto: Facbook/fragdenlandwirt.de

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