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Der gruuna-Blog

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Jenke von Wilmsdorff
257 mal angesehen
03.03.2015, 15.25 Uhr

TV-Kritik RTL: Jenkes Agrar-Geplänkel

Der experimentierfreudige TV-Reporter Jenke von Wilmsdorff hat sich in seiner RTL-Reportagereihe „Das Jenke-Experiment“ viele Fragen über die landwirtschaftliche Produktion in Deutschland gestellt. Antworten blieben aber weitgehend aus.

Jenke von Wilmsdorff sieht sich gerne als „Extrem-Reporter“, mittendrin statt nur dabei. Er hat schon bei wildfremden Leuten übernachtet und ist in Los Angeles dem Schönheitswahn auf die Spur gegangen, hat sogar in einer Kältekammer ausgeharrt, die angeblich für ein paar Stunden jünger machen soll. In seiner neuesten Reportage guckte sich der bekennende Fleischesser an, wo „unser“ Fleisch eigentlich herkommt – und das aus verschiedenen Blickwinkeln, aber aus zu wenigen. Denn auf neutrale Agrarexperten, welche die Situation der deutschen Landwirtschaft handfest erklären könnten, wartete man im Laufe des Filmes vergeblich.

Statements gab es ohnehin wenig, im Vordergrund stand Jenkes Experiment an sich. Zu Wort kamen lediglich ein BUND-Umweltschützer, der sich kurz, ja sehr kurz, zu Antibiotika äußerte, ein Landwirt aus der Eifel, der erklärte, wie viel er an der Milch verdient und Supermarktangestellte, die der Meinung sind, dass das Fleisch, das sie verkaufen, sowieso voller Antibiotika sei. „Das sehen sie doch täglich in der Presse“, so eine Angestellte eines Discounters, die gerade am Einräumen von Regalen ist. Sie esse kein Fleisch mehr, kaufe nur mehr „für ihre bessere Hälfte“ das eine oder andere Schnitzel. Aha, eine Expertenmeinung. Auch die „Wir haben es satt“-Demonstration in Berlin hat Jenke im Laufe der Produktion besucht. Dort hat er zwei Landwirte, einen konventionellen und einen Biolandwirt, der kein Fleisch isst und für den Verein „Pro Vieh“ aktiv ist, sich selbst überlassen und das kurze Streitgespräch mitgefilmt. Verstehen könne er beide, so Jenke. An dieser Stelle immer noch keine faktenlastigen Informationen für die Verbraucher.

Das experimentelle Element von „Das Jenke-Experiment“ war wohl Jenkes fast fünfstündige Reise in einem Schweinetransporter. Wir Menschen seien doch auch oft eingezwängt, zum Beispiel im Urlaubsstau oder dichtgedrängt in der U-Bahn auf dem Weg zur Arbeit, versuchte der Reporter seinen Fleischkonsum für sich zu rechtfertigen. Der Unterschied sei aber, dass wir Menschen das freiwillig machten. Nicht immer, lieber Jenke. Wenn jemand in einer Großstadt arbeitet, weil er woanders keinen Job bekommt, muss er sich täglich dem Berufsverkehr aussetzen. Aber das nur am Rande.

Ein zentrales Element der Reportage war das umstrittene Schweinehochhaus in Maasdorf, auf dem auf sechs Etagen Schweine gehalten werden. Es zog sich wie ein roter Faden durch den Film. „Hingeführt“ wurde der Reporter von Tierrechtsaktivist Jan Pfeifer, dessen illegal gedrehten Videos munter in die Reportage eingebaut worden sind. Denn eigenes Material durfte Jenke dort natürlich nicht drehen. Auf einer „Texasranch“ mitten in Deutschland guckte sich Jenke an, wie man 7.000 Rinder ohne Stallhaltung versorgt. Aha! Nicht so wichtig, die Idylle dauerte auch nicht lang in Jenkes Film.

Weil’s modern ist, kam auch eine Veganerin zu Wort. Jenke lässt sich von ihr vegetarische und vegane Küche zeigen und probierte eine vegane Bratwurst. Für Fleischliebhaber erfrischend war Jenkes Antwort auf die Frage der Frau, wie es denn schmecke: „Eine Mischung aus Mullbinde und Tofu”.

Als Fazit kann man getrost sagen, dass Jenkes Ausflug in die Landwirtschaft nicht viel zur Verbraucherinformation beiträgt. Jenke von Wilmsdorff verschaffte sich und seinen Zuschauern einen sehr groben Überblick über negative und positive Hotspots der Landwirtschaft, ohne tiefer nachzufragen. Für den Durchschnitts-RTL-Gucker ohne Hintergrundwissen dürfte die Reportage allerdings etwas verwirrend und „schockierend“ gewesen sein. Gibt es denn in Deutschland nur Schweine-Hochhäuser und Biolandwirtschaft? Letzteres kann oder will er sich nicht leisten. Was dann noch essen? Diese Frage bleibt wohl für den Normalverbraucher offen. Sein eigenes Fazit hat Jenke allemal gefunden: „Ich werde wohl ab jetzt nur mehr zweimal die Woche Fleisch essen, das aber mit Genuss.“ Na dann, Mahlzeit!

Michi Jo Standl

Wer die Sendung am Montag verpasst hat, kann sie auf der Website von RTL anschauen.

Foto: RTL/Jánik von Wilmsdorff
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