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30.04.2015, 13.13 Uhr

Landwirtschaft im Jahre 2050

Die Agrarwirtschaft orientiert sich nicht am Weltmarkt, sondern am Wochenmarkt. Ernährungssouveränität und das Recht auf Nahrung sind Leitbilder der internationalen Agrarpolitik. Jede Region der Welt – auch die EU – kann sich im Wesentlichen selbst ernähren und lebt nicht über ihre Verhältnisse.
Weitgehend regionale Kreisläufe statt globaler Irrwege tragen dazu bei, Erzeugung, Verarbeitung, Vermarktung und Verbrauch wieder räumlich zusammen zu bringen. Das spricht nicht gegen die EU als gemeinsamen Markt, aber gegen die unnötigen Transporte von Nahrungsmitteln, die auch in näherer Umgebung hätten angebaut, verarbeitet und verkauft werden können. Die Bedeutung lokaler und regionaler Märkte für gesunde, sichere und bezahlbare Lebensmittel wächst stetig.
Der Zusammenschluss und die Kooperation von Bäuerinnen und Bauern wirken der Marktmacht von Handel und Verarbeitung entgegen, beispielsweise durch Erzeuger- oder Absatzgenossenschaften. Landwirtinnen und Landwirte erhalten kostendeckende Preise für ihre Produkte, die auch für Verbraucherinnen und Verbraucher bezahlbar sind. Die in der Agrarwirtschaft Beschäftigten bekommen alle einen Tariflohn mindestens in Höhe des gesetzlichen Mindestlohns. Weltweit wird genug gesunde Nahrung produziert, die allen barrierefrei zugänglich ist.
Der weitgehend geschlossene Betriebskreislauf, welcher Boden, Pflanze und Tier mit minimiertem externen Betriebsmittelzukauf verbindet, ist das Leitbild in der Agrarwirtschaft. Die Agrarwirtschaft schont die Ressourcen und setzt Energie sparsam ein. Die Bewirtschaftung schont Boden, Klima, Gewässer und den Wasserhaushalt. Die biologische Vielfalt in der Agrarlandschaft und auf den Agrarbetrieben hat deutlich zugenommen.
Bodenverluste werden vermieden und die Bodenfruchtbarkeit stetig verbessert. Nutztiere werden tiergerecht gehalten. Die Tierhaltung orientiert sich an der Fläche, die in der Region für Ver-, und Entsorgung zur Verfügung steht und ist ebenfalls ein wichtiger Beitrag zum Erhalt der Bodenfruchtbarkeit. Die Politik beschäftigt sich regelmäßig damit, wie schonender gewirtschaftet werden kann und ob alle Produkte und Produktionsweisen Bestand haben können.
Auch die Ernährungs- und Konsumgewohnheiten haben sich auf ein sozial und ökologisch verantwortbares Maß angepasst. Es werden weniger Nahrungsmittel tierischen Ursprungs konsumiert. Die sozialen und ökologischen Produktions-, Verarbeitungs- und Handelsbedingungen von Nahrungsmitteln sind für Verbraucherinnen und Verbraucher problemlos erkenn- und nachvollziehbar. Der Fleischbedarf in der EU hat sich den in Europa für den Futtermittelanbau zur Verfügung stehenden Flächen angepasst. Vormalige Anbauflächen für Futtermittel im Ausland stehen wieder für regionale Bedarfe zur Verfügung. EU-Agrarexporte sind nur für hochveredelte Produkte oder regionale Spezialitäten, wie z.B. Schwarzwälder Schinken oder Champagner, erlaubt.
Der Energiebedarf des landwirtschaftlichen Maschinenparks ist von fossilen auf betriebsintern oder zumindest regional produzierte Pflanzenöle und -kraftstoffe umgestellt. Agrotreibstoff wird regional erzeugt und nur von Agrarbetrieben und möglicherweise vom ÖPNV verbraucht, wenn dies die Flächenkonkurrenz nicht verschärft. Kleinere Betriebe schließen sich gegebenenfalls mit Nachbarbetrieben zur effektiven Nutzung der Produktionstechnik zusammen (Beispiel Maschinenringe). Der Import von Agrosprit oder Palmöl ist wegen der damit einhergehenden Flächenkonkurrenz und der enormen Umweltfolgekosten in der EU verboten.
Der Futtermittelbedarf tierhaltender Betriebe wird im Umkreis weniger Kilometer gedeckt. Daher wurde der Anteil des klimaschonenden Grünlandes erhöht und der Anbau von eiweißhaltigen Futterpflanzen durch öffentliche Mittel unterstützt. Der Import von Futtermitteln, die außerhalb der EU produziert wurden, ist verboten. Zur Verbesserung des Pflanzenschutzes setzen die Agrarbetriebe auf risikoorientierten, effektiven Einsatz, selbst hergestellte Schutzmittel, die Förderung von Nützlingen und deren Biotopen, abgestimmte Fruchtfolgen sowie präventive Bodenbearbeitung und Mischkulturen.
Das Bodeneigentum ist in vielen Händen. Kleinbäuerliches, gemeinsam bewirtschaftetes (z.B. in Genossenschaften) und öffentliches Eigentum bilden die Grundlage einer an gesellschaftlichen Zielen ausgerichteten Agrarproduktion. Die Konzentration von Bodeneigentum und der Kauf durch nicht-landwirtschaftliche Erwerberinnen und Erwerber ist verboten. Großflächige Landnahme findet nicht statt. Der Flächenverbrauch durch Siedlungen oder Verkehrsrouten ist radikal reduziert. Neuversiegelungen sind nur bei gleichzeitiger Entsiegelung anderer Flächen genehmigungsfähig. Biologische Vielfalt wird durch ökologische Vorrangflächen und kommunale Ökokonten (zur effektiven Bündelung zur Finanzierung von größeren Ausgleichsmaßnahmen oder Renaturierungsprojekten) geschützt.

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