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dlzUNTERWEGS

Vier Länder und ihre Milchviehhaltung (9 Einträge)

Belgien, Rinder und Journalisten Milchviehhalter in Belgien Tiefboxen mit Sandeinstreu
175 mal angesehen
08.05.2015, 09.35 Uhr

Tag 4: Belgische Muskelpakete und müde Momente

Es ist schon Freitagmorgen! Gestern Abend war ein vernünftiger Blogeintrag leider nicht mehr möglich, denn unser aufregender Tag mit drei Betrieben und einem Interview fand ein spätes Ende.

So ging es gestern Morgen nach dem liebevollen Frühstück im leicht feudalen Ambiente mit langer Tafel, leicht angekitschtem Interieur, aber echten Antiquitäten auf unseren ersten Betrieb für diesen Tag. Zumindest hatten wir die Richtung eingeschlagen, als unser Handy klingelte. Gert, unser nächster Milchviehhalter sagte Bescheid, dass wir später kommen müssten, ein Teil seiner Rinder hätte das Weite gesucht und seien von der Weide ausgebrochen. Kein Problem, so hatten wir noch Zeit für einen zweiten Kaffee (ja, wir können nicht mehr ohne. Wobei wir nicht wissen, ob uns die tolle Gastfreundlichkeit der Milchviehhalter oder die Anstrengung dazu gebracht haben.) und um uns die wunderbaren Weiß-Blauen Belgier auf den Weiden anzuschauen – ein Bild , dass bei uns doch wirklich kaum zu finden ist.

Ein halbe Stunde später als geplant standen wir nun auf dem Hof von Gert, der zusammen mit seinem Bruder und seinem Vater den Betrieb mit knapp 185 Red-Holsteins sowie 100 ha Fläche leitet. Die Milch vermarktet er derzeit für 33 Cent pro Liter. Um die Kosten der Milcherzeugung zu decken benötigt er 31 Cent, allerdings ohne die Lohnkosten für sich und seine Familie mit einzuberechnen. Auf das Ende der Quote haben sie sich mit dem Stallneubau im Jahr 2013 vorbereitet. Zudem füttern sie die Kälber nicht mit mehr der eigenen Milch, sondern mit Milchaustauscher. Über die Zukunft der belgischen Milchviehhalter sagt er: „Nur die Besten werden bestehen bleiben – es wird mehr Milch und weniger Betriebe geben.“ Dabei spielt nicht nur die Milchmenge eine Rolle, sondern auch die verschärften Naturschutzauflagen, die Emissionsgrenzen mit harten Sanktionen, die Stickstoffauflagen und Greening machen es den belgischen Milchviehhaltern, ähnlich wie den Niederländern und auch uns sehr schwer.

Auf dem zweiten Betrieb begrüßte uns Familie Van den Hurk. Hier konnten wir neben der Milchviehhaltung in Best Practice wieder auch einmal einen züchterisch engagierten Landwirt befragen. Welche spannenden Details wir auf diesem Betrieb mitnehmen konnten, lest Ihr in einer der kommenden Ausgaben der dlz primus Rind.

Nach einem kurzen zwischen Halt, der sich aufs Tasche abstellen im Bed & Breakfast beschränkte, holte uns Guy Vandepoel vom Boerenbond ab. Bei diesem Teil des Tages wurde es für mich, die Fleischrinder-Dame noch einmal noch spannender. Denn nun ging es auf Weiß-Blaue Belgier Betrieb der Familie Vanhees. Uhhh und ich sah sie schon, die kleinen drömmeligen Kälber und musste mich schon ein bisschen zwingen, professionell zu bleiben – aber wir sind ja Profis. Rund 450 belgische Muskelpakete gehören zum Betrieb. Der 37jährige Yann erzählte uns, dass 100% der Abkalbungen über den Kaiserschnitt erfolgen. Dafür kontrolliert er jeden Abend alle Kühe, die kurz vor der Kalbung stehen und ruft den allzeitbereiten Tierarzt, wenn es losgehen soll. Die Kühe verlassen im Schnitt nach rund vier Kalbungen den Betrieb und werden sowohl über Erzeugergemeinschaften, als auch über den eigenen Hofladen vermarktet.

Von der Fleischqualität durften wir uns anschließend in einem Restaurant im Ort überzeugen lassen. Butterzart, toll! Während das Stück Weiß-Blauer Belgier auf unserem Teller immer kleiner wurde, beantwortete Guy Vandepoel uns unsere Fragen zur belgischen Milchviehhaltung. Satt an Informationen, Eindrücken sowie im Bereich der Nahrungsaufnahme, ging unser Tag zu ende. Gott sei Dank, konnten wir über Nacht alles sacken lassen, so dass wir heute Morgen wieder hungrig nach neuen Eindrücken auf dem Weg in den französischen Teil Belgiens unterwegs sind.
Liebste Grüße aus dem dlz-Bulli!

Anneke Struck
P.S. Müdigkeitsbarometer für diesen Tag: Markus verpasste zweimal die Einfahrt zu unserem Bed & Breakfast. Maren: „Männer kreisen ihr Ziel ein“. Markus: „Das nennt man iterative Annäherung.
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