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Vier Länder und ihre Milchviehhaltung (9 Einträge)

Mit der Menchaniserung nich tübertreiben Christophe Lutz Typische Handbewegung
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10.05.2015, 01.23 Uhr

Tag 6: Flächenpreiswunder Frankreich

Frühstück in Frankreich in einem wunderbaren Bed&Breakfast im Elsass – in der Gaststube, in der wir am Abend vorher schon gegessen haben, gab es in familiärer Atmosphäre Frühstück. In der Eiche-Rustikal- Sitzgarnitur mit kitschigen Dekorationen auf den Fensterbänken durften wir unser erstes französisches Starterpaket zu uns nehmen. Neben weiteren Hotelgästen, die sich leise an den anderen Tischen unterhielten, traf sich um 8 Uhr schon eine Truppe Männer, die augenscheinlich jeden Samstagmorgen und wahrscheinlich auch den ein oder anderen Abend in diesen Holzelementen bei bester Versorgung mit Hochprozentigem verbrachten.

Lautes Lachen schalt durch den Raum und in meinem Kopf erzählten sie sich Altherren-Witze und machten sich über bestimmte Fußball-Endstände lustig. Ich fühlte mich wohl. Und mit dem gleichen wohligen Gefühl fuhren wir auf den Betrieb von Christophe Lutz aus Schaffhouse sur Zorn.
Er managet seinen Betrieb mit rund 115 Kühen zusammen mit seinen Eltern und seiner Frau. Viel Spannendes, vor allem über das Kauf- und Pachtsystem erfuhren wir, wie immer erst einmal am Küchentisch. Die Flächenpreise in der Region sind im Vergleich sehr günstig. Wir machten große Augen, als wir von Kaufpreisen von rund 10.000 € bist 12.000 € (und das sind schon die Teuren) für Ackerflächen und durchschnittlich 7.000 € für Grünland, erfuhren. Und das bei tollen Böden, von denen er im vergangenen Jahr rund 14 t /ha TM Mais ernten konnte. Natürlich sollten wir nicht an die große Glocke hängen, dass die Preise hier so niedrig sind, bat uns der Milchviehhalter mit einem Augenzwinkern.

Denn eigentlich haben Interessenten von außen keine Chance Flächen zu erwerben. In Frankreich müssen Landwirte die Flächen erst zwei bis drei Jahre gepachtet haben, um genau diese zu auch kaufen zu können. Zudem könne Pachtverträge seitens des Verpächters nicht gekündigt werden. Was die Vertragsrechte des Pächters steigern und einen Verpächter länger überlegen lässt, bevor er diesen Schritt geht. Der Flächenkauf oder die Pacht sind somit ein großes Stück Vertrauenssache, vor allem was den späteren Preis anbelangt. Die starke Reglementierung in Frankreich setzt auch die maximale Pachtsteigerung pro Jahr fest und erlaubte vor dem Ende der Milchquote die Verpachtung dieser. Der Ökonom, Praktiker, Handwerker, Selbermacher, Anpacker, Realist und vielleicht auch Dickkopf, also sagen wir Allrounder in jeder Hinsicht hat seinen Betrieb, auch wenn es oberflächlich und an Neubauten und klaren Stalllinien gemessen, nicht den Eindruck mach, vollstens im Blick und im Griff. Vollkommen klar jongliert er mit seinen Zahlen und Kalkulationen - und ja, wir haben ihn bei jeder seiner Entwicklungsschritte, egal wie improvisiert es wirken mag, verstanden. Denn alles ist von hinten bis vorne durchdacht.

Nach dem höchst interessanten Gespräch fuhren wir in die Region Lothringen, wo unser nächstes Bed&Breakfast auf uns wartete. Mit Obst und Müsliriegel, so wie belgischen Waffeln als Mittagessen fuhren wir los (Immer wieder wichtig auf dieser Tour: Birnen und Äpfel werden nicht wie gewohnt, an der Hose abgerieben, sondern ein sauberer und einigermaßen neutral riechender Fleck am Oberarm gesucht.)

Die landschaftliche und vor allem ackerbauliche Umgebung veränderte sich. Mehr Raps und vor allem größere Schläge, die uns etwas an die Dimensionen des Ost-Europa Trips erinnerten, taten sich vor uns auf. In einem ehemaligen Gutshaus bezogen wir unsere herrlichen Zimmer. Diesmal bleiben wir für zwei Nächte am selben Ort, denn morgen ist Sonntag und damit für uns Betriebsfeier-Tag. Wir werden morgen die Zeit nutzen, um einen Teil der Reise zu Papier zubringen, Bilder zu sortieren und uns auf den Rest der Tour vorzubereiten. Es erwarten uns noch ein französischer Milchviehbetrieb und zwei belgische, bevor es am Dienstag wieder zurückgeht.

Liebste Grüße
Anneke Struck

P.S. Christophe Lutz: „ 90 Prozent der Landwirte geben sich Mühe alles richtig zu machen – und der Rest macht das Ansehen in der Bevölkerung wieder kaputt. Genauso ist auch bei der Bevölkerung; 90 Prozent haben die Probleme und die Arbeit der Landwirte verstanden und der Rest wird es nie verstehen. Nur diese sitzen dann wieder in entscheidenden und für die Landwirte wichtigen Positionen.“
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