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Vier Länder und ihre Milchviehhaltung (9 Einträge)

Maren Diersing-Espenhorst Betrieb 1 Betrieb 2
151 mal angesehen
13.05.2015, 10.10 Uhr

Tag 9: Wenn Immobilienmaklern mitmischen oder auch der letzte Tag des Roadtrips

Das Wetter ist im Gegensatz zu unserem Frühstück heute wunderbar gewesen. Die Sonne schien, es war warm und leichter Wind wehte – also perfekte Bedingungen für den ersten Schnitt. Auf dem Weg zu unserem ersten Betrieb der im Luxemburgischen Reimberg hatten wir schon bedenken, dass Familie Schröder vielleicht keine Zeit haben wird, uns ihren Betrieb zu zeigen.

Auf dem Hof angekommen, fanden wir die Familie hinten am Silo. Sie packten gerade die letzten Reifen auf das Grassilo. Norbert Schröder hatte die letzten beiden Tage nur ein paar Stunden geschlafen. Eine schwerkalbende Kuh und das Gras, das schnell rein musste, gönnten ihm keine Ruhe. Deshalb sähen er und der Stall nicht ganz so gut aus, meinte er. Und nach dem wir uns nun ihn und den Stall angeschaut hatten, konnten wir sagen, dass das nicht stimmte. Die Familie bewirtschaftet den Betrieb mit 84 Milchkühen und weiterer weiblicher Nachzucht, 77 ha Land und melkt mit zwei Robotern mit durchschnittlich 3,1 Roboterbesuchen pro Tag. Auf das Quotenende bereitet er sich mit dem Stallneubau im Jahr 2010 und damit mit der Aufstockung der Herde auf zukünftige 120 Tiere. Weitere Wachstumsschritte möchte die Familie erstmal nicht machen. Denn Land zu bekommen wir immer schwerer und da sie 2 GV pro ha halten dürfen, müssten sie noch ihre Flächen erweitern. Denn der Kampf um die landwirtschaftlichen Flächen in der Region findet nicht nur zwischen Landwirten, sondern auch zwischen Landwirten und Immobilienmaklern statt. Diese dürfen ebenfalls das Land kaufen. Und das tun sie auch. Denn in Luxemburg wird viel gebaut und für jede Baufläche, müssen Kompensionsflächen her. Landwirte haben bei diesem Geschäft keinen Vorrang und die Makler oft eine stärkere Kaufkraft.

Auf unserem zweiten Milchviehbetrieb in Longsdorf flashte uns erstmal das wunderschöne Anwesen. Wir saßen hier zusammen im Garten mit Marc Vaessen und unterhielten uns bei Kaffee (ja, wir brauchen ihn!) über seinen Werdegang, seinen Betrieb, politische Entwicklungen, Trends in der Tiergesundheit und seine Philosophie seine Herde zu managen. Marc Vaessen war 10 Jahre lang Tierarzt und leitete eine eigene Großtierpraxis. Im Jahr 2009 standen sie vor der Entscheidung, wie es mit dem Betrieb weitergehen soll. Sie gründeten eine Vater-Sohn GbR. Vor zwei Jahren gab er dann seine Praxis auf und ist seit dem Vollerwerbslandwirt auf einem Betrieb mit 205 Milchkühen in einem neuen Stall mit 4 Robotern und 112 ha Fläche. Zudem gibt es eine Embryonentransferstation auf dem Hof, die er zusammen mit seinem Vater leitet.

Die Zucht der Holsteins auf dem Betrieb ist besonders wichtig. Doch nicht die kantigen, sondern eher die kompakten Kühe sind das Ziel des Landwirtes. Ihm ist wichtig, dass seine Kühe auch noch nach dem dritten Kalb durchstarten und wenn nicht, so gute Konditionen hat, dass er sie gut zum Schlachter bringen kann. Ab dem dritten Kalb trennt sich für ihn die Spreu vom Weizen – da ist ihm das klassische und trendige Aussehen der Tiere egal, er sei ja schließlich Milcherzeuger.

Wir verbrachten fast vier Stunden aufm dem Hof und hätten bestimmt noch länger Gesprächsstoff gefunden. Mit tausend Eindrücken machten wir uns auf den Weg zurück nach Deutschland. Schon nach einer Stunde Fahrt hatten wir unseren Gasthof in Bitburg erreicht, in dem Maren und ich übernachten, um uns morgen mit der Bahn auf den Weg ins schöne Hannover zu machen, auf das wir uns trotz der wirklich tollen Reise freuen. Markus sieht dies etwas anders, also zumindest, was das schöne Hannover angeht (diese Heimatlieben arten oft in Diskussionsstunden aus. Hannover gegen München wird genauso hart umkämpft, wie Holsteins gegen Fleckvieh ). Aber auch er freut sich auf seine Heimat München und machte sich deshalb mit unserem Bulli auf in den Süden.


In unserem etwas verschlafen und in den 80er stehen gebliebenen Gasthof gibt es leider kein Wlan und über meinen Handyanbieter auch kein Netz, deshalb werde ich das hier erst morgen, wenn wir unsere Homebase erreicht haben, hochladen.
Wir freuen uns, dass ihr uns auf dieser Tour begleitet habt. In den kommenden dlz primus Rind-Ausgaben könnt ihr alles weitere und noch viel mehr über die Betrieb und die Milchviehhaltung in den Ländern lesen.

Bis bald
Anneke Struck
offline

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