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Ausbildung

Grüne Ausbildungsberufe im Fokus (8 Einträge)

schwein öko
109 mal angesehen
08.07.2015, 11.21 Uhr

Wie öko soll die Ausbildung sein?

Mehr Ökolandbau in der Ausbildung zum Landwirt? Haben Berufs- oder Fachschüler mit dem bisherigen, rein konventionellen Unterrichtsstoff nicht schon genug zu tun? Da ist doch kein Platz für vermeintliche "Öko-Spielereien". Oder vielleicht doch?

Seit dem 4. April vergangenen Jahres ist es amtlich: Die Vertreter der Länder einigten sich auf der Agrarministerkonferenz in Cottbus darauf, dass im Rahmenlehrplan für den Ausbildungsberuf Landwirt/in verstärkt Grundlagen aus dem Ökolandbau verankert werden sollen. „Auch das noch“, wird manch einer von Euch denken. Denn sind Berufs- oder Fachschüler mit dem bisherigen, rein konventionellen Unterrichtsstoff nicht schon ausgelastet?

"Das ist auf den ersten Blick nachvollziehbar", sagt Karl Kempkens, Fachbereichsleiter für Ökolandbau der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen. "Auf den zweiten Blick sehe ich aber vor allem neue Einkommenschancen für die zukünftigen Landwirts-Generationen." Er verweist dabei vor allem auf den großen Markt für Bio-Lebensmittel, der allein in Deutschland etwa 7,5 Mrd. Euro ausmacht, aber zurzeit noch von vielen Importen lebt. So stammte zum Beispiel im Jahr 2013 ein Viertel der Bio-Milch aus dem Ausland, bei Möhren war es fast die Hälfte der verkauften Ware. "Dieses Potenzial wird aber kein Landwirt ausschöpfen, der niemals mit dem Ökolandbau in Berührung gekommen ist."

Auch mal über den Tellerrand schauen

Dennoch: Macht es wirklich Sinn, allen angehenden Landwirten Wissen über den Ökolandbau zu vermitteln, wenn ohnehin nur etwa acht Prozent aller Betriebe ökologisch arbeiten? Und wer sagt eigentlich, dass konventionelle Junglandwirte der restlichen 92 Prozent überhaupt Interesse an einer Umstellung haben, auch wenn sich dadurch vielleicht neue Möglichkeiten ergeben?

Kempkens macht dazu folgende Rechnung auf: Nach einer regelmäßig vom Deutschen Bauernverband durchgeführten, repräsentativen Befragung denken mehr als zwölf Prozent aller konventionellen Betriebsleiter über eine Umstellung nach. Macht zusammen mit den bestehenden Ökobetrieben etwa 20 Prozent aller Höfe, eine Zahl, bei der man nicht mehr von einer Randgruppe sprechen kann.

"Außerdem sind viele Lösungen aus dem Ökolandbau auch für den konventionellen Bereich interessant", meint Kempkens. Dazu zählt er zum Beispiel den Einsatz von Raufuttermitteln in der Schweinehaltung, Techniken zur mechanischen Unkrautbekämpfung im Gemüsebau oder Konzepte zur Direktvermarktung. Hinzu kommt, dass im Ökolandbau traditionell Themen wie Tierwohl, Biodiversität oder Nachhaltigkeit behandelt werden, die durch den gesellschaftlichen Druck auch für konventionelle Landwirte immer wichtiger werden.

Projektwoche Ökolandbau in der Schule

Mit einem klaren "Ja" beantwortet auch Thomas Focken, Lehrer an der Fachschule für Agrarwirtschaft in Köln-Auweiler, die Frage, ob konventionelle Landwirte etwas von der ökologischen Landwirtschaft lernen können. Er führt seit drei Jahren mit der Unterstufe eine Projektwoche Ökolandbau durch, obwohl von den durchschnittlich 20 Schülern nur ein oder zwei von Biobetrieben kommen. Dabei müssen die Schüler eine Umstellung für einen konventionellen Betrieb durchspielen und zum Beispiel Fruchtfolgen oder ein tragfähiges Vermarktungskonzept entwickeln. Auch die Besichtigung eines Biobetriebs ist Teil der Projektwoche.

In Niedersachsen wird die überbetriebliche Ausbildung im Landwirtschaftlichen Bildungszentrum in Echem durch neue Ställe erweitert. Ab 2016 können Auszubildende dort die praktische ökologische Schweinehaltung kennenlernen und werden in der ökologischen Schweine- und Rinderhaltung unterrichtet. Zudem werden zurzeit im Auftrag des niedersächsisches Kultusministeriums Unterrichtsmaterialien für den Ökolandbau entwickelt, die die Lehrkräfte schon im kommenden Winterhalbjahr im Unterricht einsetzen werden.

Jürgen Beckhoff
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Ria_Landleben

Ria_Landleben

Alter: 27 Jahre,
aus Hannover
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Kommentare

08.07.2015 20:00 nurich
Welche Grundlagen des Ökolandbau sind denn für den konventionellen Anbau nicht aktuell?
Das hat doch nicht nur mit umstellung zu tun, aber man muß alternativen kennen, um entscheidungen fällen zu können.
08.07.2015 21:51 The_Fox
Das ganze "Prozedere" des Ökolandbaus ist eigentlich nicht so wichtig. Ich kann mich gut erinnern, dass uns in der Ausbildung nur interessiert hat, wie gut oder schlecht sich eine Produktionsrichtung rechnet. Darüber sollte man den Schülern einen ungeschminkten Überblick verschaffen. Bei Interesse lernen sie das ganze Drumherum aus Eigenantrieb.
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