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Seltene Nutztierrassen

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Karakulschafe Fettschwanz der Karakulschafe Karakul de Botosani
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16.04.2016, 18.29 Uhr

Deutsches Karakul

Das deutsche Karakulschaf ist eine Besonderheit unter den deutschen Schafrassen. Es ist das einzige deutsche Fettschwanzschaf, das also ein bis mehrere Kilo schweres Fettpolster am Schwanz ausbildet. Davon zu unterscheiden sind Fettsteißschafe, die ihr Fettposter am Steiß ausbilden (z. B. das Hissar-Fettsteißschaf), die aber kaum in Deutschland gezüchtet werden und seit einigen Jahrzehnten meist nur in Tierparks zu sehen sind. Im Gegensatz hierzu hat das Deutsche Karakulschaf bereits eine lange Geschichte in Deutschland. Bekannt ist die Rasse vielen noch durch den „Persianer“-Pelz, der aus dem Fell neu geborener Lämmer hergestellt wird.

Geschichte

Ihre Heimat haben Karakulschafe wahrscheinlich in Asien, genauer im Vorderen Orient. Bereits vor etwa 4500 Jahren sind Abbildungen in Uruk, Mesopotamien, bekannt, die Lämmer mit der so typischen Lockenbildung zeigen. Diese besondere Locke der frisch geborenen Lämmer gab den Tieren bzw. der Rasse wahrscheinlich auch seinen Namen: „Kara-gjull“ bedeutet im Assyrischen „Schwarze Rose“.
Im 19. Jahrhundert waren Schafe vom Typus des Karakuls insbesondere in der Buchara und Chiwa, im heutigen Usbekistan, an der Grenze zu Turkmenistan, verbreitet. Hier zeigte die Rasse eine gute Anpassung an extensive Standorte, Trockensteppen und Salzwüsten. Genutzt wurden dort neben dem Fell auch die Wolle, das Fleisch und der Fettschwanz. Man versuchte ebenso die Monopolstellung der Schafe aus dieser Gegend für den Export der Felle zu wahren bzw. zu sichern.
Da die Lammfelle, der „Persianer“, ein begehrtes Pelz-Handelsgut war, wurde auf Anregung des Pelzhandelshauses Thorer aus Leipzig erstmals im Jahr 1900 lebende Karakulschafe nach Deutschland importiert. Neben dem wissenschaftlichen Interesse war es auch Ziel, eine Karakulzucht in Deutschland aufzubauen. In dieser Zeit wurden auch viele weitere ausländische Tierrassen und Arten ins damalige Deutsche Reich gebracht, um wissenschaftliche Forschung, insbesondere zur Vererbung, zu betreiben. So gelangten etwa auch Przewalski-Pferde nach Halle, die eine Basis der heutigen Zuchtbestände dieser Pferdeart bilden.
1903 wurden schliesslich erste Schafe aus dem Ursprungsgebiet, der Buchara, von Prof. Julius Kühn, Direktor des Landwirtschaftlichen Institutes der Universität Halle, aufgekauft. 1904 kamen ebenfalls eine größere Zahl von Tieren nach Österreich. Später gab es auch einen Zuchttieraustausch zwischen Deutschland und Österreich. Bis 1928 wurden immer wieder weitere Tiere aus dem Originalzuchtgebiet nach Deutschland importiert, danach wurde die Rasse in Deutschland ohne wesentliche Zufuhr von Fremdblut weitergezüchtet.
Von wissenschaftlichem Interesse war neben der Eignung dieses Schaftypes für mitteleuropäische Verhältnisse insbesondere die Vererbung der Karakullocke. Hierzu wurden in Halle und in Wien viele Untersuchungen angestellt. Dabei stellte sich heraus, dass die typischen Karakullocke eine unvollständige Dominanz gegenüber anderen Wollvarianten aufwies. Die ersten Kreuzungen ergaben bestenfalls mittlere Qualitäten der Locke, erst weitere Rückkreuzungen mit Karakulschafen führten zu einer Steigerung der Lockenqualität. Am besten erwiesen sich für die Kreuzungen schlichtwollige Schafe geeignet (etwa ostfriesisches Milchschaf, Rhönschaf, Leineschaf), während feinwollige Merinos schlecht bis ungeeignet waren.
In der Folgezeit entstand auch die Aufteilung der Karakulschafe in sogenannte Vollblut-Karakuls und Hochzucht- bzw. Landkarakuls. Bei den Vollblutkarakuls handelt es sich um Tiere, die vollständig, ausschliesslich und lückenlos auf die ursprünglich importieren Karakuls aus der Buchara zurück gehen, während Landkarakuls aus einer Verdrängungskreuzung mit mindestens 5 Generationen Karakulschafen und anderen Landschafen hervorgegangen sind.
Die Entwicklung der deutschen Karakulzucht erfolgte teilweise sehr stürmisch. Bereits 1906 erfolgte die Anerkennung der Rasse Karakul durch die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG). 1919 fand die Gründung der Vereinigung der Karakulzüchter in Halle statt. In den Folgejahrzehnten wurde eine Leistungsprüfung und Selektion der Karakulschafe eingeführt, um die Fellqualität zu erhalten und zu verbessern. Nach dem 2. Weltkrieg gab es in Deutschland unterschiedliche Entwicklungen. Im Westen wurde die Zucht nur noch bis in den Anfang der 1970er Jahre weitergeführt, da durch den Verfall der Fellpreise in dieser Zeit die Wirtschaftlichkeit der Rasse nicht mehr gegeben war. Der Verband Deutscher Karakulzüchter wurde aufgelöst und die Herdbuchzucht daher aufgegeben.
In der DDR war der Export von Zuchttieren eine weitere, wichtige Einnahmequelle, so dass die Zucht der Karakulschafe weiter gefördert wurde. Die Bestände und Züchterzahlen wiesen eine gute Entwicklung der Zucht bis 1990 aus. Durch die politischen Umwälzungen, einem weiteren Verfall der Fellpreise, fehlenden Exportmöglichkeiten bzw. keines weiteren staatlichen Interesses an der Aufrechterhaltung der Zucht und die Auflösung der bisherigen Zuchtbuchführung brach die Herdbuchzucht der Deutschen Karakulschafe regelrecht zusammen. 1994 wurde schliesslich die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Karakulzüchter im Landesschafzuchtverband Sachsen-Anhalt gegründet, in der heute alle Karakulzüchter organisiert sind.

Export und andere Länder

Schon sehr frühzeitig wurden erste Karakul-Schafe in die damalige deutsche Kolonie Deutsch-Südwest-Afrika, dem heutigen Namibia, gebracht. Diese sehr trockene und heiße Gegend entsprach in gewisser weise der Herkunftsregion des Schafes. Deshalb konnte dort die Zucht auch mit großem Erfolg betrieben werden.
Insgesamt wurden vor dem 2. Weltkrieg sehr viele Tiere aus Deutschland in viele Länder, praktisch auf alle Kontinente der Erde, exportiert. Auch nach dem 2. Weltkrieg konnte die DDR an den weltweitem Erfolg der deutschen Karakulzucht anknüpfen und viele Tiere in andere Länder exportieren. Nur dadurch konnte am Ende die deutsche Karakulzucht überhaupt bewahrt werden.
Heute gibt es noch größere Bestände an Karakul-Schafen in Asien, um das Ursprungsgebiet der Rasse herum (Afghanistan und einigen Staaten der ehemaligen Sowjetunion etc.), Namibia, Südafrika und Rumänien. Die Bestände in Namibia und Südafrika wurden durch den frühen Erfolg der ersten Exporte nach Deutsch-Südwest-Afrika begründet und konnten sich bis in die heutige Zeit halten. Alle diese Rassen in anderen Ländern sind jedoch in ihrem Aussehen etwas unterschiedlich zu den Deutschen Karakul, das mittlerweile als bodenständige, deutsche Rasse gelten muss.
Eine besondere Entwicklung nahm die Karakulzucht in Rumänien. Dort wurden nach 1948 Karakulschafe aus der Sowjetunion, Deutschland und Österreich importiert und in einer Verdrängungskreuzung über drei Generationen mit der einheimischen rumänischen Rasse „Turcana“ ein eigenständige Karakulrasse geschaffen. An die Kreuzungszucht schloss sich eine Konsolidierung der Rasse in Reinzucht an. Ziel dieser Kreuzungszucht war es, die Locke des Karakuls mit der angepassten Rasse zu verbinden, um so ein für die rumänischen Verhältnisse geeignetes Schaf zu schaffen. Während dieser Zucht wurde auch versucht, die farbliche Variationsbreite des Karakuls zu vergrößern. 1988 wurde die Rasse in Rumänien als „Karakul de Botosani“ (benannt nach der Stadt „Botosani“, in deren Nähe sie erzüchtet wurde) anerkannt. Diese Karakulrasse weist eine gewaltige Farbenvielfalt auf, mit vielen Abstufungen von schwarz, braun, grau, rosa bis weiß. Die Rasse besitzt auch einen anderen Rasse-Typ, ist wohl wegen der Einkreuzung kräftiger, schwerer und großliniger als das deutsche Karakulschaf. Die rumänische Rasse „Karakul de Botosani“ wird im Wesentlichen in einem staatlichen Tierzuchtinstitut weiter entwickelt und in der Umgebung gezüchtet. Aufgrund der Marktlage und besonderer Absatzmärkte kann die Rasse in Rumänien durch diese besondere Konstellation mit staatlicher Förderung überleben.

Heutige Situation und Zucht in Deutschland

Das Deutsche Karakulschaf ist heute ein mittelrahmiges Schaf. Schafe wiegen ca. 50 kg, haben 60 – 65 cm Widerristhöhe, einen jährlichen Wollertrag von ca. 2 – 3 kg Wolle mit einem Ablammergebnis von 100 – 110 %. Die Böcke sind etwas größer und schwerer. Ziel ist die Zucht eines robusten Schafes im Landschafcharakter. Böcke tragen in der Regel schneckenförmige Hörner (etwa ein Viertel ist aber hornlos), weibliche Tiere sind generell hornlos. Der stets vorhandene Fettschwanz ist viereckig bis keilförmig mit S-förmig gebogenem Ende. Er kann, insbesondere bei Böcken, bis zu 5 kg schwer werden. Karakul-Schafe sind spätreif und meist asaisonal brünstig. Die Schafe haben eine lange Mischwolle im Sortiment D-E/EE und können zweimal im Jahr geschoren werden. Die am weitest verbreitete Farbe ist schwarz (arabi), die sich mit zunehmenden Alter zu grauschwarz, graubraun oder grau verändert. Als weitere Farben gibt es, speziell in anderen Ländern, weiß, graue (schiras) und braune (kombar), sowie braungeschimmelte Tiere. Mit der grauen Fellfarbe ist ein tödlicher Erbfaktor verbunden, der dazu führt, dass ein Teil der Tiere sehr früh stirbt. Deshalb muss ein homozygotes Auftreten des grauen Alleles verhindert werden. Typisch für die Rasse sind auch glänzende Stichelhaare, die sich am Kopf und an den Extremitäten befinden. Die Wolle der Schafe ist, wie die der anderen misch- oder schlichtwolligen Schafrassen, für viele Verwendungsmöglichkeiten geeignet.
Bei der Zucht der Rasse wird auch heute noch sehr großen Wert auf die Lockenbildung gelegt. Obwohl die Pelznutzung in Deutschland nicht mehr stattfindet, ist die Lockenbildung der Lämmer rassetypisch, von schönem Aussehen und von kulturhistorischer Bedeutung. Dabei wird in Deutschland insbesondere Wert auf die klassische Röhrenlocke gelegt, während international die „flache Locke“ bevorzugt wird. Zur Erhaltung der Lockenqualität werden die Lämmer im Alter von 1 bis 2 Tagen fotografiert und in ihrer Ausprägung bewertet. Dies ist relativ aufwendig, wodurch die Zucht der Rasse nicht einfach ist.
Im Jahre 2014 gab es gerade einmal noch 6 Züchter, die alle schon älter waren, und ca. 14 Böcke und 250 Mutterschafe gehalten haben. Diese massive Gefährdung der Rasse war auch der Grund, dass die „Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e. V.“, das Deutsche Karakulschaf 2015 zur „Gefährdeten Rasse des Jahres“ ernannt hatte. Die Rasse steht auf deren „Roten Liste der gefährdeten Haustierrassen“ unter der Kategorie I, extrem gefährdet. Zum „Jahr des Karakulschafes“ 2015, fanden dann, neben der obligatorischen Vorstellung auf der „Internationalen Grünen Woche“ in Berlin, weitere Veranstaltungen im Laufe des Jahres statt. Durch diese Werbung für die Rasse wurde versucht, neue Züchter anzusprechen und damit den Erhalt der Rasse zu fördern. Gewisse Erfolge konnten verzeichnet werden, es ist aber unklar, ob diese Interessenten, die mit neuen Tieren versorgt worden waren, auch auf Jahre hinaus Züchter bleiben.
Der ursprüngliche Zweck der Karakulzucht war, wie oben bereits beschrieben, die Pelzzucht. Das Fell der frisch geborenen Lämmer lieferte nach entsprechender Bearbeitung die im 19. und 20. Jahrhundert noch begehrten Persianer-Pelze. Die Änderung der Konsumgewohnheiten und eine allgemeine Abkehr von Pelzprodukten mit einem schlechten Image von Pelzen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hat die Pelzindustrie und den Absatz der „Persianer“-Pelze weitgehend zum Erliegen gebracht. Dies hat diese Schafrasse schwer getroffen. Aufgrund dieser veränderten Rahmenbedingungen wird eine Pelznutzung beim Karakulschaf in Deutschland schon seit Jahrzehnten nicht mehr durchgeführt. Deshalb mussten neue Möglichkeiten gefunden werden, die spezifischen Eigenschaften dieser Rasse zu nutzen. Dazu kann die ursprüngliche Eigenschaft der Rasse, an karge Bedingungen der Steppe angepasst zu sein, genutzt werden. Sie hat diese Eigenschaft nie verloren und ist deshalb heute noch recht genügsam und robust.
Die Rasse lässt sich somit besonders in kargen oder extrem kargen Standorten einsetzen, etwa Sandgebieten oder ähnlichen Trockengebieten. Durch die Einlagerung eines Hauptteiles des Fettes im Fettschwanz wird ein besonders mageres und dadurch wohlschmeckendes Fleisch produziert. Mit den Fettreserven des Fettschwanzes können auch kurzfristig schlechtere Futterverhältnisse überbrückt werden. Damit ist die Rasse insbesondere auch in der Beweidung in der Landschaftspflege, von Naturschutzgebieten bzw. -flächen eingesetzt werden.
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