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Seltene Nutztierrassen

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Deutsches Schwarzbuntes Niederungsrind (DSN) Glanrinder Original Braunvieh (OBV)
312 mal angesehen
14.05.2016, 20.48 Uhr

Gefährdete Rinderrassen in den Regionen

Rinder waren über Jahrhunderte hinweg eine der wichtigsten landwirtschaftlichen Nutztiere. Während heute Milchleistung (Milchviehhaltung) und Fleischleistung (Mutterkuhhaltung) die wichtigsten Nutzungsrichtungen in Deutschland sind, war früher auch die Zugleistung ein bedeutender Faktor für die Rinderhaltung. Weltweit betrachtet ist die Arbeitsleistung der Rinder nach wie vor in vielen Ländern von entscheidender Bedeutung für den landwirtschaftlichen Anbau. Eine weitere, oft vergessene Nutzung des Rindes war die Erzeugung von Dünger für die Äcker, in manchen Länder wird der Rinderdung aber auch als Brennmaterial genutzt. Auch die Düngererzeugung ist weltweit betrachtet nach wie vor notwendig für die landwirtschaftliche Kultur. In vielen Gebieten Deutschlands war diese Düngererzeugung auch der wichtigste Grund für eine mehr oder weniger ausgedehnte, aber vielfach qualitativ minderwertige Rinderhaltung. Erst die Veränderungen seit 1850 mit den Umwälzungen im landwirtschaftlichen Bereich haben die Rinderhaltung von einem ungeliebten Zwang zu gewollter Zucht und guter Entwicklung geführt.

Rinderrassen in Deutschland

Die heute in Deutschland bekannten Rinderrassen haben sich im Wesentlichen seit 1850 herausgebildet. Gerade in Süddeutschland hat sich eine große Zahl an unterschiedlichen Rinderrassen geringer Populationsgröße erhalten, während in Norddeutschland bereits sehr früh eine Konzentration auf wenige Rassen festzustellen war. Dies hat einerseits politische Gründe (Preußen als einheitlicher Staat), andererseits waren auch die geografischen und wirtschaftlichen Bedingungen in Süddeutschland unterschiedlicher als im norddeutschen Bereich.
Heute werden in Deutschland eine Vielzahl von Rassen gezüchtet, die gerade in der Fleischrinderhaltung oftmals im Ausland ihren Ursprung haben. Von den großen Rassenblöcken können Holstein, Fleckvieh, Braunvieh und Angler gewissermaßen als einheimisch gelten. Daneben gibt es noch 14 weitere gefährdete deutsche, einheimische Rassen, die sich auf der „Roten Listen der Gefährdeten Haustierrassen“ der GEH befinden (http://www.g-e-h.de/geh/jupgrade/index.php/die-rote-liste/rote-liste).

Gefährdete Rassen des Jahres 2016 auf der Grünen Woche in Berlin

Die GEH kürt jedes Jahr die gefährdete Haustierrasse des Jahres. Für das Jahr 2016 wurden die drei gefährdeten Rinderrassen „Deutsches Schwarzbuntes Niederungsrind“ (DSN), „Glanrind“ und „Original Braunvieh“ (OBV) ausgewählt. Diese drei Rassen stehen stellvertretend für alle gefährdeten Rinderrassen in Deutschland. Das DSN verkörpert dabei neben der Hauptnutzungsrichtung Milch die Norddeutsche Tiefebene. Das Glanrind neben der früher wichtigen Nutzung zur Arbeitsleistung die Mutterkuhhaltung und die deutschen Mittelgebirge. Das OBV ist der Vertreter der Rassen der Alpen bzw. Süddeutschlands und zeigt als Mehrnutzungsrasse sowohl Milchleistung als auch Fleischleistung.
Die drei Rassen lassen aber auch verschiedene Möglichkeiten erkennen, wie Rassen erhalten werden können bzw. sich über die Zeit retten konnten. Beim DSN gab es in der DDR Genreservebetriebe, weiterhin einzelne Halter in Westdeutschland und Einzeltiere in verschiedenen Beständen. Das Glanrind war fast völlig ausgestorben und konnte nur durch das Nutzen weniger reinrassiger Kühe und anderer Kreuzungstiere mit Hilfe der künstlichen Besamung von alten, eingelagerten Bullen und Genzufuhr aus verwandten Rassen gerettet werden. Vom OBV waren reinrassige Kühe als Einzeltiere bei vielen Haltern verblieben, es war aber von einer größeren Zahl an Bullen Sperma eingelagert worden, das dann für den Erhalt der Rasse genutzt werden konnte.
Diese drei gefährdeten Rassen wurden wie jedes Jahr auf der „Internationalen Grünen Woche“ in Berlin vom 15. bis 24. Januar 2016 der Öffentlichkeit vorgestellt. Dazu gab es Vorführungen im Tierschauring.
Auf der „Grünen Woche“ wurden neben den drei gefährdeten Rassen des Jahres auch noch andere Rinderrassen ausgestellt. So war ein Vergleich zwischen DSN und Holstein, Glanrind und Gelbvieh bzw. Fleckvieh und Original Braunvieh und Braunvieh sehr gut möglich und den Besuchern der Unterschied augenfällig.

Geschichte und Eigenschaften der Rassen

Das Deutsche Schwarzbunte Niederungsrind war die verbreitete Rinderrasse der Küstenregionen von den Niederlanden bis Ostpreußen. Die Rasse war schon frühzeitig auf eine gute Milchleistung gezüchtet und gehörte um 1930 zu den Rassen mit der höchsten Milchleistung im Deutschen Reich. Durch seine gute Bemuskelung waren die Tiere aber auch mastfähig, was insbesondere bei der Weidemast genutzt wurde. In den 1960er Jahren sollte die Milchleistung der Rasse stark gesteigert werden, weshalb sich ab etwa 1970 die Einkreuzung von Holstein-Frisian durchsetzte. Damit entstand der neue Rasseblock der Holstein-Rinder, während das DSN in geringer Zahl erhalten blieb. Insbesondere in der ehemaligen DDR wurden einige Betriebe als Genreseve-Betriebe von der Einkreuzung ausgenommen. Der ehemalige Genreserve-Betrieb, die Agrargenossenschaft Gräfendorf, stellte auch eine Kuh auf der Grünen Woche aus.
Die Rasse DSN besitzt heute neben einer guten Milchleistung auch eine gute Fruchtbarkeit und Langlebigkeit. Die Bullenkälber sind auch entsprechend bemuskelt, mastfähig und damit auch gut in der Bullenmast geeignet. Einige Halter der Rasse DSN betreiben sogar Mutterkuhhaltung mit reinrassigen DSN, was bei der Rasse Holstein undenkbar wäre.
Das Glanrind stammt aus Rheinland-Pfalz und wurde auch einmal als Glan-Donnersberger-Rind bezeichnet. Das Zuchtgebiet befand sich ursprünglich um den Fluss Glan und den Donnersberg. Bis um die 1950er Jahre war die Rasse im Ursprungsgebiet weit verbreitet und wurde insbesondere auch als Zugrind genutzt. Mit der Einkreuzung von Roten Dänischen Milchrind zur Vergrößerung der Rinder und Verbesserung der Milchleistung begann der Niedergang der Rasse. Die Rasse wurde in vielen Fällen auch durch Deutsche Rotbunte, später durch Holstein ersetzt. In den 1980er Jahren war die Rasse fast ausgestorben, es waren nur wenige Kühe verblieben, die oft schon verkreuzt waren. Durch Zusammenfassung dieser wenigen Kühe und Anpaarung mit alten Bullen, die als Sperma eingelagert waren, konnte die Rasse wieder zum Leben erweckt werden. Heute hat sich die Zahl der Tiere stabilisiert und die Rasse wird hauptsächlich in der Mutterkuhhaltung eingesetzt. Einige wenige Betriebe melken auch Glanrinder. Andere Besitzer nutzen die Tiere als Zugtiere für Brauchtumsveranstaltungen oder ähnliche Zwecke. Die Rasse eignet sich hervorragend für die Mutterkuhhaltung auch an Grenzertragsstandorten.
Das Original Braunvieh stammt im Wesentlichen aus dem bayerischen und baden-württembergischen Allgäu und wird dort seit Jahrtausenden gezüchtet. In den letzten zweihundert Jahren gab es immer wieder Einkreuzungen mit anderen verwandten Braunviehschlägen aus der Schweiz oder Österreich. Seit das Allgäu um 1850 zu einem Zentrum der Milchwirtschaft (Käseherstellung) wurde, war die Rasse stark auf Milchleistung gezüchtet worden. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die besondere Tauglichkeit der Milch, sowohl des OBV als auch des Braunviehs, für die Käserei. Aber die Rasse war ausreichend bemuskelt und gut als Zugtier geeignet. Ab 1965 fand eine starke Umzüchtung der Rasse mit Brown Swiss aus Nordamerika zur Verbesserung der Milchleistung statt. Wenige OBV-Kühe konnten sich bis 1990 in den Betrieben erhalten. Seither wurde mit vor der Umzüchtung eingelagerten Sperma und Tieren aus der OBV-Population der Schweiz die Rasse erhalten und die Besandeszahlen haben sich wieder stark vergrößert. Heute wird die Rasse noch hauptsächlich in der Milchviehhaltung genutzt, aber durch seine gute Bemuskelung gibt es auch immer mehr Mutterkuhhaltungen mit dem OBV.
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