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Seltene Nutztierrassen

(21 Einträge)

Murnau-Werdenfelser Mutterkühe Brillenschafe Süddeutsches Kaltblut
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08.09.2016, 19.50 Uhr

Haupt- und Landgestüt Schwaiganger

Das Haupt- und Landgestüt Schwaiganger ist wohl jedem Pferdefreund in Deutschland, wahrscheinlich sogar in Europa, ein Begriff als Zuchtstätte von Warmblut, Kaltblut und Haflingerpferden. Weniger öffentlich bekannt ist aber auch das Engagement des Betriebes in der Zucht von verschiedenen gefährdeten Tierrassen.
Schwaiganger ist als ein Lehr-, Versuchs- und Fachzentrum (LVFZ) für Pferdehaltung Bestandteil der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) und damit als staatlicher Betrieb zu klassifizieren. Seinen Hauptstandort hat es im sog. Bayerischen Oberland, in 82441 Ohlstadt, in der Nähe von Garmisch-Partenkirchen. Der Betrieb umfasst ca. 460 ha Grünland, einschließlich Streuwiesen (das sind Wiesen, die nur für Einstreugewinnung gemäht werden können) und 312 ha Wald, 39 ha Hofflächen und Wege und 47 ha nur teilweise bewirtschaftbares Unland. Neben dem Hauptstandort Schwaiganger auf ca. 650 m Meereshöhe gibt es noch den Versuchsbetrieb Gugelhör auf ca. 750 m Höhe. Die Flächen befinden sich auf ca. 630 bis 840 m Höhe und haben ca. 1200 –1400 mm jährlichen Niederschlag.

Schafrassen

Aktuell werden auf dem Betrieb Brillenschafe, Alpine Steinschafe und Schwarze Bergschafe gehalten. Bis vor kurzem wurden auch weitere Bergschafe gehalten,die jedoch nun auslaufen. Die drei Rassen werden alle auf der Gugelhör gehalten.
Das Alpine Steinschafe ist eine der ursprünglichsten Rassen des Alpenraumes und soll, wie auch andere süddeutsche Rassen, vom ausgestorbenen Zaupelschaf abstammen. Es handelt sich um ein kleines bis mittelgroßes Gebirgsschaf. Die mischwollige Rasse ist widerstandsfähig und wetterhart und deshalb für Hochgebirge und karge Böden geeignet. Auf der Gugelhör werden ca. 60 Mutterschafe und ein Bock gehalten. Man versucht die verschiedenen, in der Rasse vorhandenen Farben und Hornausbildungen zu erhalten. Die Rasse gilt als „extrem gefährdet“, hat jedoch in den letzten Jahrzehnten eine sehr positive Bestandesentwicklung genommen und wird heute hauptsächlich in ganz Süddeutschland, auch ausserhalb des Alpenraumes gezüchtet.
Brillenschafe wurden im 19. Jahrhundert aus Steinschafen und den norditalienischen Paduaner- und Bergamaskerschafen in Kärnten erzüchtet und gelangten von da aus nach Bayern. Hier wird es nun seit weit über 100 Jahren gezüchtet. Das Brillenschaf ist mittelgroß, kräftig, hat einen geramsten Nasenrücken (gebogener Nasenrücken) und einen unbewollten, hornlosen Kopf. Die Augen sind von den teilweise großen rassetypischen schwarzen Flecken (Brille) umgeben, ebenso, wie es oft am Maul und an den Ohren schwarze Flecken gibt. Das schlichtwollige Schaf ist robust und anspruchslos und zeichnet sich durch eine hohe Milchleistung der Mütter aus. Auch von dieser extrem gefährdeten Rasse werden 60 Muttern und ein Bock gehalten. Auch hier hat sich der Bestand in den letzten Jahrzehnten positiv entwickelt.
Das Schwarze Bergschaf gehört zur Gruppe der Bergschafe, die eine ähnliche Entstehungsgeschichte haben. Diese Rassengruppe entstand aus der Kreuzung des Steinschfes mit dem italienischen Bergamaskerschaf. Heute werden die vier Rassen weißes, braunes, schwarzes und geschecktes Bergschaf gezüchtet. Immer wieder fielen aus den Bergschafen völlig schwarze Lämmer, aber über Jahrzehnte war die schwarze Farbe in der Rasse weißes Bergschaf nicht erwüscht, und solche Tiere wurden ausselektiert. Dadurch war die schwarze Farbe fast ausgestorben. Seit 2003 gibt es nun ein Herdbuch für das schwarze Bergschaf, so dass schwarze Tiere hier rein weiter gezüchtet werden können. Prinzipiell fallen aus allen Farbrassen des Bergschafes schwarze Tiere, aber diejenigen aus den weißen Bergschafen sind die schönsten. Auf der Gugelhör werden auch hier 60 Mutterschafe und ein Bock der Rasse gehalten. Die schlichtwollige Rasse zeichnet sich durch harte Klauen aus und ist deshalb besonders für das Hochgebirge geeignet.wie alle Bergshafe weist es einen unbehornten, ramsnasigen Kopf mit langen, ängenden Ohren auf. Früher waren die unterschiedlichen Farbschläge von großer Bedeutung, konnte man doch so Loden unterschiedlicher Färbung herstellen, ohne zu Färbemitteln greifen zu müssen.
Bei allen drei Schafrassen sind die Böcke ganzjährig bei den Mutterschafen, so dass auch ganzjährig Lämmer fallen. Die Lämmer gehen in wesentlichen in die Lebendvermarktung als Schlachttier, aber auch als Zuchttiere. Ausserdem werden die Schafe zwei mal im Jahr geschoren.

Murnau-Werdenfelser Rinder

Als „Genreserve“ werden auch Rinder der Rasse Murnau-Werdenfelser auf dem Betrieb gehalten. Meist sind es etwas über 20 Mutterkühe, die auf der Gugelhör stehen und konventionell gehalten werden. Dazu gehören zwei Bullen, die selbst gezüchtet oder mit anderen Züchtern ausgetauscht oder gekauft werden. Alle Kühe werden nach den Richtlinien der Herdbuchzucht gehalten und bei den Nachkommen werden die beiden Wiegungen zum 200sten und zum 360sten Tag durchgeführt. Seit ca. 10 Jahren hat man die Kalbezeit auf weitgehend Januar bzw. Februar gelegt und so laufen die Bullen nur noch von Anfang Februar bis Anfang Mai mit der Herde mit. Im Sommer erfolgt dann die Herdentrennung nach den Geschlechtern der Kälber. Die weiblichen Absetzer werden meist für die Zucht verwendet, die männlichen kastriert und später als Ochsenfleisch vermarktet. Bei Nachfrage werden auch einzelne weibliche oder männliche Tiere an Züchter abgegeben, aber man macht hierfür keine Werbung, weil der Bestand den meisten Murnau-Werdenfelser Mutterkuhhaltern bekannt ist. Das Erstkalbealter der Kühe wird bei 3 Jahren gehalten und man hat immer auch zwei bis drei Kühe in einem Alter von 15 Jahren und älter.

Rottaler und Süddeutsches Kaltblut

Schwaiganger ist auch eine EU-anerkannte Besamungsstation für Pferde. Meist werden hier Warmblut, teilweise Vollblüter abgesamt, um als Tiefgefriersperma oder Frischsperma den Pferdezüchtern zur Verfügung gestellt zu werden. 2016 wurde aber auch die Möglichkeit genutzt, den Hengst der gefährdeten Pferderasse Rottaler „Moritz“ abzusamen. Der 1996 geborene Hengst ist ein Sohn des „Morketo“, der entscheindend am Wiederaufleben der Zucht dieser Rasse ab den späten 1980er Jahren beteiligt war. Damit kann auch die Genetik dieses Hengstes für die Zukunft und für die Zucht erhalten werden. Die Rasse Rottaler wurde bis in die 1960er Jahre in Bayern, hauptsächlich in Niederbayern, im Rottal, als schweres Warmblut gezüchtet. Es war neben Ackerpferd auch ein kräftiges Kutsch- und Wagenpferd. Zuchtziel des Rottaler sit ein Pferd mit 160 bis 165 cam Stockmaß und 200 cm Brustumfang und gedeckten Farben mit wenig Abzeichen. Als ehemaliges Arbeitspferd wird auch viel Wert auf ein entsprechend ruhiges Temperament gelegt. Auch diese Rasse ist extrem gefährdet und erhält eine Förderung durch den Bayerischen Staat.
In der Zucht des heute sogenannten Süddeutschen Kaltblutes hat das Hauptgestüt Schwaiganger über Jahrzehnte eine bedeutende Rolle gespielt. Nach dem 1. Weltkrieg war es Stammgestüt für die Kaltblutzucht. Während des Niederganges der Kaltblutzucht in den 1950er und 1960er Jahren war die Zucht auf den Staatgestüt eine wesentlichen Stütze für die Erhaltung der Rasse. Heute haben sich die Bestandszahlen des Süddeutschen Kaltblutes auf einen guten Niveau stablisiert. Sie sind zwar weit weg von den Hochzeiten der Zucht zwischen den beiden Weltkriegen, aber haben auch in den letzten Jahren die verschlechterten Absatzmöglichkeiten in der Pferdezucht gut überstanden. Die Rasse ist als Zugpferd und auch als schweres Reitpferd für Brauchtumsveranstaltungen beliebt. In den letzten Jahrzehnten hat man vereinzelt und gezielt einzelne Hengste anderer Rassen (z. B. Schweres Warmblut) eingekreuzt, um die Gängigkeit etwas zu verbessern. Trotzdem ist das Kaliber der Rasse heute deutlich stärker als vor 50 Jahren.
Nach wie vor hat das Hauptgestüt fast 20 Mutterstuten, 5 Zuchthengste und entsprechende Nachzucht. Man versucht auch immer gute Hengstfohlen aufzuziehen und dann der Zucht zur Verfügung zu stellen. Wenn auch heute das Süddeutsche Kaltblut nicht (mehr) als gefährdete Rasse geführt wird, so bedarf es doch immer weiterer Anstrengungen, diesen Status auch für die Zukunft zu erhalten.
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