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Seltene Nutztierrassen

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Leutstettener Stute Schaubild Rinder Pinzgauer Kuh Enzian
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12.12.2016, 20.36 Uhr

Zentrallandwirtschaftsfest 2016 in München I

Wie alle 4 Jahre fand auch dieses Jahr wieder das Zentrallandwirtschaftsfest (ZLF) in München statt. Es dauerte eine Woche, in der ersten Oktoberfestwoche vom 17.09 bis 25.09 auf der Theresienwiese, direkt neben dem Oktoberfest. Dafür ist das Oktoberfest jedes Mal etwas kleiner, insbesondere die sogenannte „Oide Wies’n“, in dem das Oktoberfest des letzten und vorletzten Jahrhunderts gezeigt wird, musste dieses Jahr ausfallen. Dafür gab es auf dem ZLF das „Festzelt Tradition“, das ab 17 Uhr auch gegen Eintritt für die Besucher des Oktoberfestes bis 22.30 Uhr geöffnet war. Durch die Sicherheitslage war nicht nur das Oktoberfest sondern auch das ZLF deutlich besser gesichert als 2012. Aber im Nachhinein lässt sich sagen, es gab weder auf dem ZLF noch auf dem Oktoberfest sicherheitsrelevante Vorfälle und die Besucher akzeptierten die Taschenkontrollen problemlos. Insbesondere wegen des schlechten Wetters am ersten Wochenende verzeichnete das ZLF mit ca. 280.000 Besuchern einen Besucherrückgang um 90.000 Personen, aber auch das Oktoberfest war deutlich schlechter besucht.

Tierschau auf dem ZLF und die seltenen, gefährdeten Rassen

Das ZLF ist eine Ausstellung, in der die neueste Technik aus Land-, Forst- und auch Hauswirtschaft gezeigt wird. Wichtiger Punkt ist auch die Vorstellung von Nahrungs- und Genussmitteln und die Geselligkeit. Publikumsmagnet ist aber auch die Landestierschau auf dem ZLF, auf der nahezu alle Tierarten ausgestellt werden, die für die landwirtschaftliche Nutzung und Nahrungsmittelproduktion in Bayern von Bedeutung sind. Direkt neben dem Tierschauzelt 14 befindet sich der „Große Ring“ mit Tribüne, in dem die Tiere der breiten Öffentlichkeit gezeigt werden können. Dieses Jahr wurde auch ein kompletter kleiner Milchviehstall für 19 Kühe und Melkroboter aufgebaut und das sog. Schweinemobil war ebenso zu sehen, um den Besuchern die moderne Rinder- und Schweinehaltung an einem kleinen Beispiel nahe zu bringen.
Neben den großen Wirtschaftrassen ist die Tierschau des ZLF auch schon seit vielen Jahrzehnten ein Schaubild für viele der in Bayern gezüchteten seltenen und gefährdeten Tierrassen in der landwirtschaftlichen Produktion und im Tierschauzelt befand sich ein Stand der GEH (Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e. V.). Auch dieses Jahr wurden wieder viele verschiedene Tiere der gefährdeten Rassen gezeigt und konnten auch große Erfolge in den Prämierungen erzielen. In den nachfolgenden Zeilen soll ein Überblick über die vorgestellten Rassen und die erzielten Ergebnisse bei den gefährdeten Rassen dargestellt werden.

Pferde

Bei den Pferden waren ausgestellt die verbreiteten Rassen Deutsches Sportpferd (Deutsches Reitpferd, ehemals Bayerisches Warmblut), Süddeutsches Kaltblut, Haflinger, Edelbluthaflinger und eine größere Anzahl von kleineren Pferderassen und Ponyrassen: Shetland-Pony in verschiedenen Zuchtrichtungen, Deutsches Classic Pony, Welsh Mountain Pony, Welsh Cob, Fjordpferde (Norweger), Isländer (bekannt durch die Schrittart „Tölt“), Leonharder, New Forest Pony, Connemara Pony, Deutsches Reitpony. Von den gefährdeten Pferderassen wurden die Leutstettener und die Rottaler gezeigt, allerdings außer Richtkonkurrenz.
Die Leutstettener, die ihren Namen nach dem königlichen Gestüt Leutstetten am Starnberger See bekommen haben, sind als „Savarer“ um 1840 in Ungarn entstanden, werden aber seit über 100 Jahren in Bayern eigenständig gezüchtet. Es handelt sich aufgrund der Abstammung vom Vollblut um ein leichteres Reitpferd mit ca. 160 cm Widerristhöhe. Aufgrund der geringen Stutenzahl ist die Rasse „extrem gefährdet“.
Der „Rottaler“ bzw. das „Rottaler Warmblut“ ist eine seit Jahrhunderten in Niederbayern gezüchtete Rasse eines leichten Wirtschaftspferdes, das in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts unter großen Einfluss des Schweren Warmbluts aus Ostfriesland und insbesondere Oldenburg statt. Die Zucht dieser Rasse wurde um 1965 aufgegeben und erst Ende der 1980 Jahre konnte einige alte Stuten reaktiviert werden, deren Nachkommen die Basis der heutigen Zucht bilden. Auch diese Rasse ist wegen der geringen Stutenzahl als „extrem gefährdet“ eingestuft.

Rinder

Die Zahl der Rinderrassen, die ausgestellt wurden, war ebenfalls wieder sehr groß. Von den Milchleistungs-/Doppelnutzungsrassen waren dies die verbreiteten Rassen Fleckvieh, Braunvieh und Holstein. Bei den Fleischrindrassen waren es Angus, Charolais, Dexter Fleckvieh (Simmental), Hereford, Highland Cattle, Limousin und Wagyu. Die Anzahl der ausgestellten gefährdeten Rassen war ebenfalls einerseits bemerkenswert– aber andererseits auch bedenklich groß. Denn jede ausgestellte gefährdete Rasse bedeutet einen Genpool, der vom Aussterben und damit vom endgültigen Verlust bedroht ist.
Bei den Doppelnutzungsrassen ist zuerst die in Franken beheimatete Rasse Gelbvieh zu nennen, die seit Jahren mit einem Bestandsrückgang konfrontiert sieht. Hier wurden nur Kühe ausgestellt und Siegerin wurde die Kuh Ilone, die auch mit Ihrer Leistung überzeugte.
Beim Original Braunvieh, einer fast ausgestorbenen Rasse, die erst Ende der 1980er Jahre in Deutschland wieder züchterisch reaktiviert und bearbeitet wurde, waren ebenfalls nur Kühe ausgestellt. In den letzten Jahren sind die Bestandeszahlen der Rasse auf niedrigem Niveau relativ stabil. Die Kuh Wibke, die ebenfalls durch gute Milchleistung überzeugen konnte, machte hier den Klassensieg.
Weiterhin wurde ausgestellt die relativ bekannte Rasse Murnau-Werdenfelser. Diese Rasse hat sich in den letzten 10 Jahren deutlich in den Bestandeszahlen verbessert, was nicht zuletzt der aktuell guten Vermarktungsmöglichkeiten geschuldet ist. Ausgestellt wurden auch nur Kühe und Klassensiegerin wurde die Kuh Zaziki, die interessanterweise auf der Rasseschau im Frühjahr nicht auf den vorderen Plätzen landen konnte.
Von den Pinzgauern, die im Südosten Bayerns beheimatet sind und ebenfalls seit Jahren einen sachten Aufwärtstrend haben, wurden hier ebenfalls nur Kühe ausgestellt. Siegerin wurde die Kuh Enzian.
Außer Konkurrenz war eine Kuh der Rasse Ansbach-Triesdorfer ausgestellt, die die typische Farbzeichnung zeigte. Die Rasse ist ebenfalls seit Jahren stabil auf sehr niedrigem Niveau und gilt deshalb als „stark gefährdet“.
Bei den Fleischrinderrassen waren auch einige Rassen vertreten, die bereits in der Doppelnutzung ausgestellt waren. Hier zeigt sich, dass fleischstarke Doppelnutzungsrassen eben auch in der Fleischrinderhaltung gute Leistungen bringen und konkurrenzfähig sind.
Beim Deutschen Gelbvieh wurde der Bulle Herold gezeigt, der eine Besonderheit ist, weil sein Vater aus einer Genreserve stammt. Der kräftige Bulle, der dieses Jahr bereits auf der Grünen Woche in Berlin war, wurde auch Sieger der rasseübergreifenden Konkurrenz der Bullen von gefährdeten Rassen (Gelbvieh, Pinzgauer, Rotes Höhenvieh). Siegerin der Gelbvieh-Kühe wurde die elfjährige Agathe, die ebenfalls schon schauerprobt ist.
Die Pinzgauer waren ebenfalls mit Bullen und Kühen vertreten, in der Konkurrenz der Kühe konnte Fenke den Klassensieg erringen. Diese Kuh ist ebenfalls keine Unbekannte mehr und konnte bereits vor ca. 2 Jahren als Jungrind auf einer Rasseschau überzeugen.
Von den Murnau-Werdenfelsern war bei den Fleischrindern eine Kuh mit Kalb vertreten, ebenso bei den Pustertalern. Die aus Südtirol stammende Rasse Pustertaler war ursprünglich ebenfalls ein Zweinutzungsrind, aber wird heute praktisch ausschliesslich in der Fleischrinderzucht gehalten.
Ähnlich ist es bei der Rasse Rotes Höhenvieh, die heute fast ausschliesslich in der Mutterkuhhaltung gehalten wird, obwohl es ursprünglich eine Dreinutzungsrasse (Fleisch, Arbeit, Milch) war. Die Rasse hat sich in den letzten Jahrzehnten aus geringsten Anfängen sehr gut entwickelt. Auf dem ZLF waren ein Bulle und mehrere Kühe ausgestellt. Die Kühe konnten in der rasseübergreifenden Konkurrenz der gefährdeten Rassen (Rotes Höhenvieh, Murnau-Werdenfelser, Pustertaler) brillieren und Siegerin wurde die Kuh Felina.
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